Auch aus diesem Heft:

Spätestens seit Peter Wohllebens Bestsellern wissen wir über die Kooperation pflanzlicher und tierischer Existenzen. Es bilden also alle Lebewesen komplexe Beziehungsgeflechte.

Alles hängt mit allem zusammen

Sie kennen sicher den Spruch: Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann auf der anderen Seite der Erde ein Erdbeben auslösen. An diesem Bild ist tatsächlich etwas dran. Denn alles ist mit allem verbunden.

Kaum zu glauben, aber der Satz: „Alles hängt mit allem zusammen“ stammt von Alexander von Humboldt (1769-1859) dem großen Naturforscher und Universalgelehrten, der im 18. Jahrhundert lebte. Er hat bei seinen Forschungsreisen Tiere und Pflanzen beobachtet und dabei festgestellt, dass keine Pflanze und kein Tier für sich alleine besteht, sondern immer in Wechselwirkung mit andren Lebewesen existiert.

Die Natur ist ein zusammenhängendes Ganzes, wenn sich ein Teil davon verändert oder verschwindet, dann verändern sich auch die anderen Teile, und daraus entsteht wieder etwas Neues. Ob dieses dann lebensfähig ist oder abstirbt, das hängt davon ab, wie stark die einzelnen Teile zusammenwirken können, um wieder eine Ausgewogenheit herzustellen.

Das wichtigste Werk von Alexander von Humboldt ist „der Kosmos“, in dem er diese grundlegenden Zusammenhänge beschreibt. Er war als Wissenschaftler auch daran interessiert, deutlich zu machen, dass andere Wissenschaften in Zusammenhang miteinander stehen, und es keinen wesentlichen Fortschritt gibt, wenn alle nur isoliert voneinander forschen.

Franziskus: Alles hat seinen Wert in sich

Papst Franziskus greift die Erkenntnis von Alexander von Humboldt wieder auf, wenn er in seiner Enzyklika „Laudato si“ davon spricht, dass: „alles auf der Erde und der gesamte Kosmos geschaffen ist; alles hat seinen Wert in sich und deswegen hängt alles mit allem zusammen.“ (LS138f). In unserer Zeit haben wir erkannt, dass ökologische Gegebenheiten mit unseren wirtschaftlichen Entwicklungen, mit sozialen Strukturen und kulturellen Ausprägungen zusammenhängen.

Wenn aus wirtschaftlichen Erwägungen der Regenwald des Amazonas abgeholzt wird, bedroht dies dort nicht nur die Pflanzen und Tiere, also das ökologische Gleichgewicht, sondern es verändert auch unser Klima und zerstört den Lebensraum der indigenen Bevölkerung , die dort ihre eigene kulturelle Lebensart entwickelt hat.

Wenn Russland gegen die Ukraine Krieg führt, dann zerstört diese sinnlose Auseinandersetzung nicht nur ein Land und tötet dort viele unschuldige Menschen, sondern löst dadurch auch eine Hungersnot in armen Ländern aus und beeinflusst die wirtschaftlichen Entwicklungen reicher Länder. Dies sind nur zwei sicher bekannte Beispiele von vielen, die uns tagtäglich durch die Medien vor Augen geführt werden.

Pallotti und Papst betonen die Zusammenarbeit

Wir wissen nun schon lange, dass politische und wirtschaftliche Entscheidungen ökologische und soziale Auswirkungen haben, und zwar nicht nur begrenzt auf ein Land oder einen Kontinent, sondern auf die ganze Welt. Weil wir uns nur als einen kleinen Teil vom Ganzen erleben und unser Lebensraum wiederum auch nur ein Teil von allem ist, werden uns die Zusammenhänge oft nicht bewusst. Deshalb produzieren viele Entscheidungen Probleme, die auf Dauer unsere Lebensqualität stark beeinflussen. Aber, so sagt Papst Franziskus, die Menschheit besitzt die Fähigkeit zusammen zu arbeiten, Lösungen für die Probleme zu finden und das „gemeinsame Haus“ wieder so aufzubauen, dass alle darin gut leben können. Eine Erkenntnis, die auch Vinzenz Pallotti hatte, so dass das Wort „Zusammenarbeit“ für die Pallottiner heute ein Schlüsselwort und eine Chiffre für das Wesen Gottes ist, der in seiner Dreifaltigkeit in sich „zusammenarbeitet“. Vergessen wir also nicht, dass alles mit allem zusammenhängt, jede und jeder ein Teil der Verantwortung trägt und jede und jeder als Teil mit allen anderen verbunden ist.

Gertrud Brem

Bild: Adobe Stock

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