Wo schöpfe ich neue Kraft?

Wir haben Pallottiner, Autorinnen und Mitarbeiterinnen gefragt, wo sie neue Kraft schöpfen und auftanken können

Einen Ort zu haben, der die Zeit stillstehen lässt, der etwas Heiliges ausstrahlt und den Blick für neue Welten öffnet, tut besonders in hektischen Zeiten gut.

Bei Kraftorten spielt auch immer die subjektive Empfindung eine Rolle. Schließlich sind es Orte, die der Seele guttun, neue Energie geben und die Stimmung heben. Viele Menschen machen diese Erfahrung an den verschiedensten Orten, beispielsweise wenn sie in der Natur unterwegs sind oder Orte aufsuchen, die sie mit bestimmten Erlebnissen verbinden. Das kann ein duftender Wald sein, der mit seiner Lebendigkeit die Seele berührt, oder eine stille Kirche, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlt. Es kann aber auch ein innerer Rückzugsort sein.

Wo fühle ich mich besonders wohl und geborgen? Wo finde ich leicht in meine Kraft zurück?

Ein Mann blickt auf den weiten Sternenhimmel.


Unter dem weiten Sternenhimmel

Wo ich Kraft schöpfe? Beim Betrachten des Sternenhimmels, der einem die Kleinheit und zugleich die Größe des menschlichen Lebens bewusst macht. Wie es in Psalm 8 heißt: „Seh’ ich den Himmel, das Werk Deiner Hände, Mond und Sterne, die Du gefestigt, dann frage ich mich: Was ist der Mensch, dass Du an ihn denkst, des Menschen Kind, dass Du Dich seiner annimmst?“
P. Alexander Diensberg SAC

Schritt für Schritt dem Himmel entgegen
Bei mir ist das einfach: Ich schöpfe wirklich aus der Natur meine Kraft – und vor allem am Berg. Dort bin ich nicht nur dem Himmel ein Stück näher, ich lasse auch vieles, was mir Kraft raubt, wie Sorgen oder Ängste, im Tal zurück. Diese fallen Schritt für Schritt beim Aufstieg ab. Übrigens macht es einen großen Unterschied, wenn ich einmal die Gondel benütze: Das Gehen gehört dazu! Oben am Gipfel, mit dem nötigen Abstand zum Alltag, ist das Meiste abgefallen und bleibt im Tal. Die frische Luft und die Erhabenheit der Berge sind für mich mehr als nur Genuss: Sie tun mir gut, und so steige ich nach einiger Zeit gestärkt ins Tal zurück.
Lisa Bahnmüller

Kleine Auszeiten mit großer Wirkung
Neue Kraft gibt es für mich an vielen Orten und bei diversen Gelegenheiten …
An einem warmen Tag nach Feierabend noch eine Stunde mit dem Rad in der Abendsonne unterwegs zu sein – das macht den Kopf frei und ist ein wunderbarer Abschluss, bevor es in einen entspannten Abend geht. Das darf mit etwas mehr Tempo auf Radwegen oder auch etwas ruhiger entlang eines Flusses oder Bachlaufs sein …
In meinem abgedunkelten Musikzimmer bei etwas Kerzenlicht eine gute Vinyl-Schallplatte anhören. Ganz bewusst, von vorne bis zum Schluss. Den Texten lauschen, das Konzept des Albums verstehen und fühlen.
An einem schönen See, die Angel im Wasser und ganz viel Zeit: absolutes Nichtstun, nur auf den See schauen und warten, ob eventuell die Angelschnur zuckt. Herrlich beruhigend und entspannend …
Und ganz klassisch: der Berggipfel nach einer anstrengenden, aber schönen Wanderung. Am Gipfelkreuz stehen oder sitzen und den Rundumblick in die Welt der Berge genießen – ein ganz wunderbarer Kraftort.
Um das Ganze dann noch zu toppen, geht es am Abend in die Sauna und danach auf die Ruheliege – auch ein hervorragender Kraftort: die Ruheliege im Wellnessbereich eines schönen Hotels … mega!😃
Alexander Kastner

Wenn Wind und Wasser die Gedanken tragen
Das Meer ist ein wunderbarer Kraftort für mich: das Rauschen der Wellen, das Wasser, das meine Füße umspielt, und der Blick in die Weite. Die Gedanken fliegen davon und werden vom Wind in die Ferne getragen. Der Kopf wird frei, die Seele leicht.
Dasselbe verspüre ich im Wald oder unter Bäumen, den Blick in die Blätterkronen gerichtet. Der Wind spielt mit den Blättern, fängt meine Gedanken und Gefühle auf und trägt sie weiter. Das Rauschen der Nadelbäume und das Singen der Vögel im Wald lassen mich zur Ruhe kommen und neue Kraft tanken.
Ob am Meer oder im Wald, unter Baumkronen liegend: Hier kann ich meine Sorgen und mein Glück in Gedanken teilen, das Schlechte forttragen lassen und das Gute verstärken.
Patrizia Russo

