Wird hier unsere Zukunft ausgehandelt?

Der Synodale Weg ist zwei Jahre lang

Am 30. Januar 2020 machen sich 230 Christinnen und Christen auf den synodalen Weg nach Frankfurt am Main. Es ist das erste Treffen der sogenannten „Synodalversammlung“, einer Diskussionsplattform, die auch Beschlussvorlagen erarbeiten soll und Beschlüsse fassen darf. Die Synodalversammlung wird von Bischöfen (DBK) und Laien (ZdK) getragen. Die Entscheidung, ob sie die Beschlüsse umsetzen wollen oder nicht, liegt dann bei den Bischöfen in Deutschland oder Rom. Der Synodale Weg ist zwei Jahre lang.

Hintergrund: Missbrauchsskandale und Vertrauensverlust

Die Bischöfe in Deutschland haben im März 2019 offiziell festgestellt, dass sich die Kirche in Deutschland in einer Krise befindet. „In einem ehrlichen, offenen und selbstkritischen Dialog“ sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deshalb über „verschiedene Themen diskutieren und über die Bedeutung von Glaube und Kirche in der heutigen Zeit nachdenken“. Es wird dazu vier synodale Gesprächsforen geben:
• „Macht und Gewaltenteilung in der Kirche – Gemeinsame Teilnahme und Teilhabe am Sendungsauftrag“
• „Leben in gelingenden Beziehungen – Liebe leben in Sexualität und Partnerschaft“
• „Priesterliche Existenz heute“
• „Frauen in Diensten und Ämtern in der Kirche“

Kritik am synodalen Weg unserer Kirche

Alexander Schwabe, Chefredakteur bei Publik-Forum, hat unlängst angemerkt, dass eigentlich noch andere Themen auf der Agenda stehen müssten. Nach seiner Meinung wäre es beispielsweise höchste Zeit zu reflektieren, „wie zeitgemäß von Gott geredet werden kann und wie die Kirche Menschen auf der Suche nach Sinn Orientierung bieten kann“.

Eine Gruppe von Priestern, zu der auch unser Mitbruder Pater Siegfried Modenbach gehört, hat eine Erklärung veröffentlicht, in der vom synodalen Weg „konkrete Beschlüsse“ gefordert werden, „die den Klerikalismus, eine der Wurzeln des Missbrauchs in der Kirche, wirksam bekämpfen“. Diesen Aufruf haben mittlerweile mehr als 200 Menschen unterzeichnet, darunter auch Pallottiner.

Bedenken gibt es aber auch von konservativer Seite. Ein Sprecher der „Initiative Pontifex“ warnte sogar vor „häretischen“ Ansätzen – also Irrwegen – beim synodalen Weg und einer Spaltung der katholischen Kirche. Er befürchtet einen Bruch mit „katholischer Glaubenstradition“, falls die Priesterweihe von Frauen beschlossen werden würde.

Erwartungen an den synodalen Weg

Nun handelt es sich beim synodalen Diskussionsprozess nicht um eine Synode und erst recht um kein Konzil. Die Frage ist also: Ist so ein gemeinsamer „Aufbruch zu Gebet und Gespräch“ überhaupt in der Lage, längst überfällige Veränderungen herbeizuführen?

Wir haben uns umgehört:

„Ich kenne nur die synodalen Gesprächsthemen, diese sind wichtig. Natürlich! Man darf jedoch die Erwartungen nicht zu hoch setzen. Das Diakonat der Frau ist beispielsweise ein wichtiges Thema. Und durch die Amazonas-Synode wurde das Thema „viri probati“ jetzt noch einmal angestoßen. Der Synodale Weg kann hier vielleicht ein Türöffner sein. Das wird nicht morgen schon umgesetzt werden, aber der Anfang ist gemacht.“
Pater Alois Mäntele SAC, Mitarbeiter der Provinzkanzlei in Friedberg

„Es ist meiner Meinung nach nicht mehr fünf vor zwölf, sondern eins vor zwölf. Ich erlebe, dass unsere Katholische Kirche für immer weniger Menschen eine Heimat ist, weil viele Menschen nicht mehr wahrgenommen und gehört werden. Ich habe die Hoffnung, dass unsere Kirche wieder dialogischer, glaubwürdiger und gerechter wird. Insbesondere sollten wir unseren Reichtum nicht begrenzen und mit den Frauen mehr Raum, Macht und Verantwortung teilen.“
Pater Christoph Lentz SAC, Regens des Pastoraltheologischen Instituts in Friedberg

„Jeder Mensch ist auf einer Sinnsuche. In unseren Pfarrgemeinden brauchen wir deshalb Gespräch, Beziehung und Gemeinschaft. Dort muss die Liebe Gottes zu den Menschen mitgeteilt werden. Die Pfarrerin oder der Pfarrer kann das vorleben. Mein Mann ist evangelisch. In der evangelischen Kirche sind Frauen im Pfarramt und in unserer Gemeinde wird eine flache Hierarchie gelebt, in der Leitungsämter keine herausgehobene Stellung innerhalb der Pfarrei haben. Beim Synodalen Weg habe ich die Hoffnung, dass nicht die Institution Kirche im Vordergrund steht, sondern das persönliche Glaubensleben und wie wir in den Gemeinden einen persönlichen Bezug zu Gott und zu Jesus leben können.“
Sabine Fechtig-Zeidler, Mitarbeiterin am Empfang des Provinzialates in Friedberg

