Auch aus diesem Heft:

Mit der Taufe ist seit Beginn der christlichen Gemeinden die Vergebung der Sünden verbunden.

Einfach mal reden

Wenn das Herz voll ist, läuft der Mund über, sagt der Volksmund. Mit wem reden zu können, ist eins der Grundbedürfnisse des Menschen. Man will sich austauschen über Gott und die Welt, und während man sich mitteilt, teilt man mit anderen Menschen, was einen gerade beschäftigt und bewegt.

Jemand soll zuhören und gegebenenfalls auch Anteilnahme zeigen. Dafür muss man allerdings miteinander vertraut sein und das gegenseitige Vertrauen auf stabilen Füßen stehen. Wer niemanden weiß, mit dem er reden kann, ist arm dran. Als einer von meinen Jungs noch Taxi fuhr, erlebte er hin und wieder, dass eine betagte Kundin ihn bat, doch mal mit in ihre Wohnung zu kommen, weil ihr Fernseher oder das Radio nicht funktionierten. Und während er auf Fehlersuche war und feststellte, dass nichts kaputt war, sondern nur das Kabel nicht richtig in der Steckdose steckte, hatte die Kundin die Gelegenheit wahrgenommen, mal mit jemandem reden zu können, der ihr ein paar Minuten zuhörte.

Einsame Menschen, die einmal gut in ihrer Pfarrgemeinde integriert waren, könnten durchaus auf die Idee kommen, Nähe und Trost durch ihre Kirchenzugehörigkeit, und hier vor allem durch die Beichte zu suchen. Dagegen genießt mittlerweile eher die langjährige Friseuse großes Vertrauen, weil die sich Zeit nimmt, ohne mit dem Verlust der Nähe zu Gott zu drohen.

Wer das Wort „beichten“ hört, verbindet damit den ziemlich aus der Mode gekommenen Begriff der „Sünde“. Das heutige Sündigen bezieht sich dabei aber hauptsächlich auf den täglich zu üppigen Kalorienverbrauch und keineswegs auf das Schummeln gegenüber dem Finanzamt. Auch ohne besonders weltlich orientiert zu sein, sieht man sich heute selbst kaum noch als einen Sünder an; denn das war gestern, als der Mensch noch generell „von oben“ als ein solcher charakterisiert wurde.

Friseure und Therapeuten hören auch zu

Auch gläubige Menschen fühlten sich nie mehr selbstverantwortlich für ihr eigenes Tun und Lassen als gegenwärtig. Es fällt zunehmend schwerer, einem unbekannten „Beichtvater“ das nötige Vertrauen entgegenzubringen. Dafür haben viele ungute Erfahrungen aus der Vergangenheit gesorgt. Wem kommt denn heute noch im dunklen Beichtstuhl „in Reue und Demut bekenne ich meine Sünden“ über die Lippen?

Auch wenn die persönliche Reife kaum Schritt gehalten hat mit der Entwicklung zur Selbstverwirklichung. Nach meinem Eindruck bemüht man sich mittlerweile lieber um einen Termin bei einem psychotherapeutisch geschulten Menschen. Der ist ebenfalls an das Schweigegebot gebunden, kann einen jedoch nicht – im Sinne der Kirche – „lossprechen“. Aber er kann eventuell die Schwere meiner persönlichen Schuld relativieren.

„Ihr Katholischen habt es gut“, höhnen bis heute die, die einer anderen Konfession angehören. „Ihr sündigt auf Teufelkommraus, geht danach beichten und macht hinterher weiter wie zuvor“. Ganz unrecht haben sie nicht. Es ist ja auch schwer, sich selbst zu erkennen, zu durchschauen und sich auf seine wahren Absichten hin abzuklopfen. Man findet immer einen Weg, durch gekonntes Debattieren objektive Sachverhalte in ihr Gegenteil zu verkehren und Schuld von den eigenen Schultern abzuwälzen. Ein ganzer Berufszweig lebt davon, gegen Honorar Schuld nach entsprechender Auslegung zu nivellieren.

Die Aufforderung Sokrates’ „Erkenne dich selbst“ könnte als Vorläufer der christlichen Beichtpraxis gesehen werden, sich selbst zu durchschauen, ohne sich dabei etwas vorzumachen. Das hat vielleicht etwas von: sich selbst eigenhändig operieren zu müssen. Eine völlige Unmöglichkeit. Schließlich leben wir alle von der Vergebung. Noch hat die Kirche nicht alle Trümpfe verspielt, was die Überzeugung ihrer Mitglieder angeht, aber sie muss sich etwas einfallen lassen, um sie bei der Stange zu halten, denn: Wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.

Herma Brandenburger

Bild: Yaroslav Astakhof / AdobeStock

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