Im Gedenken

Bruder Richard Kley SAC

Am Nachmittag des vierten Fastensonntags („Laetare“), dem 22. März 2020, verstarb im Krankenhaus zu Friedberg/Bayern unser Mitbruder Bruder Richard Kley SAC im Alter von 90 Jahren, mit 67 Professjahren.

Am 19. September 1929 wurde Richard Kley in Dürrenstetten bei Münsingen, Pfarrei Bichishausen, als fünfter von sechs Buben der Eheleute Karl und Katharina Kley geboren. Drei Tage später wurde er in der Pfarrkirche Bichishausen getauft. Das Sakrament der Firmung empfing Richard am 10. Mai 1940 durch den Rottenburger Weihbischof Franz Fischer im Münster „Unserer Lieben Frau“ zu Zwiefalten. Nach dem Besuch der Volksschule 1936 bis 1944 arbeitete er zunächst in der elterlichen Landwirt-schaft, bis er ein Jahr später eine Lehrstelle als Schuhmacher fand. Nach dreijähriger Lehrzeit legte er die Gesellenprüfung ab. Ob aus eigenem Antrieb oder eher angeraten, verließ er 1949 das Elternhaus, um bei einem Schuhmachermeister in Friedrichshafen-Schnetzenhausen zehn Monate lang zu arbeiten. Zeitlebens blieb er dessen Familie dankbar verbunden.

So ganz zufällig war diese Ortswahl wohl nicht, denn von hier aus konnte er Konrad Walter im Spätberufenenseminar St. Josef Hersberg in Immenstaad am Bodensee besuchen. Dieser hatte in der schwierigen NS-Zeit in Bichishausen die Pfarrjugend geleitet und holte nun die Gymnasialstudien nach. Niemand ahnte damals, dass er später einmal Bischof in Brasilien würde. Auf dem Hersberg lebte und arbeitete bereits dessen Bruder Alois (1904 – 1989) als Pallottinerbruder. Durch diese beiden lernte er die Gemeinschaft des „ehrwürdigen Dieners Gottes Vinzenz Pallotti“ näher kennen, dessen Seligsprechung (1950) in Kürze erwartet wurde.

Erste Berührung mit den Pallottinern hatte Richard allerdings schon vorher durch seinen Onkel P. Max Kley, der etliche Jahrzehnte in Brasilien wirkte. So kam es, dass sich Richard um Aufnahme ins Brüdernoviziat der Pallottiner in Hofstetten bei Falkenstein/Opf. bewarb. Nach einer kurzen Zeit als Aspirant auf dem Hersberg begann er im Mai 1950 in Hofstetten das Postulat, am 8. Dezember 1950 das Noviziat und legte zwei Jahre später die erste Profess ab. In dieser Zeit auf dem „Erlhof“ hatte P. Carl Ebner, sein Novizenmeister, einen nachhaltig prägenden Einfluss. Zeitlebens verband Br. Richard sein handwerkliches Arbeiten mit einer aus seinem Inneren kommenden kontemplativen Frömmigkeit. Nach seiner zweiten Profess am 8. Dezember 1953 wurde er in das St. Paulusheim in Bruchsal versetzt, wo er nicht nur Schuhe anfertigte und reparierte, sondern sich noch weitere handwerkliche Fähigkeiten aneignete.

Nach seiner ewigen Profess 1955 erklärte er dem Provinzial seine Bereitschaft, bei der Missionsarbeit in Indien mitzuhelfen. Doch die Obern haben anders entschieden. Zum 1. Februar 1960 wurde Br. Richard nach Friedberg versetzt, um im Pallottiheim bzw. Provinzialat die Stelle als Hausmeister einzunehmen. Dem entsprach er mit großem Geschick und Eifer, zuverlässig und unaufgeregt, sehr vielseitig und stets freundlich.

Schon sehr bald hatte er beste Kontakte zu den Handwerkern und vielen Menschen der Umgebung, bei denen er – falls nötig – Rat und Hilfe einholte, die aber auch seine Unterstützung schätzten. Diese Kontaktfähigkeit entsprang nicht einem Bedürfnis nach Anerkennung, sondern eher seiner steten Hilfsbereitschaft und bescheidenen Zurückhaltung. Er suchte nicht die Menschen, sondern sie fanden ihn. Viele erinnern sich an seine Güte ausstrahlende Freundlichkeit, selbst wenn sie ihm nur für wenige Minuten begegnet sind. Dienen wollte er, nicht glänzen. Jährlich freute er sich auf einige Urlaubstage, die er meist zusammen mit ein oder zwei Mitbrüdern in der Pallottinerniederlassung in Meran verbrachte, wo die Mutspitze zu seinem Lieblingsberg wurde.

Als ihn Provinzial Josef Danko 1993 zum Hausrat im Pallottiheim ernannte, wünschte dieser ihm – in guter Kenntnis seiner Person – die Fähigkeit, „das bewährte Alte zu erhalten und notwendiges Neues wachsen zu lassen“. Br. Richard hat vielfältige Wandlungen im Gemeinschaftsleben und auch bei den Gebäuden erlebt. Nicht alles hat er für gut befunden, aber wenn es dem Willen der Obern und der Gemeinschaft entsprach, dann hat er es stets vorbehaltlos akzeptiert und mit aller Kraft unterstützt.

Als seine Kräfte abnahmen und er seine Aufgaben anderen Händen überlassen musste, war dies für ihn schmerzlich, doch er bewältigte es mit bewundernswerter Souveränität, denn jegliche Form von Herrschaft war ihm fremd.

Geblieben ist ihm bis zuletzt das schon zum Abbruch bestimmte Gewächshaus, in dem er sich mit großer Sorgfalt um die Geranien und die Tomaten kümmerte. Aber immer mehr wurde sein Leben vom Gebet bestimmt: im Gewächshaus, in seinem Zimmer und vor allem, wenn er viele Stunden mit geschlossenen Augen in der Hauskapelle saß. Wer ihn nach seinem Befinden fragte, der erhielt meist die Antwort seines schwäbischen Landsmannes und Mystikers Heinrich Seuse: „Wie der Vogel auf dem Ast sitzend, stets zum Abflug bereit.“

Br. Richard war wirklich bereit, manchmal in einer fast etwas voreilig anmutenden Erwartung. Den Stock, der ihm dringend als Gehhilfe empfohlen worden war, gebrauchte er nie als eine Stütze, sondern trug ihn eher aus Gehorsam in der Hand spazieren. Nur wenige Tage musste er ihn ganz aus der Hand legen, um dann endgültig heimzugehen zu Gott, auf den er sich so hoffnungsvoll vorbereitet hat.

 

Bedingt durch die Corona-Krise kann die Beisetzung auf dem Friedhof Herrgottsruh in Friedberg nur im kleinen Kreis stattfinden. Zu einem späteren Zeitpunkt feiern wir in der Pallottikirche in Friedberg ein öffentliches Requiem.

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