„Als kirchlicher Laie und Jurist sehe ich für den Synodalen Weg die Gefahr, dass er mehr verspricht, als er halten kann. Einerseits steht eine basisdemokratische Bewegung – so sehr basisdemokratisches Engagement hoch zu schätzen ist und auch oder gerade der katholischen Kirche gut zu Gesicht stünde – nun einmal im Gegensatz zu elementaren Rechtsetzungsregeln der katholischen Kirche. Andererseits sehe ich die Gefahr, dass genau umgekehrt ein Gremium geschaffen wird bzw. dessen Schaffung suggeriert wird, in dem seinerseits wiederum eine Minderheit Regeln für eine Mehrheit aufzustellen versucht. Ich würde daher der Synodalversammlung raten – so trocken und spröde das auch klingen mag – im Vorfeld klare Verfahrensregeln des Synodalen Weges aufzustellen, um eine nachträgliche Enttäuschung der hoffnungsvollen Teilnehmer zu vermeiden.“
Dr. Roland Weis, Justitiar der Pallottiner

„Unser Bischof hat im Advent über seine Vorbehalte für den Synodalen Weg gesprochen. Ich habe mir gedacht, lieber Herr Bischof, weshalb haben Sie solche Angst vor neuen Formen für unsere Zeit? An den Inhalten wird doch gar nicht gerüttelt. Und die Formen, die müssen sich ändern. Ich war Lehrer und bin jetzt im Ruhestand. In unseren Schulen können wir auch nicht die Lehrmethoden und die Pädagogik von vor 100 Jahren praktizieren. Da müssen wir mit der Zeit gehen, wenn wir den Schülerinnen und Schülern heute etwas beibringen wollen.
Es geht um die lebendige Mitarbeit der Laien im kirchlichen Dienst. Und weshalb gibt es beim Thema „viri probati“ so viele Vorbehalte? Oder bei der Mitwirkung von Frauen im kirchlichen Dienst? Es gab immer schon wichtige, einflussreiche Frauen – Teresa von Ávila, Hildegard von Bingen, Katharina von Siena. Hätten Frauen in der Kirchengeschichte einen größeren Einfluss gehabt, dann wäre das für die Kirche besser gewesen.“
Friedrich Brandl, ehrenamtlicher Mitarbeiter an der Pforte, Apostolatshaus der Pallottiner in Hofstetten

„Die Fridays-for-Future-Generation ist für uns weg. Diese Generation erreichen wir nicht. Aber das sind die Menschen, die verantwortlich die Zukunft in der Welt gestalten.“
Bruder Klaus Schneider SAC, Mitarbeiter der Bahnhofsmission Augsburg

„Ich glaube nicht an eine wirkliche Veränderung der bisherigen Strukturen. Das ganze Unterfangen zeigt ja jetzt schon einen langatmigen Anlauf nach dem Motto: Es muss etwas passieren, aber es darf nichts geschehen. Da wird wieder einmal der kreißende Berg eine tote Maus gebären.“
Pater Dr. Jörg Müller SAC, Pallotti-Haus Freising

„Ich lebe in Vallendar, Bistum Trier. Seit der Synode vor vier Jahren ist hier viel die Rede von „Orten des Glaubens“. Die gibt es an vielen Orten, wo Menschen gemeinsam aus dem Vertrauen in den liebenden Gott ihr Leben gestalten, oft über Grenzen von Gemeinden, Konfessionen, Nationalitäten, ja oft religiöser Zugehörigkeit hinweg. Hier braucht es Stärkung und Ermutigung. Von hier geht Inspiration aus. Die Themen des synodalen Weges sind wichtig – ihre Behandlung allein wird jedoch das verloren gegangene Vertrauen in die Kirche nicht zurückgewinnen. „Bau mein Haus wieder auf“, sprach Christus vom Kreuz her zu Franziskus. Sein Antwort war gelebte Armut und radikales (übersetzt: von der Wurzel her) Mensch-Sein. Übrigens: Pallotti wollte ursprünglich Franziskaner werden. Und war ein Freund von sehr flexiblen, anpassungsfähigen Strukturen und Regeln …“
Prof. Dr. Paul Rheinbay SAC, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV)

Kirche ist im Wandel, Kirche ist bunt!
Bild: Hans-Jörg Nisch Adobe Stock

Übersicht aller Übertragungen zur ersten Synodalversammlung im Livestream von Dom Radio Köln:

Donnerstag, 30. Januar 2020
15.30 Uhr: Pressestatement zum Auftakt mit dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, und dem Präsidenten des ZdK, Prof. Dr. Thomas Sternberg, aus dem Haus am Dom in Frankfurt

17.00 Uhr: Eucharistiefeier zur Eröffnung der ersten Synodalversammlung aus dem Frankfurter Dom (jetzt in der Mediathek)

18.30 Uhr: Eröffnung der Synodalversammlung aus dem Frankfurter Dom (jetzt in der Mediathek)

Samstag, 01. Februar 2020
14.00 Uhr: Pressekonferenz zum Abschluss der ersten Synodalversammlung aus dem Haus am Dom in Frankfurt (jetzt in der Mediathek)

DOMRADIO.DE ist der multimediale, katholische Sender in Trägerschaft des Bildungswerkes e.V. der Erzdiözese Köln.

Bericht aus dem Bistum Augsburg zur ersten Synodalversammlung:

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Bericht aus dem Bistum Hamburg zur ersten Synodalversammlung:

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