Ruhe und Kraft am Wasser
Ich habe keinen konkreten Kraftort, aber für mich sind solche Orte immer dort, wo ich an Seen oder Flüssen das Wasser sehe. Dort spazieren zu gehen, das Wasser zu sehen, zu hören und auch zu spüren oder einfach nur dazusitzen und auf das Wasser zu schauen: Die Ruhe und Tiefe, das Fließen und die Kraft – das sind für mich Orte und Momente, an denen ich Kraft spüre und schöpfe!
P. Christoph Lentz SAC

Keem Bay auf der Insel Achill Island - eine rauhe Küste in Irland

Im rauen Wind von Achill Island
Ich habe mehrere Kraftorte. Einer der für mich wichtigsten liegt leider weit entfernt in Irland. Auf Achill Island, ganz im Nordwesten, befindet sich ein von Meer und Wind durchtostes Stück Küste. Es ist nicht schön, sondern rau, und meistens regnet es. Aber ich spüre dort die Gewalten der Natur, die Macht des ganzen Universums. Hier spüre ich auch mich selbst, hier bin ich spirituell. Ich kann dort stundenlang stehen.
Alexander Ferstl

Getragen vom Wasser
Einer meiner Rückzugsorte ist das Wasser. Wenn ich meine Bahnen im Schwimmbad ziehen kann, fühlt sich das oft wie Meditation an. Gerne schließe ich dabei die Augen und genieße es, den ganzen Körper zu bewegen und gleichzeitig getragen zu werden. Die Sinne werden gedämpft, die Gedanken verschwinden. Auch Stunden später fühle ich mich zwar körperlich erschöpft, aber emotional gestärkt.
Thorsten Pörtner

Mit jedem Schritt wird der Kopf freier
Die Frage nach einem Kraftort lässt sich für mich ganz einfach beantworten. Immer wenn ich neue Kraft tanken muss, einen neuen Blickwinkel auf die Dinge brauche oder mein Gedankenkarussell anhalten und ordnen möchte, nehme ich meine Walkingstöcke und gehe laufen.
Das Schöne ist: Ich wohne so günstig, dass ich in wenigen Minuten auf offenem Feld bin und auch durch ein kleines Wäldchen komme. Wenn dann noch die Sonne scheint, ist die Welt wieder in Ordnung – fast zumindest.
Ulrike Happacher

Kraft durch liebevolle Verbundenheit
Meine tägliche Kraftquelle sind Menschen, die ich liebe und die mich lieben – ganz gleich, ob sie in meiner Nähe oder in weiter Ferne sind.
Ellen Dietrich

Menschen, die mir Heimat schenken
Ich bin sehr dankbar für einen wichtigen Kraftort meines Lebens: Menschen, die ich liebe und von denen ich mich geliebt weiß.
Nicht, weil ich so bin, wie sie mich gerne hätten, sondern weil sie mich so annehmen, wie ich bin – und umgekehrt.
Ihre vertrauten Stimmen zu hören, Zeit und Leben mit ihnen zu teilen, manchmal über große räumliche Distanzen hinweg, sich mit ihnen des Lebens zu freuen oder auch um Themen und Entscheidungen zu ringen, gibt mir Kraft und schenkt mir Heimat. Es tut so gut, durch sie zu erfahren: Wie schön, dass es dich gibt!
Das ist ein Segen, in dem ich Gott erfahre, für den ich aber auch bereit sein muss, selbst Kraft zu investieren.
P. Sascha-Phillipp Geißler SAC

Gemeinsam aus dem Glauben schöpfen
Die größten Kraftquellen sind für mich die Heilige Schrift und das reale Erfahren von Glaubensgemeinschaft. Seinen Höhepunkt findet das für mich im wöchentlichen Bibelgespräch. Dabei geht es nicht um theologische Fragen, sondern um die Bedeutung und Wirkung des Wortes Gottes im eigenen Leben und im gemeinsamen Wirken, etwa in unserem Team.
Wenn ich dabei mitbekomme, wie jemand ringt beziehungsweise sich durchgerungen hat und trotz vielem eine aus der Tiefe kommende Zufriedenheit ausstrahlt, dann gibt mir das – gerade wenn ich selbst im Dunkeln sitze – nicht nur einen kräftigen Schubs, sondern auch viel Ermutigung und Tatkraft.
P. Hubert Lenz SAC

Das Johannes-Schlössl der Pallottiner auf dem Salzburger Mönchsberg.

