Lourdes

Auch aus diesem Heft:

Große und kleine Wunder kommen völlig unverhofft daher – in Ausnahmesituationen wie auch im Alltag.

Das Geheimnis von Lourdes

Kaum einen anderen Ort verbinden wir so sehr mit Wundern wie mit Lourdes. Dabei bleiben Heilungswunder dort eher die Ausnahme. Doch viele machen in dem französischen Marienwallfahrtsort heilsame Erfahrungen, weil sie getröstet und verändert in ihren Alltag zurückkehren. 

War es in den 1990er Jahren? Es war jedenfalls zu einer Zeit, da die Fernsehanstalten noch das Kirchenjahr kannten und in ihrem Programm berücksichtigten. Da strahlte das ZDF an einem Karfreitag-Abend einen Film aus, der ein kirchliches Thema hatte, das durchaus zum Stichwort Erlösung passte. Eine junge Frau war durch einen Unfall oder eine Krankheit (die Erinnerung ist nicht mehr ganz deutlich, auch nicht an den Titel) an den Rollstuhl gefesselt. Sie wusste, dass es Lourdes gibt und so entschließt sie sich zu einer Wallfahrt dorthin. Und sie hofft auf ein Wunder. Sie möchte wieder gehen können. Diese Frau steht für unzählige Menschen, für die Lourdes und Wunder zusammengehören. Der Film war leise und behutsam, nicht reißerisch. Man sah die Frau im Gebet an der Grotte, in der Hl. Messe in der großen, unterirdischen Basilika, bei der allabendlichen Lichterprozession, bei der Sakramentsprozession. Das ganze Programm. Dazu viele stille Momente im sogenannten Heiligen Bezirk und viele Gespräche im Hotel. Eben Lourdes. Es geschah eigentlich nichts. Und als Zuschauer hoffte man mit ihr auf das Wunder. Dann kam die Heimfahrt. Im Rollstuhl. Das Wunder war nicht geschehen. Jedenfalls nicht das erwartete. Dennoch war eines geschehen. Das brachte der Film stark zum Ausdruck. Die Frau hatte einen neuen Frieden im Herzen. Sie hatte ihre Situation sicherlich nicht voll angenommen. Der Alltag war nachher wie vorher, aber sie konnte nun besser mit ihm umgehen. Die schleichende Verbitterung war gewichen.

Die Frau erfährt Heilung

Als die kleine Bernadette Soubirous am 11. Februar 1858 zu der Grotte von Massabielle an der Gave ging, um Brennholz zu sammeln, konnte sie nicht ahnen, was das für Folgen für sie, ihren Heimatort und für Millionen von Menschen haben würde. Bis zum 16. Juli sah sie in der Grotte immer wieder eine „wunderschöne Dame“ in Weiß gekleidet mit blauem Gürtelband. Am 25. Februar sagte ihr diese Dame, dass sie unter dem Geröll nach einer Quelle graben solle; und es gelang. Seitdem gibt es das „Lourdeswasser“, das als heilkräftig gilt, obschon es keine besonderen Mineralien enthält und nur „einfaches Wasser“ ist. Etliche Zeit später – Lourdes war schon berühmt – geht Catherine Latapie eines Nachts an die Quelle und hält ihren halblahmen Arm in das Wasser. Die Frau erfährt Heilung. Am 15.Januar 1862 erkennt der Bischof diese Heilung als Wunder an. Das Begriffspaar Lourdes und Wunder ist in der Welt. Der Pilgerstrom reißt nicht ab. Und jedes Herz ist voller Hoffnungen.

