Ihr Leitsatz lautet: Aufgeben ist keine Option

Schwester Simone Hachen ist in sozialen Brennpunkten in Limburg und Weilburg im Einsatz

Sie wuchs in einem problematischen Elternhaus auf, fernab von Glaube und Religion. Dass sie trotzdem zu den Pallottinerinnen fand, verdankt Schwester Simone Hachen den oft unerklärlichen Fügungen, die Gott für die Menschen bereithält. Die diplomierte Sozialpädagogin hat ihr Leben in den Dienst der Menschen gestellt, die von der Gesellschaft an den Rand gedrängt werden.

Heute engagiert sich die Ordensfrau im Auftrag der Caritas bei sozial benachteiligten Familien in Weilburg sowie in der Limburger Nordstadt und sagt: „Ich liebe meine Arbeit, weil ich weiß: Das würde Vinzenz Pallotti genauso machen. Unser Gründer hat uns aufgetragen: die Not sehen, hingehen und handeln.“

Jeder und jede Getaufte ist berufen Apostel zu sein

Simone stammt aus Attendorn, besuchte die Realschule und lernte die pallottinischen Gemeinschaften auf Schulendtagen in Olpe kennen. Der dortige Jugendhof wurde ihr zweites Zuhause. „Ich war 17. Wir haben dort über Pallotti diskutiert, den kannte ich gar nicht“, blickt die 55-Jährige zurück und fügt hinzu: „Die Aussage des römischen Priesters, dass jeder Getaufte berufen ist, Apostel zu sein, hat mich bis heute nicht losgelassen.“ Über die Firmung lernte sie eine Katechetin kennen. „Ihre Familie wurde meine Ersatzfamilie, die mir vermittelt hat, dass ich kein unglücklicher Mensch bin.“ Neugierig sei sie gewesen, berichtet Schwester Simone, die erst mal bei den Franziskanerinnen in Olpe hereinschaute und feststellte, dass das Ordensleben auch für sie ein toller Lebensentwurf sein könnte.

Nach der Schulzeit absolvierte Simone Hachen bei den Franziskanerinnen eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete dann vier Jahre mit schwerstbehinderten Kindern und Jugendlichen in Neuwied. Damit verknüpft stellte sie sich die Frage nach ihrem weiteren Leben und spürte eine Faszination für Gott. 1995 führte ihr Weg zu den Pallottinerinnen. Dort legte sie drei Jahre später ihr erstes Ordensversprechen ab. Es folgten sechs Monate in Südafrika. Nach ihrer Rückkehr studierte sie Sozialpädagogik in Köln und richtete in ihrer Diplomarbeit den Blick auf obdachlose Menschen. Zunächst lebte sie in einer Kommunität in Rheinbach. In jungen Jahren hat sie eine Band geleitet, heute liebt sie das Neue Geistliche Lied.

Aufsuchende Sozialarbeit in den Brennpunkten: „Aufgeben ist keine Option“

In der Limburger Nordstadt und in der Weilburger Kruppstraße geht Schwester Simone mit jeweils einer halben Stelle im Auftrag der Caritas in die Brennpunkte. Die aufsuchende Sozialarbeit einschließlich Beratung, Hausaufgabenhilfe für Kinder und Betreuung der Seniorenkreise ist das segensreiche Wirken, das die Ordensfrau erfüllt. So, wie sie als Jugendliche für sich selbst gelernt hat: „Aufgeben ist keine Option“, so vermittelt es die Pallottinerin mit viel Einfühlungsvermögen und einer gesunden Portion Humor ihren Schützlingen weiter. Simone lacht und erinnert sich: „Mal hatte ich blaue und mal grüne Haare, und einen Tag vor meinem Eintritt ins Kloster hatte ich sie noch einmal rot gefärbt, weil ich dachte, das darf ich dort nicht mehr. Vor 30 Jahren war ich die Jüngste im Kloster und bin es heute immer noch.“

Sie führt ein Leben, wie man es nicht unbedingt von einer Klosterfrau erwartet. Ihr Ordenskleid legt sie nur zu offiziellen Anlässen an. Es wäre auch völlig unpassend, wenn sie bei ihrem Hobby, dem Dartspiel mit den „Rainbow Pandas“, im Habit aufkreuzen würde. Dank ihrer türkischen Freundin in Diez ist sie beim Fastenbrechen der Muslime mit dabei und sagt: „Ich will wissen, wie es bei anderen ist.“

15 Jahre war sie als Rätin in der Leitung der deutschen Pallottinerinnenprovinz tätig, gehört derzeit dem Präsidium der pallottinischen Unio an, der Vereinigung des Katholischen Apostolates, und ist seit einigen Jahren Vorsitzende der Mitarbeitervertretung des Bezirkscaritasverbandes. In der dortigen Imagekampagne „Die Caritas zeigt Gesicht“ lächelt Schwester Simone als Sympathieträgerin von den Plakaten. Sollten sich junge Menschen für den Freiwilligendienst „Mitleben auf Zeit“ interessieren, der ihnen für eine bestimmte Zeit ermöglicht, in einer Ordensgemeinschaft des globalen Südens mitzuarbeiten, ist Schwester Simone Hachen die richtige Ansprechperson.

Bericht und Bilder: Dieter Fluck
Pallottinerinnen: Kontakt

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