Vor der Haustür zu mir selbst finden
Für mich ist es zurzeit der fast tägliche Spaziergang auf dem Mönchsberg in Salzburg, auf dem ich auch wohnen darf. Der Gang vor die Haustür und durch die Natur, die meine Aufmerksamkeit herausfordert, hilft mir, meinen Geist und mein Bewusstsein zu weiten.
Mit ihren Gerüchen, Geräuschen und Bildern ruft mich die Natur aus mir heraus und führt mich zu mir zurück. Die Bewegung tut ihr Übriges, um in einen körperlichen wie seelischen Ausgleich zu gelangen.
P. Sascha Heinze SAC

Kleine Ruheinseln im Alltag
Es gehört selbstverständlich zu meinem Alltag, immer wieder kurze Zeiten der Ruhe einfließen zu lassen, um anschließend wieder intensiv weiterarbeiten zu können. Dafür gibt es viele Möglichkeiten: kurze Gebetszeiten, die für ein gelingendes geistliches Leben unerlässlich sind – ora et labora –, ein Blick durch das Bürofenster, ein paar Minuten an der frischen Luft oder eine Runde durch den Park. Einfach sehen und hören, was alles an mein Ohr dringt. All das genügt mir, um Kraft für die Weiterarbeit zu schöpfen.
Und wenn ich richtig ausspannen will, dann nütze ich dafür den Sonntagnachmittag und rauche dabei, immer im Freien, eine gute Zigarre …
P. Alois Mäntele SAC

Kraft liegt im gemeinsamen Unterwegssein
Mein Kraftort ist kein fester Platz, sondern ein Pilgerweg, den ich immer wieder gerne gehe. Im Geistlichen Zentrum Kohlhagen verbinden wir einmal im Jahr die beiden Wallfahrtsorte Dörnschlade bei Wenden und Kohlhagen bei Kirchhundem miteinander. Das sind rund 25 Kilometer Fußweg. Vor einem Jahr haben wir den Weg in der Wallfahrtskirche Kohlhagen begonnen und ihn am Zielort, der Wallfahrtskapelle Dörnschlade, mit einem Gottesdienst beendet. In diesem Jahr werden wir diesen Weg wieder gehen – diesmal umgekehrt: Wir beginnen auf der Dörnschlade und beschließen den Tag in der Wallfahrtskirche Kohlhagen mit der Eucharistiefeier.
Es ist der Weg, es ist das Unterwegssein, das mir Kraft gibt: das Sich-auf-den-Weg-Machen mit Gleichgesinnten, die guten Gespräche auf diesem Weg, das Innehalten zwischendurch, die kleinen Impulse und Gebete, die wir mitten in der Natur hören, und das Singen eines schönen Liedes mitten im Wald.
Und dann wieder das stille Unterwegssein – ganz bewusst in Stille –, damit das Gehörte und die erlebte Natur auch „ankommen“ können. Auch wenn ich am Ende des Weges immer ziemlich k. o. bin, kann ich an einem solchen Pilgertag wirklich auftanken.
P. Siegfried Modenbach SAC

Dankbarkeit als Energiequelle
Positive Energie erhalte ich oft in guten Gesprächen – auch beim Austausch in Online-Gruppen – mit Personen, die eine ähnliche Ausrichtung in ihrem Lebenskonzept haben und zu denen bereits ein Grundvertrauen entstehen konnte. Ebenso ist die Begleitung von Menschen, die authentisch und aufrichtig auf der Suche sind, für mich oftmals eine Energiequelle.
Bei einem guten Buch, vor einem Bild oder beim Verweilen in der Gegenwart der Eucharistie mit einer Haltung des Vertrauens erlebe ich oft, wie eine Kraft spürbar wird, die nicht aus mir selbst kommt, sondern mich bereichert und froh stimmt. Dafür kann ich nur dankbar sein.
Eine Umgebung, die Erinnerungen weckt, spielt für mich ebenfalls eine nicht unbedeutende Rolle: In meinem Zimmer unter dem Dach steht neben dem Schreibtisch eine Zierpalme. Während der drei Jahrzehnte meines Brasilienaufenthaltes verbrachte ich die meisten Jahre in den präamazonischen Wäldern, die voller Naturschönheiten, aber oft auch voller Bedrohungen sind. Dabei gehen meine Gedanken schnell von der Schöpfung zum Schöpfer und Schützer allen Lebens.
Das Holzkreuz eines Südtiroler Schnitzers an der gegenüberliegenden Wand erinnert mich an so manche abenteuerliche Gipfeltour, die meine Geschwister, meine Freunde und ich in den 70er- und 80er-Jahren unternahmen. Für mich ist das eine wertvolle Erfahrung: Dankbarkeit nach oben als Energiequelle!
P. Jak Wasensteiner SAC

Wo Vertrautheit mich aufleben lässt
In meinen Konstanzer Jahren sind mir die Stadt, die Menschen und die Umgebung sehr ans Herz gewachsen. Dort, wo ich aufgewachsen bin, bei meiner Familie, bin ich daheim. Doch in Konstanz bin ich zu Hause. Das spüre ich immer wieder, wenn ich zu Besuch nach Konstanz komme. Alles ist mir noch immer sehr vertraut. Hier lebe ich auf.
P. Reinhold Maise SAC

Hafeneinfahrt in Konstanz am Bodensee

Idee und Umfrage: Dr. Eva Kroll
Bilder: Bernadette Pedote/iStock (Titelbild Pragser Wildsee); James Thew (Sternenhimmel), Michael (Hafeneinfahrt Konstanz), Antonio (Keem bay Achill island) alle über Adobe Stock; P. Alois Mäntele (Johannes-Schlössl Mönchsberg)
Quelle: das zeichen, Thema Kraftorte, Doppelheft 07/08/2026

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