Pater Richard Henkes wurde seliggesprochen

Gedenktag ist am 21. Februar

Richard Henkes kann jetzt als Seliger angerufen und als Märtyrer verehrt werden: Kurt Kardinal Koch hat den Pallottinerpater aus Ruppach-Goldhausen am Sonntag, 15. September, im Hohen Dom zu Limburg für sein Lebenszeugnis seliggesprochen.

Der Kurienkardinal aus Rom verlas als Delegat des Papstes das entsprechende Schreiben von Franziskus, in dem Henkes als „heroischer Zeuge der christlichen Liebe“ und als „unerschrockener Verkünder des Evangeliums“ gewürdigt wird. Pater Henkes hatte unter dem Terrorregime der Nationalsozialisten im Konzentrationslager Dachau freiwillig sein Leben im Dienst an typhuskranken Mitgefangenen hingegeben. Er war wegen seiner Regimekritik inhaftiert worden. Sein Gedenktag ist auf den 21. Februar festgelegt worden.

Einzug in den Limburger Dom
Seligsprechung von Pater Richard Henkes im Limburger Dom
Bruder Hans-Gerd Stüer SAC

Seligsprechung im Hohen Dom
Es war die erste Seligsprechung im Limburger Dom: Zusammen mit Diözesanbischof Georg Bätzing und dem Generalrektor der Pallottiner Pater Jacob Nampudakam feierten knapp 1500 Gläubige, darunter mehrere Bischöfe aus Deutschland und der Weltkirche, viele Pallottiner und Vertreter weiterer Gemeinschaften und Orden sowie Vertreter der Politik diese ungewöhnliche Premiere. Unter anderem waren der rheinland-pfälzische Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur Konrad Wolf und der hessische Kultusminister Alexander Lorz anwesend. Und ein Amtsträger konnte sich auch als Privatperson über diese Feier freuen: Der Bürgermeister von Ruppach-Goldhausen Klaus Henkes ist ein Großneffe des neuen Seligen. Mit dem Schönstatt-Pater Vinzenz Henkes feierte auch ein direkter Neffe Richard Henkes‘ mit. Ebenfalls mit dabei waren der Generalpostulator Pater Adam Golec und der Vize-Postulator des Seligsprechungsverfahrens Pater Manfred Probst von den Pallottinern. Auch Vertreter des Vereins „Selige von Dachau e.V.“ und der Ackermann-Gemeinde kamen eigens nach Limburg.

Wegen des großen Interesses wurde das Ereignis zusätzlich auf die Domplatte und in die Stadtkirche übertragen. Unter den Gästen waren etwa 250 Besucher aus Tschechien, wo Pater Henkes zuletzt wirkte. Die Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen war ihm ein Herzensanliegen. Henkes Heimatgemeinde Ruppach-Goldhausen pflegt mit dem tschechischen Strahovice eine Gemeindepartnerschaft. Entstanden ist sie im Zuge des Seligsprechungsverfahrens, das von Bischof em. Franz Kamphaus – auch unter den Mitfeiernden an diesem besonderen Tag – im Jahr 2003 eröffnet worden war. Im Dezember 2018 erkannte Papst Franziskus das Martyrium von Pater Henkes an.

Pater Jacob Nampudakam SAC - Generalrektor der Pallottiner
Seligsprechung von Pater Richard Henkes im Dom zu Limburg

Wort Gottes nicht nur gelesen, sondern gelebt
Kurt Kardinal Koch würdigte Pater Henkes in seiner Predigt als „Märtyrer der Nächstenliebe aus Liebe zu Christus“. Liebe, Opfer und Kreuz: Diese Begriffe seien untrennbar verwoben in Leben und Wirken des Pallottinerpaters, der sich selbst als „Opferpriester“ bezeichnet und dies durch sein Leben bezeugt habe mit der Hingabe bis zum Tod für andere Menschen. Er habe das Wort Gottes nicht nur gelesen und interpretiert, sondern gelebt – als „Kreuzträger für andere“. Und er habe sehr früh und klar wahrgenommen, dass die nationalsozialistische Ideologie mit dem christlichen Menschenbild nicht zu vereinbaren ist. Deshalb sei Henkes immer wieder in Konflikt mit dem Nazi-Regime geraten, von der Gestapo verhört und schließlich inhaftiert worden, zunächst in Isolation in Ratibor, später in Dachau.

