Auch aus diesem Heft:

„Ja, mit Gottes Hilfe“. Ist dieses Versprechen wie ein ungedeckter Scheck, der für die Zukunft ausgestellt ist und der mit jedem Jahr an Wert gewinnt?

Ewige Liebe

Der Garant für die lebenslange Verbindung ist wohl schon immer die Treue. Aber sie setzt eine Entscheidung voraus. Denn niemand kann auf Probe treu sein.

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet…“ Wer kennt nicht den Vers aus Schillers Gedicht „Die Glocke“?! Und genau wie die Bedenkenträger angesichts eines verliebten Paares warnt Schiller: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ Schon in meiner Generation hatte man Probleme mit „ewig“. Da wurde erst einmal lange ausprobiert, bevor die Glocken läuteten. Meine Freundin fuhr am Hochzeitstag mit weißer Kutsche und wehendem Schleier zur Kirche, an ihrer Seite der Mann, mit dem sie schon seit Jahren wohnte. Irgendwie uncool, finde ich.

Vorhandener Wohnraum und sichere Verhütung machen es möglich, jahrelang Ehe zu „spielen“. Läuft es nicht gut, wird ein neuer Partner gesucht. So haben dann die strahlenden Brautleute am Altar schon etliche kaputte Beziehungen im Gepäck. Wird es diesmal klappen? Gibt es die „ewige“ Liebe überhaupt? Kein Wunder, dass die Lust auf eine „ewige“ Bindung schwindet, wenn man sieht, dass es doch so oft schiefgeht.

Die Frauen tragen bei der Trennung die Last

Trennung ist immer schmerzhaft, und man kommt ins Nachdenken darüber, ob die Menschen früher romantischer, treuer und beständiger waren. Natürlich nicht! Doch die Bedingungen für eine „wilde Ehe“ waren damals schwerer und Trennung war mit hohem Risiko vor allem für Frauen verbunden. Vor allem wurde ihnen die Bürde der Kindererziehung auferlegt. Also haben sich meist die Frauen „arrangiert“. Auch heute sind Alleinerziehende – meist Frauen – in vielerlei Hinsicht die Verlierer.

Wie soll man sich denn aber absichern, dass man richtig gewählt hat? Wer so denkt, hat Ehe nicht verstanden. Die Bindung zwischen Mann und Frau ist als ein lebenslanger Bund konzipiert. Entworfen von dem, der die Menschen geschaffen hat. Jesus sagt: „Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden, und die zwei werden ein Fleisch sei. Was aber Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ (Matthäus 19,4 ff). Deshalb hat Schiller sicher Recht mit seiner Warnung, man solle prüfen, bevor man sich bindet.

Ehe zu proben hilft nicht

Doch zu langes Prüfen entspricht nicht dem Wesen der Liebe. Statistisch gesehen laufen Ehen, die geprobt wurden, auch nicht besser als solche, in die man „herzhaft“ und ohne Probejahre geht. Die Liebe wagt, vertraut, ja riskiert auch Wunden. Jahrelanges Proben macht die Romantik kaputt, Abwägen und Absichern – gar über Verträge – traut Gott und Menschen wenig zu. Die christliche Ehe ist ein Wagnis, bei den Katholiken ein Sakrament, das sich die Partner gegenseitig schenken. Nicht Fessel, sondern Gnade sei die Ehe. Und Gott verspricht, den Eheleuten durch die „Standesgnade“ zu helfen. Die Ehe ist gleichfalls Berufung genau wie die Berufung zum Gott geweihten Leben. Eheleute sollen sich und die Welt heiligen.

Das klingt alles sehr edel. Aber es ist keineswegs einfach. Der Alltag und die Anforderungen einer Familie können so erschöpfend sein, dass der Blick auf das „Heilige“ der Ehe verdunkelt wird. Da gibt es Zoff und Missverständnisse, Anklagen und Schuldzuweisungen. Die Ehe lebt wie wir alle von der Vergebung. Man solle nicht die Sonne über einem Streit untergehen lassen, rät man oft dem jungen Ehepaar. Der Sprung über den eigenen Schatten erfordert großen Mut, aber die Bitte um Verzeihung lässt die Hoffnung wieder aufleuchten.

Die Beharrlichkeit soll lang sein

Übel ist der Neid auf andere Paare, die sich „ja sooo gut verstehen“. Wer sagt, dass seine Ehe immer harmonisch ist, der lügt. In jeder Beziehung kommt es zu Verletzungen und manchmal zu großen Krisen. Dann kommt wieder Schiller: „Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang.“ Eine gelingende Beziehung muss aber kein Wahn sein. Und nicht die „Reu“ sollte lang sein, sondern die Beharrlichkeit. Der heilige Josefmaria Escrivá begreift die Beharrlichkeit als etwas Grundlegendes eines Christen: „Bedenke, dass sich im Frühling viele Blüten öffnen und nur wenige Frucht hervorbringen“. Soll eine Ehe gut und beständig sein und viele gute „Früchte“ bringen, steht die Beharrlichkeit an erster Stelle.

Beziehung ist harte Arbeit, auch und gerade in der Ehe. Aber diese Arbeit wird während der Ehe erbracht und kann kaum geprobt werden. Wer nicht den Mut hat, sich auf einen Menschen einzulassen und sich ganz hinzugeben, ist nicht für die Ehe geschaffen. Allerdings auch nicht für das geweihte Leben. Leben ist immer Risiko, und ja, auch Ehen und Gelübde zerbrechen.

Doch man kann nicht nur halb geben, auf Probe, unter Bedingung. Nur großzügiges Geben ohne das „Rettungsseil“ der Halbheiten ist des Sakramentes der Ehe würdig. Wer sich „ewig“ bindet, geht nicht in die Falle, sondern fällt in die Geborgenheit der Liebe des Partners und Gottes.

Vera Novelli

Bild: Andreas Walch

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