„Ich bin der Fahrer und der Pfarrer“

Pater Karl Knott hält Kontakt zu Katja Ebstein und Seniorenmessen auf Augenhöhe

Ordensmitglieder haben ein Idol. Na klar, sie eifern im Auftrag ihres Gründers dem Vorbild Jesu Christi nach. Schaut man sich in der Wohnung des Pallottiners Pater Karl Knott um, so fällt dem Gast neben einem Papstporträt ein Poster von Katja Ebstein ins Auge. Zu der Sängerin und Schauspielerin mit den langen roten Haaren und dem charakteristischen Pony („Wunder gibt es immer wieder“) unterhält der Pater eine besondere Beziehung und hat viele ihrer Auftritte besucht.

Aus einer Nachfrage bei ihrem Ehemann, dem Regisseur Klaus Überall, weshalb die Auftrittstermine nicht auf der Homepage veröffentlicht sind, ergab sich seit 2002 ein wertschätzender, seelsorgerischer Kontakt. „Auf Katjas Wunsch habe ich ihren Mann am Sterbebett begleitet und 2008 im Kloster Reutberg die Trauerrede gehalten“, blickt der Geistliche zurück. Nach seinem Tod habe er Katja zu vielen Auftritten gefahren. Vorgestellt habe er sich bei den Veranstaltern mit dem Spruch: „Ich bin der Pfarrer und der Fahrer.“ Heute sei er gewissermaßen die Schaltstelle des Freundeskreises der jetzt 81-jährigen Karin Ilse Überall und besuche noch ihre Auftritte.

Die Idee „Pallotti ruft den Laien“ hat mich angesprochen

Knott wohnt seit dem 1. August 2026 im Limburger Missionshaus der ordensähnlichen Gesellschaft des Katholischen Apostolats. Vor 74 Jahren erblickte Karl auf dem Canishof, einem Bauernhof in Pulheim bei Köln, als jüngstes von vier Kindern das Licht der Welt. Er war Messdiener, später im Kirchenvorstand seiner Pfarrei. Nach der Mittleren Reife absolvierte er eine Lehre zum Bankkaufmann, wurde nach dem Zivildienst Abteilungsleiter der Hauptstelle in Pulheim, später Zweigstellenleiter, zuerst einer kleinen, dann der größten Zweigstelle. In dieser Zeit wuchs der Kontakt zu den Pallottinern. Der Geistliche blickt zurück: „Wir hatten fünf bis sechs Zeitschriften von verschiedenen Orden. Wenn für Zeitschriften geworben wurde, waren die Bauernhöfe im Dorf immer die erste Anlaufstelle. Ich habe viel darin gelesen, aber am meisten haben mich die Pallottiner mit ihrer Idee ‚Pallotti ruft den Laien‘ angesprochen. Später habe ich in Pulheim selbst ‚das zeichen‘ ausgetragen und gehörte dadurch zum Laienverband. Als im ‚Zeichen‘ eine Flugreise nach Israel angeboten wurde, habe ich die erste Pilgerreise mit den Pallottinern gemacht. Meine Schwester Hildegard hatte ein Buch über dieses Land – dort wollte ich hin.“

Als Bankkaufmann hatte er dann mit den Pallottinern jedes Jahr eine Pilgerreise gemacht und fuhr zu den Treffen in Vallendar. Ausschlaggebend für seinen Eintritt bei den Pallottinern nennt der Pater eine Romreise; dennoch habe es vier Jahre gedauert, bis er sich für den Eintritt ins Noviziat in Untermerzbach bewarb. Knott: „Als Spätberufener fragte mich der Provinzial, was ich bei den Pallottinern machen wolle. Ich sagte, dass ich als Bruder in der Landwirtschaft arbeiten wolle.“ Weil er in meinem Lebenslauf gesehen hatte, dass ich meinen Zivildienst in der Kindertagesstätte der Universitätskliniken Köln geleistet hatte, fragte er mich, ob ich mir vorstellen könne, Internatserzieher in Rheinbach zu werden. „So machte ich eine Ausbildung zum staatlich anerkannten Erzieher mit dem Schwerpunkt Freizeitpädagogik.“

Reprofoto von Pater Karl Knott, als er noch als Bruder Karl Knott in Rheinbach tätig war.

Im Alter von 46 Jahren zum Priester geweiht

Neun Jahre wirkte Bruder Karl als Erzieher, bis er auf dem zweiten Bildungsweg in Lantershofen ein vierjähriges Studium der Theologie und Philosophie begann und im Mai 1999 im Alter von 46 Jahren zum Priester geweiht wurde. Nur einmal habe er in seiner Entscheidung geschwankt und sein Studium abbrechen wollen, räumt er ein. Anlass sei die unmissverständliche Aussage von Papst Johannes Paul II. gewesen, dass Frauen keine Priester werden könnten. Doch sein geistlicher Begleiter habe ihn ermutigt, den eingeschlagenen Weg weiterzuverfolgen.

Im Jahr 2000 war Knott sieben Monate Kaplan bei Pater Bernhard Pieler in der Pfarrei St. Marien in Limburg, bevor er für zwei Jahre die Noviziatsleitung in Untermerzbach übernahm und anschließend für zwei Jahre Verwalter der Hochschule in Vallendar wurde. Am 1. September 2004 übernahm er als Pfarrer die Westerwaldgemeinden St. Anna Neuhäusel, St. Rochus Simmern und Mariä Himmelfahrt in Eitelborn, zu denen später noch St. Peter und Paul Arzbach sowie St. Josef Kadenbach kamen. Daraus entstand die Pfarrei „St. Marien in der Augst“, die zum 1. Januar 2024 zu St. Peter Montabaur hinzukam. Damit endeten für Pater Knott die Dienste im Bistum Limburg.

Mit dem Rollator zur Seniorenmesse

Nach einer Sabbatzeit hält Pater Knott mit seinem Rollator im Rücken heute seniorengerechte Messen „auf Augenhöhe“ in drei Senioreneinrichtungen im Raum Vallendar und betreut einen Senior im Seniorenheim Dernbach. Sein Hobby bleibt Katja Ebstein, sagt Pater Knott, öffnet einen Schrank und zeigt einen Stapel ihrer LPs sowie alle möglichen anderen Tonträger.

Bericht und Bilder: Dieter Fluck

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