Foto: Gesundheitsbelastungen im Straßenverkehr. Belastungen, die mit dem täglichen Kampf ums Überleben verbunden sind, stellen ein Risiko für Augenerkrankungen dar: Bauern sind Staub und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, Schweißer blicken in helle Funken, Köchinnen und Gastronomen arbeiten häufig in Rauch.

Blindheit in Mbaukwu

80 Prozent der Blindheitsfälle sind vermeidbar oder behandelbar

Im Herzen der Region Awka liegt Mbaukwu – eine Gemeinde in Nigeria voller Leben, Kultur und Widerstandskraft. Doch hinter all dieser Schönheit verbirgt sich eine stille Krise, die den Menschen das Augenlicht, ihre Würde und ihre Chancen raubt: Blindheit. Nicht durch Schicksal – sondern durch vermeidbare Ursachen. Die Mitbrüder der Pallottiner in Nigeria wollen Abhilfe schaffen.

In ländlichen Gebieten wie Mbaukwu ist Blindheit keine Seltenheit. Studien zeigen jedoch, dass über 80 Prozent der Blindheitsfälle vermeidbar oder behandelbar sind. In Gemeinden wie Mbaukwu liegt die Ursache nicht im Schicksal, sondern oft in struktureller Vernachlässigung. Den meisten Menschen fehlt es an medizinischer Versorgung; der Zugang zu angemessener augenärztlicher Behandlung ist ein Luxus, den sich viele nicht leisten können.

„Ich dachte, es würde wieder weggehen“

Zu Beginn einer Erkrankung hört man häufig Sätze wie: „Als meine Augen anfingen zu schmerzen, dachte ich, es würde wieder weggehen. Das Krankenhaus ist zu weit weg – und zu teuer.“ In Mbaukwu fehlt vielen Menschen das nötige Bewusstsein für die frühen Anzeichen von Augenerkrankungen. Manche glauben, Sehverlust sei ein natürlicher Teil des Alterns. Andere führen ihn auf spirituelle Ursachen zurück. Dieser Mangel an Aufklärung verzögert die Behandlung oft so lange, bis es zu spät ist. Wenn schließlich Hilfe gesucht wird, hat die Dunkelheit bereits Einzug gehalten.

Hinzu kommen arbeitsbedingte Unfälle und Belastungen, die mit dem täglichen Kampf ums Überleben verbunden sind: Bauern sind Staub und starker Sonneneinstrahlung ausgesetzt, Schweißer blicken in helle Funken, Köchinnen und Gastronomen arbeiten häufig in Rauch. Auch traditionelle Behandlungsmethoden können ein ernstes Problem darstellen. Wo moderne Gesundheitsversorgung fehlt, füllt traditionelle Medizin oft die Lücke. Viele Menschen greifen dann auf pflanzliche Heilmittel, Kräuter oder chemische Mischungen zurück, die gefährlich und schädlich sein können.

Foto: Staubiges Fußballfeld. Viele Augenkrankheiten werden durch bakterielle Infektionen, meist Bindehautentzündungen, ausgelöst oder verschlimmert. Dies stellt insbesondere in Regionen mit schlechter Wasserversorgung und mangelhaften hygienischen Bedingungen ein großes Problem dar.

Augenproblem: Glaukom

So war es auch bei Frau Amaka Ejie. Sie stammt aus Akabor in Mbaukwu, ist 49 Jahre alt, verwitwet und hat vier Kinder.

Frau Amaka Ejie bekam im Alter von etwa 15 bis 17 Jahren erstmals Probleme mit den Augen. Sie berichtete von ihrer ersten Augeninfektion, einer sogenannten akuten hämorrhagischen Konjunktivitis (AHC), einer infektiösen Bindehautentzündung. Da es keine Klinik gab, wurde sie nicht untersucht. Stattdessen erhielt sie Augentropfen von ihrem Onkel. Diese waren jedoch für ein Glaukom im Endstadium bestimmt. Schmerzen und Druck auf den Augen verstärkten sich, bis das linke Auge schließlich vollständig erblindete; hinzu kam ein leichtes Schielen.

Als halbblinde Frau wurde der Alltag für sie immer schwieriger. Weil sie schlecht sah, kam es beim Früchtesammeln zu einem Zusammenstoß. In der Folge erblindete auch ihr zweites Auge. Mit diesem Augenproblem heiratete sie. Ihr Mann brachte sie in eine Augenklinik, wo bei ihr ein Glaukom diagnostiziert wurde. Der Augenarzt bestätigte, dass sie zu spät gekommen sei und ihre Situation nicht mehr rückgängig gemacht werden könne. Heute kann sie nur noch Licht wahrnehmen. Dies ist mit starken Schmerzen verbunden, die durch Augentropfen gelindert werden können, die sie bei einer medizinischen Hilfsaktion erhalten hat.

Frau Amaka Ejie ist auf die Hilfe ihres jüngsten Kindes angewiesen. Ihre siebenjährige Tochter Osinachi begleitet sie überallhin, kümmert sich rührend um sie und führt ihre blinde Mutter durch den Alltag.

Die Initiative der Pallottiner will Leid lindern

Nach zweijähriger Planungsphase wird nun im Herbst 2026 die Pallotti-Augenklinik eröffnet – ein Anlass großer Freude. Das Konzept sieht vor, dass diejenigen, die es sich leisten können, für ihre Behandlung bezahlen, während bedürftige Patientinnen und Patienten kostenlos versorgt werden. Darüber hinaus engagiert sich das Projekt in der Ausbildung lokaler Ärzte und Optiker, um qualifiziertes Fachpersonal auszubilden und langfristig vor Ort zu halten.

Auch Osinachi, die das Leid ihrer Mutter kennt, wünscht sich, dass die Pallottiner ihre Pallotti-Augenklinik bald eröffnen können. Die Siebenjährige meint, dass dies sehr vielen Menschen helfen werde. Prominente Unterstützung bekommt sie von König Anukwu, der den Pallottinern ein geeignetes Gebäude zur Verfügung gestellt hat. So können sie dem großen Problem der vermeidbaren Blindheit in seiner Heimatregion entgegenwirken.

Foto: Augentropfen für den König. König Anukwu unterstützt die Pallotti-Augenklinik in Mbaukwu - er leidet selbst an einem Augenleiden und ist beinahe blind

Was ist Glaukom und wie ist es behandelbar?

Das Glaukom – umgangssprachlich „Grüner Star“ – ist eine Gruppe von Augenerkrankungen, bei denen der Sehnerv schleichend geschädigt wird. Häufig steht dies im Zusammenhang mit einem erhöhten Augeninnendruck, es kann jedoch auch bei normalem Druck auftreten. Unbehandelt führt ein Glaukom zu Gesichtsfeldausfällen und im schlimmsten Fall zur Erblindung. Da die Erkrankung lange Zeit keine Beschwerden verursacht, ist die regelmäßige augenärztliche Vorsorge besonders wichtig. Die Behandlung zielt darauf ab, den Augeninnendruck zu senken und den Krankheitsverlauf zu stoppen. Je nach Befund kommen Augentropfen, Laserbehandlungen oder operative Eingriffe zum Einsatz.

Beitrag: Jörg Puma, übersetzt aus dem Englischen
Bilder: Jörg Puma
Weitere Informationen und Spenden: Die Pallotti-Augenklinik in Mbaukwu

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