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Offenheit, Weite, Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Pallottiner brachten neuen Schwung in die Pfarrgemeinde

Wenn ich von unserer Haustüre aus einen kleinen Hügel hinaufspaziere, kann ich nach ca. 200 Metern ins Apostolatshaus der Pallottiner nach Hofstetten hinüberschauen, das nicht mal drei Kilometer Luftlinie von uns entfernt ist. Ruhig und still liegt es, seit ich denken kann, inmitten Felder und Wiesen und scheint zu mir herüber zu winken. Mit diesem Blick bin ich aufgewachsen und auch die Pallottiner waren mir von Kindesbeinen an bekannt, war doch ein Großonkel von mir in der Mission in Australien und eine Großtante bei den Pallottinerinnen in Kapstadt. Das erste Mal bewusst erlebt habe ich Pallottiner allerdings erst, als sie 1983 eine Gemeindemission in unserer Pfarrei abhielten. Pater Konrad Schultis und Pater Bernd Sieber kamen für knapp zwei Wochen zu uns und brachten einen ganz neuen Schwung und eine Offenheit in unsere Pfarrei, die Vorträge und Gottesdienste wurden sehr gut angenommen, es herrschte Aufbruchsstimmung bei den Veranstaltungen. Ich war gerade 18 Jahre alt geworden und nahm dankbar alle Angebote für die Jugend wahr, die von Pater Schultis geleitet wurden.

Anfang der 1990iger Jahre zog es mich immer wieder nach Hofstetten in den Gottesdienst, denn in unserer Pfarrei fand ich mich nicht mehr zurecht. In Hofstetten herrschte eine Offenheit und Weite, die ich immer mehr zu schätzen wusste. Mit der Zeit bekam ich auch mit, dass es dort einen sehr rührigen Familienkreis gab, den Pater Heidinger leitete und sich um Pater Lauinger ein weiterer Kreis gebildete hatte, der jeden Montag Abend Bibelgespräche anbot. Es sollte aber noch einige Jahre dauern, bis ich mich durchringen konnte, diese Abende auch zu besuchen und ohne die Hartnäckigkeit einer Freundin hätte ich es wohl auch nicht geschafft.

Unsere Pfarrei war inzwischen mit einer anderen Pfarrei zu einer Seelsorgeeinheit zusammengeschlossen worden und wir hatten keinen eigenen Pfarrer mehr. 1998 kam Pater Moosmann nach Hofstetten und wusste nicht recht, was er dort anfangen sollte. Er wurde unser Ruhestandsgeistlicher und mischte unsere verschlafene Pfarrei kräftig auf. Wir erlebten erstmals hautnah was es bedeutet, mit Pallottinern zu arbeiten. Offenheit, Weite, Einbindung der Laien, Zusammenarbeit auf Augenhöhe, all das kannten wir nicht in diesem Umfang. Auf Pater Moosmann folgte 2007 ein weiterer Pallottiner, der in Hofstetten seine Zelte aufgeschlagen hatte. Pater Johannes Wilhelmi sollte für sechs Jahre unser Pfarrer werden und mit ihm begann eine Blütezeit der Laienarbeit. Es machte unheimlich viel Freude als Laie mit ihm gemeinsam in der Pastoral zu arbeiten. 15 Jahre lang prägten uns also die Pallottiner mit ihrem Denken und ihrer Spiritualität. Noch heute können wir davon zehren!

Seit dieser Zeit ist Hofstetten meine geistliche Heimat geworden, eine spirituelle Tankstelle, wo ich den Akku aufladen und zur Ruhe kommen kann. Die Bibelabende, die Gottesdienste mit Bibelteilen, das stille Sitzen und Beten in der Hauskapelle, all das gehört inzwischen seit vielen Jahren zu meinem Leben dazu, auch um in meinem Beruf als Religionslehrerin bestehen zu können. Die Räumlichkeiten und die ruhige Lage des Hauses nutze ich seit einigen Jahren gerne um Einkehrtage für Kinder der 3. Klassen zur Vorbereitung auf die Erstkommunion durchzuführen. Auch mit den Kindern der 4. Klassen fahre ich gerne dorthin um einen Tag lang den Abschluss der Grundschule zu feiern. An solchen Tagen ist es dort vorbei mit der Stille und Kinderlachen hallt durchs Haus.

Kapelle in Hofstetten

Mit der Mission 1983 war tief in mir ein Samen gelegt worden, der langsam begann, erst noch im Verborgenen, zu wachsen. Es dauerte noch 15 Jahre bis er aufgehen konnte und ich mich 1998 entschloss, ein Studium der Theologie im Fernkurs zu beginnen mit dem Ziel, Religionslehrerin zu werden. Eine Wochenendveranstaltung dieses Studiums führte mich in das Pallottinerhaus in Schmerlenbach. Dort fiel mir wieder ein, dass es eigentlich Pater Schultis war, der den Grundstock, das Fundament, für diesen Weg gelegt hatte. Ich schrieb ihm von Schmerlenbach aus, wo ich seine Adresse erfuhr, einen Brief nach Immenstaad, wo er in St. Josef am Hersberg eine Heimat gefunden hatte. Mit diesem Brief begann eine Geschichte, die ich hier auch noch erzählen möchte. Er freute sich sehr über die Nachricht von mir und es entwickelte sich ein loser Briefkontakt, auch wenn er sich natürlich nicht an mich erinnern konnte und ihm mein Name nichts mehr sagte.

2013 konnte Pater Moosmann in Hofstetten sein 65-jähriges Priesterjubiläum feiern und ein Mitbruder von ihm, nämlich Pater Konrad Schultis sollte die Festpredigt halten. Hier schloss sich nach 30 Jahren der Kreis, der 1983 mit der Mission in unserer Pfarrei begonnen hatte. Nach dem Festgottesdienst fand ein Empfang statt. An diesem Empfang nahm auch Pater Schultis teil und als ich mich ihm zu erkennen gab und meinen Namen nannte war die Freude über das Wiedersehen auf beiden Seiten riesengroß. Aus dieser Begegnung in Hofstetten ist inzwischen eine schöne Freundschaft entstanden. Durch Pater Schultis habe ich auch Schloss Hersberg in Immenstaad kennengelernt und jedes Mal wenn ich dort bin um Exerzitien zu machen, ergibt sich die Gelegenheit zu intensiven Gesprächen bei einem guten Glas badischen Wein.
Doch so lange es das Haus in Hofstetten gibt, wird dies meine geistliche Heimat bleiben, eine Heimat, die ich auf einer schönen Wanderung in einer knappen Stunde erreichen kann und in der ich immer willkommen bin. Hoffentlich bleibt mir und vielen Menschen in unserer Umgebung diese Heimat noch sehr lange erhalten.

Erinnert hat sich
Claudia Rosenhammer aus Woppmannszell
von ihr stammt auch das Beitragsbild (links oben)

Apostolatshaus der Pallottiner in Hofstetten

Alle Beiträge aus dieser Serie

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Eine gereimte Hommage an das Johannes-Schlößl in Salzburg.
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Wir sammeln Geschichten. Erzählen Sie uns, was Sie mit uns verbinden und was Sie mit uns verbindet, was Ihnen wichtig ist. Schreiben Sie uns!
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