
„Heroischer Zeuge der christlichen Liebe
und unerschrockener Verkünder des Evangeliums“
Sieben Jahre danach: Das Vermächtnis des seligen Richard Henkes lebt weiter
Am 15. September 2026 jährt sich die Seligsprechung unseres Mitbruders Richard Henkes zum siebten Mal. Wer damals in Limburg dabei war, erinnert sich an einen Tag voller Dankbarkeit, Freude und bewegender Begegnungen. Die Feier im Hohen Dom, die vielen Gäste aus Deutschland, Tschechien und weiteren Ländern sowie die herzliche Gemeinschaft rund um dieses besondere Ereignis machten deutlich: Das Zeugnis von Richard Henkes berührt Menschen weit über die Grenzen seiner Heimat hinaus.
Ein historischer Tag in Limburg
Die Seligsprechung war nicht nur für die Pallottiner, sondern auch für das Bistum Limburg ein historischer Meilenstein. Erstmals wurde im Limburger Dom eine Seligsprechung gefeiert. Als Gesandter von Papst Franziskus verlas Kurienkardinal Kurt Koch das Apostolische Schreiben, mit dem Richard Henkes als Märtyrer und Zeuge christlicher Nächstenliebe offiziell in die Reihe der Seligen aufgenommen wurde. Darin wird Pater Henkes ausdrücklich als „heroischer Zeuge der christlichen Liebe“ und als „unerschrockener Verkünder des Evangeliums“ gewürdigt. Rund 1.500 Gläubige versammelten sich im Dom. Weitere Besucherinnen und Besucher verfolgten die Feier auf der Domplatte und in der Stadtkirche.











Viele erinnern sich bis heute an die besondere Atmosphäre dieses Tages. Vertreter der Weltkirche, zahlreiche Ordensleute, Weggefährten, Mitglieder der Familie Henkes sowie Gäste aus Tschechien und Deutschland kamen zusammen. Gerade die große tschechische Beteiligung machte sichtbar, wie sehr Richard Henkes als Brückenbauer zwischen den Völkern geschätzt wird. Die Versöhnung zwischen Deutschen und Tschechen lag ihm bereits zu Lebzeiten am Herzen. Selbst im Konzentrationslager Dachau lernte er Tschechisch, um seinen Mitgefangenen näher zu sein und nach dem Krieg im Dienst der Verständigung wirken zu können.
Ebenso eindrucksvoll waren die Begegnungen nach dem Gottesdienst. Im Bischofsgarten und an vielen Orten rund um den Dom kamen Menschen miteinander ins Gespräch. Sie tauschten Erinnerungen aus, knüpften neue Kontakte und erzählten von persönlichen Erfahrungen. Für viele Gäste wurde spürbar: Die Seligsprechung war nicht nur die Würdigung eines Mannes der Vergangenheit, sondern zugleich ein lebendiges Glaubenszeugnis für die Gegenwart.
Ein Vermächtnis, das lebendig bleibt
Sieben Jahre später ist die Begeisterung dieses Tages nicht verklungen. Das Andenken an den seligen Richard Henkes lebt auf vielfältige Weise fort. Jedes Jahr wird rund um seinen Gedenktag am 21. Februar in Limburg und an vielen anderen Orten an ihn erinnert. Die Gottesdienste ziehen Menschen an, die in seinem Leben Orientierung für die Gegenwart finden. Seine Bereitschaft, für Wahrheit, Menschenwürde und Nächstenliebe einzutreten, spricht auch heute an.


Besonders in Limburg ist Richard Henkes weiterhin präsent. Die Pietà-Kapelle der Pallottinerkirche St. Marien, mit der Asche des Seligen, ist zu einem wichtigen Ort des Gebets und der Erinnerung geworden. Hier suchen Menschen Stille, danken für erfahrene Hilfe oder bitten um seine Fürsprache. Die jährlichen Gedenkfeiern verbinden Eucharistie und persönliches Gebet mit der Erinnerung an einen Mann, der in einer Zeit der Unmenschlichkeit kompromisslos für die Würde jedes Menschen eintrat.




Haltung, die bis heute Orientierung gibt
Zugleich gewinnt seine Botschaft neue Aktualität. In Predigten und Veranstaltungen wird immer wieder daran erinnert, wie mutig Richard Henkes dem Zeitgeist seiner Epoche widerstand. Er schwieg nicht, als Menschen ausgegrenzt, verfolgt und entwürdigt wurden. Sein Einsatz für Versöhnung, seine Solidarität mit Kranken und Ausgegrenzten sowie seine freiwillige Hingabe im Typhusblock des KZ Dachau machen ihn zu einem Vorbild, dessen Lebenszeugnis auch im 21. Jahrhundert Orientierung geben kann.
Wie aktuell seine Haltung ist, zeigt auch ein Bühnenstück der Vallendarer Initiative „Haltung heute“, das am 9. November 2026 in der Vallendarer Pallottikirche uraufgeführt werden soll. „HALTUNGSWECHSEL – Wenn Haltung auf der Kippe steht“ ist ein Plädoyer für Respekt und Menschlichkeit sowie für den Mut zum Dialog.
Wenn wir heute auf die Seligsprechung vom 15. September 2019 zurückblicken, erinnern wir uns daher an mehr als einen festlichen Tag. Wir erinnern uns an einen Menschen, der aus seinem Glauben heraus handelte und bis zuletzt für andere da war. Die vielen Gottesdienste, Gedenkveranstaltungen, Publikationen und Begegnungen der vergangenen Jahre zeigen: Richard Henkes ist nicht in Vergessenheit geraten. Sein Lebenszeugnis wirkt weiter, inspiriert Menschen und lädt dazu ein, selbst Zeuginnen und Zeugen von Menschlichkeit, Versöhnung und christlicher Hoffnung zu sein.
Gerade darin liegt vielleicht die schönste Frucht seiner Seligsprechung: Das Andenken an den seligen Richard Henkes ist lebendig – und es bleibt lebendig.
Bericht: Josef Eberhard
Bilder: Bistum Limburg und Pallottiner
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