Auch aus diesem Heft:

Der Garant für die lebenslange Verbindung ist die Treue. Aber sie setzt eine Entscheidung voraus: niemand kann auf Probe treu sein.

Die Treue - ein ungedeckter Scheck?

Wir kennen die Szene vor dem Traualtar: Der Pfarrer sagt: Eva, willst du Adam, den Gott dir anvertraut, als deinen Ehemann lieben und ehren und die Ehe mit ihm nach Gottes Gebot und Verheißung führen – in guten und in bösen Tagen – bis der Tod euch scheidet, so antworte: Ja, mit Gottes Hilfe. Eva und Adam sagen zueinander: Vor Gottes Angesicht nehme ich Dich zu meiner Ehefrau/zu meinem Ehemann. Ich verspreche, Dir die Treue zu halten in guten und bösen Tagen. Ich will Dich lieben, bis der Tod uns scheidet.

„Ja, mit Gottes Hilfe“, in dem Augenblick, wenn diese Worte gesprochen werden, kann niemand der beiden ermessen, was dieses Versprechen bedeutet. Ist dieses Versprechen wie ein ungedeckter Scheck, der für die Zukunft ausgestellt ist und der sich mit jedem Jahr, das vergeht, an Wert gewinnt? Oder ist es wie ein unbegrenzt gedeckter Scheck, der beiden gegeben wird, um das abzuheben, was sie brauchen?

Was geschieht in dem Moment des Treue-Versprechens, und aus welchem Stoff ist die Brücke gebaut, über die Braut und Bräutigam gehen, um danach Mann und Frau, ein Ehepaar zu sein? In der Bibel gibt es ein mächtiges Vorbild für das Verhältnis zwischen Mann und Frau: Es ist das Verhältnis zwischen Gott und seinem Volk und zwischen Jesus und der Gemeinde. Es hat den gleichen Charakter wie eine Ehe und wird mit Bund bezeichnet. Deshalb ist jede Ehe auch Hinweis für das Treue-Verhältnis das Gott zu uns Menschen hat.

Wie der Ring: Kein Anfang und kein Ende

Mit dem Ehe-Versprechen wird ein lebenslanger Bund geschlossen. Kein Vertrag. Symbol dafür ist der Ring den Mann und Frau nun als Zeichen ihres Bundes tragen. Wie ein Ring hat ein Bund keinen Anfang und kein Ende und schließt auch die guten und die bösen Tage ein.

Bei diesem Bund geht es um die ganze Lebenszeit ohne Ausnahme. Kein Tag und keine Stunde sind davon ausgenommen. Dieser Bund ist „Inklusiv“. Dass nur ein Ehering an der Hand getragen wird, zeigt auch die Exklusivität dieses Bundes an. Es gibt keinen Platz für einen zweiten Ring. Es gibt nur Dich.

Zum Ehebund gehört die Bundestreue. Treue ist eine wesentliche Form der Liebe. Treue zum Gegenüber und Treue zu Gottes Gebot für die Ehe ist Liebe! Fast gehen beide Begriffe ineinander über: Liebe ist Treue und Treue ist Liebe. Bundestreue ist Bundesliebe. Wer treu ist, liebt! Meine Liebe zeigt sich in meiner Treue zu Dir.

Treue ist Entscheidung

Immer ist Treue auch Entscheidung. Die Entscheidung, nicht darüber nachzudenken und nicht dahin zu gehen, wo das Gras grüner zu sein scheint. Es ist das Drama, das auf vielen Seiten der Bibel beschrieben wird, dass Gottes Volk sich eben nicht für Gott und sein Gebot, sondern für die Götzen entscheidet und damit Ehebruch begeht. Im Alten Testament gibt es diesen verborgenen Zusammenhang zwischen Götzendienst und dem Zerbruch der Ehen.

Bundestreue ist kein Paragraph, sondern etwas Lebendiges. Alles, was lebt, ist umkämpft und muss sich bewähren. Deshalb braucht Ehetreue Erneuerung, Bestätigung und Veränderung. Treue wird wie ein Haus gebaut, oder wie ein Garten angelegt. Beides braucht beständige Pflege.

Das Haus des Lebens

Diese lebendige Treue baut das Haus des Lebens und der Generationen. Die Treue zwischen Mann und Frau macht Platz für Kinder und Enkelkinder. Die Treue eines Ehepaares gibt Leben und Zukunft nicht nur für die eigene Familie, sondern auch für unser Volk. Dafür segnet Gott am Anfang Mann und Frau und nur Mann und Frau im Paradies. „Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde…“ (1. Mose1,28).

Wie ist das nun mit dem Scheck? Ist er gedeckt oder ungedeckt? Beides ist wahr. Wenn Mann und Frau das Ihre tun, werden sie erleben, dass Gott das Seine überraschend, großzügig und verlässlich dazugibt. Und am Ende werden beide darüber staunen, dass ihre Treue gehalten und getragen wurde vom Bund Gottes, den er mit ihnen am Traualter schloss.

Thomas Pfeifer

Bild: Ehepaar Pfeifer:

Wie zeigen sich Thomas und Ingrid Pfeifer ihre Treue?

Ingrid: Mein Mann zeigt mir seine Treue, indem er meine Schwächen mitträgt und mein Gemüt respektiert. Dass er mich nicht vor anderen lächerlich macht oder bloßstellt, ist ein Zeichen dafür, dass er zu mir steht. In den Veränderungen des Älterwerdens zeigt sich durch das liebevolle Gespräch und das Hinweisen auf ungute Verhaltensweisen seine Zuneigung und Annahme. Das Anteilgeben an seinen Gedanken bedeutet mir sehr viel und ist für mich der Wertschätzung abgebildete Treue.

Thomas: In meinem Beruf gab es viele unerwartete und auch anstrengende Wege zu gehen. Ihre Treue erlebte und erlebe ich darin, dass Ingrid diese Wege mitging und mitgeht.
Ich erlebe, dass Ingrid überlegt, was ich „brauche“ und mich damit unterstützt und mir Gutes tut. Auch gute Traditionen unserer Ehe gehören zur Treue. Aktuell gehe ich durch eine länger andauernde Krankheitsphase. Ihr liebevoller Beistand ist Treue.

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