
„Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht“
Sechste Synodalversammlung in Stuttgart endet mit einer gemeinsamen Erklärung
Mit großer Mehrheit hat die sechste Synodalversammlung der katholischen Kirche in Deutschland heute eine gemeinsame Erklärung verabschiedet. Unter dem Leitwort „Für eine Welt, die Zukunft hat – mit einer Kirche, die Hoffnung macht“ bekräftigten die Synodalen die Notwendigkeit fortgesetzter Aufarbeitung sexualisierter Gewalt in der Kirche. Entscheidend sei die Überwindung der systemischen Ursachen. „Eine hoffnungsfrohe Kirche, die nichts mehr verschleiert und sich erneuert“, könne eine wirksamere Kirche in der Welt sein.
In unserer zerrissenen Welt die Frohe Botschaft sichtbar machen
„Mit der Synodalkonferenz wird die katholische Kirche in Deutschland ein Instrument gewinnen, um dauerhaft die systemischen Dimensionen des Machtmissbrauchs zu bekämpfen“, heißt es in der Erklärung weiter. „Das Ziel der Synodalkonferenz ist es, Partizipation, Transparenz und Rechenschaft zu sichern, Diskriminierung zu bekämpfen und Geschlechtergerechtigkeit zu fördern.“ Gemeinsame Beratungen und gemeinsame Beschlüsse von Bischöfen und Laien gäben Entscheidungen Nachdruck: „Denn unsere Kirche hat die Aufgabe, in unserer zerrissenen Welt die Frohe Botschaft sichtbar zu machen.“
Was wurde erreicht?
Zuvor hatte sich die Synodalversammlung mit Evaluation und Monitoring der seit 2021 gefassten Beschlüsse beschäftigt. Das gemeinsame Beratungsgremium haben die Mitglieder der Versammlung als Erfahrung der Selbstwirksamkeit begrüßt, das ergaben Fragen an die Mitglieder der Versammlung und an die zuarbeitenden Beratungsforen. Zur Frage, wie die Beschlüsse der Synodalversammlung Umsetzung in den Bistümern gefunden haben, wurden offene Aufgaben markiert und eine größere Geschwindigkeit als notwendig angesehen.









Alle sind zum Apostolat berufen – Kirche ist ein Miteinander, eine kraftvolle Allianz
Die Synodalversammlung einigte sich auch auf eine Anpassung der anstehenden Wahlordnung für die noch zu wählenden Mitglieder einer dritten Gruppe in der künftigen Synodalkonferenz. Neben Bischöfen und ZdK-Delegierten – jeweils 27 – besteht die dritte Gruppe ebenfalls aus 27 Personen. Bereits beschlossen wurde die Präsenz zweier Mitglieder des Beirats der Betroffenen von sexualisierter Gewalt sowie zweier Mitglieder der Ordensobernkonferenz. Mindestens 13 Mitglieder sollen Frauen sein, mindestens fünf Mitglieder unter 30 sein und mindestens drei Mitglieder den muttersprachlichen Gemeinden angehören.
„Das Evangelium ist Richtschnur unseres Handelns. Gehen wir voran. Haben wir Mut. Zeigen wir Hoffnung. Geben wir Zeugnis von unserem Glauben in einer Zeit, die das Zeugnis der Christinnen und Christen braucht.“ Bischof Dr. Georg Bätzing
Der Präsident der Synodalversammlung und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Georg Bätzing sagte: „Synodalität ist das Zukunftsmerkmal der Kirche – weltweit und in Deutschland. Ich bin froh und dankbar, dass die beiden synodalen Prozesse – der römische Weg und unser Weg – mittlerweile gut ineinandergreifen. Es gibt kein Gegenüber mehr, Kirche ist ein Miteinander, und Synodalität ist die Zukunft des Miteinanders der Kirche. Daran müssen wir uns messen lassen.“ Er erinnerte daran, dass neben allem innerkirchlichen Arbeiten die Kirche auch die Sorgen in der Welt ernstnehme: „Wir kreisen mit dem Synodalen Weg nicht um unseren eigenen Kirchturm. Die künftige Synodalkonferenz will und soll ja gerade zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung beziehen – Laien und Bischöfe gemeinsam. Das ist eine kraftvolle Allianz, mit der wir in der Öffentlichkeit wahrnehmbar sein können. Und dabei geht es dann auch darum, die Frohe Botschaft zu verkünden. Das Evangelium ist Richtschnur unseres Handelns. Gehen wir voran. Haben wir Mut. Zeigen wir Hoffnung. Geben wir Zeugnis von unserem Glauben in einer Zeit, die das Zeugnis der Christinnen und Christen braucht.“





