Auch aus diesem Heft:

Das Christentum hat seine Wurzeln im Judentum, deshalb sind zwei wichtige Feste miteinander verbunden

Ich bin Josef, euer Bruder

Immer wieder berichten die Medien von antisemitischen Anschlägen auf jüdische Einrichtungen oder von öffentlichen Diskriminierungen jüdischer Personen. Diese Vorkommnisse sind in unserem Land immer noch eine sehr sensible Angelegenheit und ziehen daher sehr viel Aufmerksamkeit auf sich. Sie haben auch mit den christlich-jüdischen Beziehungen zu tun.

Die Ausgrenzung und Abwertung der Juden gibt es nicht erst seit der Neuzeit. Und auch die Kirche hat einen großen Anteil daran. Denn gerade die Trennung der ersten christlichen Gemeinden vom jüdischen religiösen Erbe begründete eine über tausendjährige Feindschaft.

Schon im Neuen Testament zeigen sich die ersten Auseinandersetzungen. Die Apostelgeschichte berichtet davon, wie sich die christliche Mission mit vielen Konflikten zwischen den Aposteln für alle Menschen öffnet, die an Jesus Christus glauben und sich taufen lassen. Damit war die Trennung zur jüdischen Religion vollzogen.

Im Jahre 380 wurde das Christentum zur Staatsreligion im ganzen römischen Reich erhoben. Christliche Amtsträger hatten nun die Macht, Juden zu entrechten und zu verfolgen. Weil man sie für die Kreuzigung und den Tod Jesu verantwortlich machte, glaubte man, dass sie nun von Gott für alle Zeiten verflucht sind. Sie waren nicht mehr das auserwählte Volk, sondern würden wie Judas, der Christus verraten hatte, ein schmähliches Ende nehmen. Diese massiven theologischen Anschuldigungen führten zu sozialen Ausgrenzungen zu Berufsverboten und zu einem Ghettodasein.

Es entstanden im Laufe der Zeit viele Klischees, finstere Verschwörungstheorien und massive Schuldzuweisungen, die über die Jahrhunderte hinweg immer wieder zu Pogromen und Verfolgung der jüdischen Menschen führte.

Seit dem Konzil von Trient (1570) lautete die achte Fürbitte der Karfreitagsliturgie: „Lasset uns auch beten für die treulosen Juden, dass Gott, unser Herr, wegnehme den Schleier von ihren Herzen, auf dass auch sie erkennen unsern Herrn Jesus Christus.“ Bis 1955 blieb diese Fassung der Bitte verbindlich und unverändert.

Holocaust änderte die Sicht der Kirche auf die Juden

Durch Papst Johannes XIII., der als Nuntius einige Judenverfolgungen der Nazis mitbekommen hatte und ein allgemeines Entsetzen darüber, dass ein Holocaust möglich war, änderte die Sicht der Kirche auf das Judentum. Das Zweite Vatikanische Konzil stellt in seiner Erklärung „Nostra aetate“ endlich das Verhältnis der katholischen Kirche zum Judentum auf eine völlig neue Grundlage.

Dort heißt es unter anderem: „Da also das Christen und Juden gemeinsame geistliche Erbe so reich ist, will die Heilige Synode die gegenseitige Kenntnis und Achtung fördern, die vor allem die Frucht biblischer und theologischer Studien sowie des brüderlichen Gespräches ist.“(Nostra Aetate 4)

Ungefähr 20 Jahre nach dem Konzil war es 1986 immer noch eine große Sensation, als mit Papst Johannes Paul II. zum ersten Mal ein kirchliches Oberhaupt die Synagoge von Rom besuchte. Der Papst wies in seiner Rede auf die gemeinsamen Wurzeln im Alten Testament hin und benannte die Diskriminierung und das zugefügte Leid, an dem die Kirche auch Anteil hatte. Er verurteilte „alle Ausdrucksformen des Antisemitismus gegen Juden in allen Zeiten und von welcher Seite auch immer.“ So nennt er die Juden: „unsere bevorzugten Brüder, gewissermaßen unsere älteren Brüder.“ Deshalb sei ein Dialog in gemeinsamer Achtung auf Augenhöhe unabdingbar. 

Ein Anfang ist gemacht, vorsichtige Schritte der Annäherung sind schon geschehen, aber es braucht noch viel Dialog und Wertschätzung, um die tiefen Gräben der Geschichte zu überwinden und Vertrauen zueinander zu entwickeln.

Gertrud Brem

Bild: KNA

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„Jedem Tierchen sein Pläsierchen“, sagt man, wenn jemand ein befremdliches Benehmen an den Tag legt. Man will zum Ausdruck bringen, dass jeder so handeln, sich so verhalten darf, wie er es für richtig hält. Aber es gibt Grenzen.
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Gehört das Herrenmahl zum Herrentag? Zur Zeit der Corona-Pandemie wurde von vielen Christen die Einschränkung der sonntäglichen Eucharistiefeier als schmerzlich empfunden.
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Die Corona-Pandemie wird als eine Belastung für alle empfunden. Genauso umfassend ist die Hoffnung auf Befreiung. Das weckt Gedanken an die Erbsünde und das verheißene Heil.
Das höchste Gut sei die Gesundheit, sagt man. Aber stimmt das? Worauf kommt es im Leben noch an? Versöhnung zum Beispiel.
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Was für ein Wunder! Was für ein Abbild der Liebe! Ein Mensch, neu geboren, zart und klein und doch schon vollkommen. Von Gott geliebt. Was für eine Würde. Von Anfang an.
Wir Menschen leben von der Begegnung mit anderen Menschen. Erst in dieser Begegnung mit dem Du spüren wir, was es bedeutet, wenn wir Ich sagen. Die größte und tiefste Begegnung, die wir Menschen erleben können, ist die Begegnung mit dem ewigen Du, mit Gott.
Hat es uns Jesus nicht schon immer gesagt? Hört auf, lange Quasten an den Gewändern zu tragen, die ersten Plätze einzunehmen und euch Rabbi nennen zu lassen. Und trotzdem erliegt die Kirche immer wieder der Versuchung der Eitelkeit. Nur: Wenn die Kirche nicht dient, dient sie zu nichts.
Diese Szene steht jedem Christen vor Augen: Jesus vor Pilatus. Im Verhör. Der zum Tode Verurteilte trotzt der Weltmacht: „Warum schlägst du mich?“, fragt Jesus und zeigt damit den schmalen Grat zwischen Demütigung und Hochmut auf. Der Gequälte leistet keinen Widerstand, aber er verliert auch nicht seine Selbstachtung. Das ist Jesu Demut.
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Gott ist kein kleinkarierter Buchhalter, der nach einem fein säuberlich geführten Konto mit uns abrechnet.

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