Millionen finden hier ihre Kraftquelle

Es muss noch erwähnt werden, dass man Bernadette Soubirous die Erzählungen über ihre Erlebnisse zunächst nicht glaubte. Doch nach und nach wuchsen ihr gegenüber Nachdenklichkeit und Vertrauen. Besonders nachdem der Pfarrer sie gebeten hatte, die Dame nach ihrem Namen zu fragen. Konnte ein kleines, ungebildetes Mädchen am Fuße der Pyrenäen den erst kürzlich in Rom dogmatisierten Marientitel kennen und sagen, was sie sagte: „Ich bin die unbefleckte Empfängnis“? Das große katholische Fest am 8. Dezember, dass Gott von Ewigkeit her eine Frau aus Nazareth zur Mutter seines Sohnes erwählt hat, und sie im Hinblick darauf von aller Erbschuld freihielt, das können bis heute viele nicht nachvollziehen. Bernadette half der „neue Name“, dass Theologen ihr glaubten. Das Ur-Wunder von Lourdes geschah: Für um die sechs Millionen Menschen jährlich ist das Städtchen im Südwesten Frankreichs Ort ihrer Hoffnung und Zuversicht. Es geht um die Vergewisserung im Glauben, dass der Himmel die Erde nicht im Stich lässt, dass Menschen eine Kraftquelle haben in den tausend Nöten und Mühen ihres Lebens.

Ein Mix aus Gebet und Bad

Und seit Anfang an ist Lourdes ein Marienwallfahrtsort, den besonders gerne kranke Menschen aufsuchen – beflügelt durch die sogenannten Heilungswunder. Ca. 70.000 Menschen sagen in großer Dankbarkeit: Ich bin in Lourdes von meiner Krankheit geheilt worden. 70 dieser Heilungen hat die Kirche als Wunder anerkannt, nachdem eine Kommission von Ärzten attestiert, hat: Diese Genesung ist nach dem heutigen Stand der medizinischen Wissenschaften nicht zu erklären.

Vor diesem Hintergrund ist Lourdes ein besonderer Wallfahrtsort. Wie alle anderen auch, ist er ein Ort, an dem man den Himmel der Erde besonders nahe wähnt. Hier fühlen sich die Betenden gut aufgehoben, angenommen, verstanden. Und gleichzeitig ist da die oft wohl eher heimliche Hoffnung auf eine „Wunder-Heilung“ im Mix aus Gebet und Bad im Lourdes-Wasser.

Diese Hoffnung, eher noch dieses wunderbare Geschehen, wird natürlich seit Anfang an kritisch beäugt, belächelt und ist umstritten. Nicht jeder Beitrag in Büchern und Medien ist so wohlwollend wie der genannte Film an jenem Karfreitag.

Ein Brunnenhaus des Glaubens

Doch wie dieser Frau im Film, so ergeht es den meisten, die nach Lourdes pilgern. Sie kehren nicht „geheilt“ zurück in ihren Alltag, aber getröstet und verändert. Zu Recht sagen viele, das sei das eigentlich Wunder von Lourdes. Dass Menschen im Glauben gestärkt in ihren Alltag zurückkehren, der sich nicht verändert hat. Aber sie sehen ihn mit neuen Augen und leben in einer neuen Zuversicht. Lourdes versöhnt mit sich, mit der Welt und mit Gott. Ob dieses „Wunder von Lourdes“ ein Leben lang anhält, diese Frage beantwortet jedes Leben anders. Äußerlich merkt man den meisten Pilgerinnen und Pilgern nichts an. Auch nicht den vielen Frauen und Männern, die etwa eine Zeit ihres Urlaubs in Lourdes verbringen und dort den Kranken Hilfe sind beim Bewältigen der Wege und alltäglichen Dinge in Hotels und Unterkünften. Diese Helferinnen und Helfer, auch jene, die Krankenwallfahrten organisieren, berichten oft, wie bewegt und ermutigt sie sind von Gesprächen und Schicksalen. Insofern ist Lourdes viel mehr ein Brunnenhaus des Glaubens und der Erbauung als eine „Stadt der Wunder“, wie sie manchmal genannt wird.

Das Wortpaar Lourdes und Wunder wird bleiben. Es sitzt fest in den Köpfen und hat ja auch seinen Grund. Aber es lohnt, genau hinzuschauen, welche Wunder an diesem Ort geschehen.

P. Alexander Holzbach

Bild: rparys / AdobeStock

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