Die zukünftige Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland hat eine Aufgabe
Bätzings Co-Präsidentin und Präsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Dr. Irme Stetter-Karp, ist voller Zuversicht: „Wir haben es geschafft! Die sechste Synodalversammlung markiert den Übergang zur Synodalkonferenz der katholischen Kirche in Deutschland. Wir haben eine Aufgabe in unserem Miteinander, für die Kirche auf dem Weg ins 21. Jahrhundert. Zugleich haben wir eine Aufgabe in der Gesellschaft. Demokratie und Menschenwürde sind weltweit unter massivem Druck von Autokraten und Anti-Demokraten. Wir müssen als Christen aufstehen gegen diese Entwicklung. Wir teilen diese Aufgabe mit der Weltkirche. Von daher ist es ein Zeichen der Zeit, dass wir Katholikinnen und Katholiken in Deutschland mehr Demokratie in unserer Kirche etablieren wollen. Gerade jetzt sagen wir damit: Menschenwürde und Teilhabe, Solidarität und die Verlässlichkeit des Rechts dürfen nicht auf dem Altar der Macht geopfert werden. Wir brauchen ein Gegengewicht zu dieser Entwicklung! Mit dem Synodalen Weg sind wir ein solch lebendiges Gegengewicht.“
Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen
Bischof Dr. Michael Gerber, Vizepräsident der Synodalversammlung, erinnerte an die gesellschaftliche Dimension der Aufgabe der Kirche: „Wir stehen ein für die Würde des Menschen, für Solidarität in der Gesellschaft. Die aktuellen Herausforderungen verbinden uns mit vielen Gruppen in der Gesellschaft, die sich für eine freiheitliche Grundordnung einsetzen. Der hl. Johannes Don Bosco, dessen Gedenktag heute gefeiert wird, steht für eine Kirche, die sich hat berühren lassen vom Schicksal junger, marginalisierter und oft verletzter Menschen und für das Engagement, dass diese Menschen sich als Subjekt, als wirksam erfahren. In dieser Spur müssen wir auch heute unterwegs sein.“ Er betonte, dass die Mitglieder der Synodalkonferenz aus unterschiedlichen Kontexten kommen. Sie alle hätten die Aufgabe, das große Ganze im Blick zu haben: Die drängenden Fragen unserer Kirche und unserer Gesellschaft heute.
Thomas Söding, ebenfalls Vizepräsident der Synodalversammlung, erklärte: „Die katholische Kirche braucht den Synodalen Weg. Er schafft die dichten Momente einer freien Aussprache, die wir in diesen Tagen erlebt haben. Er hält Spannungen aus und erzeugt Energie. Er findet zur Stille im Gebet. Er ist eine Schule des Hinhörens. Und er ist ein Ort, an dem Vertrauen wachsen kann. Weil er ein Ort ist, an dem Ideen, Erwartungen, Kritiken, Sorgen, Hoffnungen geteilt werden. Jetzt wird ein neues Kapitel aufgeschlagen. Die Schlusserklärung bilanziert ehrlich und offen die Erfahrungen, die wir gesammelt haben. Sie markiert den Auftrag, den unsere Kirche hat: in der Welt von heute Hoffnung zu machen.“
Jetzt sind die Deutsche Bischofskonferenz und Rom gefragt
Mit der sechsten Synodalversammlung ist die erste Phase des Synodalen Weges abgeschlossen. In einem nächsten Schritt soll als bundesweites Gremium für Synodalität eine Synodalkonferenz eingerichtet werden. Dazu wird demnächst die Deutsche Bischofskonferenz über das Statut abstimmen, das bereits vom ZdK angenommen worden ist. Anschließend wird die Anerkennung (Recognitio) in Rom erbeten.

Quelle: Pressemitteilung ZdK vom 31. Januar 2026
Bilder: Synodaler Weg / Marko Orlovic
Hinweis: Dokumente der sechsten Synodalversammlung gibt es unter www.synodalerweg.de

Was Vinzenz Pallotti wohl dazu sagen würde?
Nachgeblättert bei Vinzenz Pallotti
„Wie alle berufen, ja sogar verpflichtet sind, Jesus Christus nachzuahmen, so sind alle gemäß ihrer Stellung zum Apostolat berufen.“
(Vinzenz Pallotti)Zur Zeit Pallottis verwendete man die Bezeichnung Apostel ausschließlich für den sogenannten Zwölferkreis. Gemeint sind damit die zwölf Apostel, die in ihrer Zwölfzahl die zwölf Stämme Israels symbolisieren und damit die Zusammenführung und neue Sammlung des zerstreuten Gottesvolkes – eine Zeichenhandlung Jesu, die Hoffnung geben sollte. In den Bischöfen sah man die Nachfolger der zwölf Apostel, die ihr Apostolat fortsetzen sollten. Alle anderen konnten nur durch die Bischöfe an deren Apostolat teilnehmen und von ihnen Aufträge zur Mitarbeit entgegennehmen. Pallotti erlebt mit seiner Überzeugung deshalb Skepsis und Ablehnung durch die Kirchenleitung, als er eine Vereinigung des katholischen Apostolates ins Leben rufen wollte, in der alle zusammenarbeiten sollten.
Dennoch war er von der Notwendigkeit der universalen Zusammenarbeit aller Katholikinnen und Katholiken überzeugt. Jeder war gefragt und sollte das einbringen, was er oder sie konnte. Pallotti arbeitete mit Frauen und Männern, mit allen Christgläubigen – sei es mit Priestern und Ordensleuten, sei es mit Familien, einfachen Menschen oder Adeligen – zusammen, gab ihnen Aufgaben und ermutigte sie, ihre Fähigkeiten und Mittel einzusetzen. Dass die vielen Begabungen den Reichtum der Kirche ausmachen, davon war Pallotti überzeugt.
Pallottis Vision war die Zusammenarbeit aller Menschen. Nur wenn alle Liebe weitergeben und Gottes Liebe erwidern, kann der Unendlichkeit Gottes entsprechend geantwortet werden, so dachte er.
Quelle: Brigitte M. Proksch, Spiritualität für die Gegenwart – Zeitgemäße Impulse für Christsein heute, Pallotti-Verlag, Friedberg
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