Dass die Seligsprechung am Fest der Kreuzerhöhung gefeiert werde, bezeichnete Koch als höchst passend. Denn Pater Henkes habe sein Leben als Opfer für Christus hergegeben und damit Anteil am Kreuz Jesu Christi erhalten. Henkes sei ein besonders glaubwürdiger Zeuge dieses Festes und seiner Bedeutung. Das Kreuz sei dabei kein Widerspruch oder kein Gegensatz zur Liebe Gottes, sondern die Darstellung seiner Liebe zu den Menschen. „Denn in der Liebe Jesu am Kreuz sind wir erlöst von unseren Sünden: und seine Liebe ist der Wärmestrom der Erlösung.“ Jesus habe die an ihm geübte Gewalt in Liebe umgewandelt. Pater Henkes folge Jesus in diesem „Ur-Martyrium“ nach. Dabei habe er genauso wie Jesus das Martyrium nicht gesucht, denn „das christliche Martyrium ist keineswegs von Todessehnsucht und Lebensverachtung geprägt; sein entscheidendes Merkmal ist vielmehr die Liebe“.

Gottesdienst mit internationalen Gästen

Grenzen überwinden und Gottes Liebe bezeugen
„Ein großes Geschenk Gottes“ nannte Pater Jacob Nampudakam die Seligsprechung. Es sei eine Ermutigung, „überall und ohne Angst für den christlichen Glauben einzutreten und die unendliche Liebe Gottes zu allen Menschen, besonders zu den Verfolgten, Schwachen und Kranken zu bezeugen“. Henkes sei ein leuchtendes Beispiel, das weltweit dazu aufrufe, für die Würde des Menschen einzutreten. Und als Brückenbauer zwischen Tschechen und Deutschen lehre er uns, nationale und ethnische Grenzen zu überwinden und für den Frieden zwischen den Völkern einzutreten.

„Das bewegt unsere Herzen“
Auch für Bischof Georg Bätzing ist der Pallottinerpater Vorbild und Ermutigung. „Seine Entschiedenheit, sein Einsatz für das Evangelium, für Wahrheit und Versöhnung wollen uns Orientierung geben.“ Dass es ein besonderer Tag für die Kirche und ihn ist, sagte er bereits zur Begrüßung im Dom: „Was hier und heute geschieht, das bewegt unsere Herzen sehr, aber es hat auch Bedeutung für die Kirche der ganzen Welt.“ Zur Seligsprechung hat der Diözesanbischof zudem ein Hirtenwort verfasst. Darin geht es um Henkes Nachfolge, um dessen Gespür für Wahrhaftigkeit und dessen innere Freiheit. Zur Liturgie selbst hatte Bischof Bätzing zusammen mit Irmgard Scholz aus Lahnstein ein Lied zu Richard Henkes komponiert. Scholz textete, der Bischof lieferte die Melodie zu. In dem Lied heißt es:

„Trotz Haft, Unmenschlichkeit und Not
wollt er stets Liebe geben,
freiwillig er Todkranke pflegt:
für sie gab er sein Leben.“

Pater-Richard-Henkes-Fest
Nach einem Fest bei strahlendem Sonnenschein im Bischofsgarten gab es ein gemeinsames Abendlob in der voll besetzten Pallottinerkirche St. Marien in Limburg. Während der Domchor unter Leitung von Domchordirektorin Judith Kunz mit Domorganist Carsten Igelbrink die Liturgie am Nachmittag im Dom musikalisch gestaltete, waren hier Organist Frank Sittel und der Chor der Marienkirche unter der Leitung von Christoph Hilfrich im Einsatz.

Nach dem Abendlob blieben noch etwa 500 Gäste zum festlichen Abendessen im Pater-Richard-Henkes-Saal und im Refektorium des Limburger Missionshauses.

Text: Bistum Limburg
Bilder: Bistum Limburg & Pallottiner

Weitere Impressionen von diesem unvergesslichen Tag finden Sie in der Bildergalerie.

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