Schutz ist kein „Zusatz“ zur Mission, sondern die Grundlage

Workshop zum Schutz Minderjähriger im St. Vincent Pallotti Formation House in Balaka (Malawi)

„Jeder Mensch hat auf die eine oder andere Weise Macht. Missbrauchen Sie Ihre Macht nicht – und lassen Sie sich auch nicht missbrauchen.“

Mit diesen Worten stimmte Pater Laurent Kamwaza M. Afr. die Teilnehmenden auf den lehrreichen Workshop ein, der vom 29. bis 30. August im St. Vincent Pallotti Formation House in Balaka (Malawi) stattfand. Pater Kamwaza, in seiner Kongregation Missionarii Africae für den Schutz zuständig und Mitglied des Generalrates der Missionare Afrikas (Weiße Väter), leitete die Sitzungen unter dem Thema „Schutz von Minderjährigen in der Kirche“.

Sich der Geschichte stellen, das Gewissen bilden

Der Workshop begann mit einem nüchternen Blick auf die historischen Versäumnisse und Reformbemühungen der Kirche. Pater Kamwaza zeigte die vielfältigen Formen des Missbrauchs (sexuell, körperlich, emotional, Vernachlässigung, Machtmissbrauch, Grenzverletzungen) auf und betonte, dass Macht in pastoralen Funktionen transparent sein müsse und niemals manipulativ sein dürfe.

Ausgehend von der Evangeliumslesung „Lasst die Kinder zu mir kommen“ (Lk 18,16) reflektierten die Teilnehmenden darüber, wie Pfarreien, Schulen und Ausbildungsstätten zu sicheren Orten werden können, in denen Vertrauen bewusst gelebt wird: durch klare Verhaltenskodizes, angemessene Überprüfung und Begleitung, verantwortungsvolle Kommunikation, sicheres Online-Verhalten sowie Reaktionen, die sich an den Betroffenen orientieren.

Pallottiner stellen Schutz in den Mittelpunkt der Ausbildung

Die Pallottinerfamilie (Gesellschaft des Katholischen Apostolats und Union des Katholischen Apostolats) hat seit 2015 unter Leitung des Generalats in Rom und in Übereinstimmung mit der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen internationale Richtlinien verabschiedet. Diese Richtlinien verankern den Schutz nicht nur in Vorschriften, sondern auch im Charisma des heiligen Vinzenz Pallotti: die Achtung der Würde jedes Menschen und eine Mission, die den Glauben durch konkrete Nächstenliebe neu entfacht.

Der Workshop in Balaka war eine direkte Antwort auf diesen Aufruf. Er zeigt, wie die Pallottiner in Malawi im Einklang mit der Weltkirche und der internationalen Pallottinerfamilie handeln, indem sie den Schutz in den Mittelpunkt der Ausbildung stellen.

Wie der Rektor des Ausbildungshauses, Pater Richard Nyasaland SAC, betonte, sei dies „kein importiertes Programm, sondern Teil unserer Identität als Pallottiner überall.“

Warum ist dies in Malawi wichtig?

Der Kontext ist entscheidend: Malawi ist nach wie vor mit alarmierend hohen Zahlen von Gewalt und Missbrauch gegen Kinder konfrontiert. So berichtet etwa jedes fünfte Mädchen und jeder siebte Junge von mindestens einem Fall sexuellen Missbrauchs vor dem 18. Lebensjahr.
Auch die Kirche ist von dieser Realität nicht ausgenommen. Die Schutzausbildung befähigt die Pallottinerbrüder, Präventionsmaßnahmen umzusetzen, Fälle aufzudecken und angemessen zu reagieren, um die Schwächsten zu schützen.

Ein Teilnehmer, Br. Daniel Valetta, erklärte: „Die Sitzungen haben mich daran erinnert, dass es beim Schutz nicht nur darum geht, Skandale zu verhindern, sondern auch darum, den uns anvertrauten Menschen ein wahrer Bruder zu sein. Das gibt uns das Selbstvertrauen, in unseren Pfarreien und Gemeinschaften sichere Räume zu schaffen.“

Ein weiterer Teilnehmer, Br. Mike Zuze, ergänzte: „Schutz und Kontrolle schränken unseren Dienst nicht ein, sondern machen ihn glaubwürdig. Sie zeigen den Menschen, dass wir mit Transparenz und Liebe dienen.“

Der Workshop hat die jungen Pallottiner in Malawi sowohl für einen sichereren Dienst vor Ort als auch für ihre künftige Arbeit in Diözesen und Missionen außerhalb des Landes sensibilisiert.

Die Mission der Pallottiner: Schutz

Schutz ist kein „Zusatz“ zur Mission, sondern die Grundlage. Er bewahrt die Glaubwürdigkeit der Evangelisierung, ehrt das Bild Gottes in jedem Menschen und ermöglicht, dass das Evangelium in sicheren Räumen geglaubt und gelebt werden kann.

Mit der Durchführung dieses Workshops in Balaka nehmen die Pallottiner in Malawi ihren Platz in den universellen Schutzbemühungen der Kirche und ihres Generalats in Rom ein. Dies ist ein konkretes Zeichen dafür, dass die Pallottinerfamilie in Malawi entschlossen ist, sicherzustellen, dass jeder Dienst – sei es Katechese, Ausbildung, Pfarrleben oder soziale Arbeit – im Glauben und im Schutz des Menschen verwurzelt ist.

Die Mission der Pallottiner in Malawi: Menschen schützen!

Bericht & Foto: Diakon Barnet Chokani Phiri SAC, Malawi

Schutzkonzepte in der Kirche
Prävention – Aufarbeitung – Intervention – Strukturelle Veränderungen – Unterstützung für Betroffene

Kirchliche Orden und Diözesen haben in den letzten Jahren Schutzmaßnahmen entwickelt, um sexualisierte Gewalt aufzuarbeiten, zu verhindern und Betroffene wirksam zu unterstützen.

Kernelemente sind:

  • Prävention: Schulungen, Verhaltensregeln, klare Standards
  • Intervention: Unabhängige Meldestellen und schnelle Reaktionswege
  • Strukturelle Veränderungen: Transparenz, Kontrolle, Begrenzung von Macht
  • Unterstützung für Betroffene: Schutz, Begleitung und Hilfe im Notfall

Nähe und Vertrauen sind Grundpfeiler kirchlicher Arbeit – zugleich bergen sie das Risiko von Missbrauch. Deshalb tragen alle in der Kirche Tätigen Verantwortung für ein sicheres Umfeld.

Schutzkonzepte schaffen Bewusstsein, Handlungssicherheit und klare Strukturen. Sie sind mehr als ein Papier: Sie helfen, Risiken zu erkennen, Missbrauch vorzubeugen und Betroffenen sofortige Unterstützung zu bieten. Die offene Auseinandersetzung mit Grenzverletzungen bis hin zu sexualisierter Gewalt im Rahmen der Schutzkonzeptentwicklung fördert insbesondere die Aneignung von Wissen und Kompetenz innerhalb der Institution Kirche. Hierdurch wird ein Prozess eingeleitet, der Pallottiner, Unio-Mitglieder sowie bei den Pallottinern haupt- und ehrenamtlich Tätige für das Thema sensibilisiert und dabei gleichzeitig jene Menschen schützt und bestärkt, die sich Hilfe suchend an ihre Kirche wenden möchten.

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