Die Grundlagen legten die Pallottiner

Der Lebensweg von Jörg Klärner – vom Jugendleiter in St. Marien zum Caritasdirektor in Hessen

Als kleiner Junge hatte Jörg in seiner Familie im Limburger Wohngebiet „Am Meilenstein“ die Glocken der Pallottinerkirche läuten hören. Dort fühlte er sich zu der von Patres geführten Pfarrei St. Marien hingezogen, war im Kindergarten, besuchte die Goethe-Grundschule und übernahm bereits in jungen Jahren Verantwortung als Kinder- und Jugendleiter. Dabei lernte er, was es bedeutet, sich für andere einzusetzen. Das sollte sein Leben bis heute bestimmen. Im Februar 2018 wurde Jörg Klärner Direktor des Caritasverbandes der Diözese Limburg. Vor einigen Wochen hat er zusätzlich den Vorsitz der Hessen-Caritas übernommen. In dem Zusammenschluss der Verbände Fulda, Limburg und Mainz vertritt der 61-Jährige in mehr als 1.300 Einrichtungen über 30.000 Hauptamtliche sowie nahezu ebenso viele ehrenamtlich Engagierte.

Zunächst als Teilnehmer, später als Betreuer engagiert

Eine steile Karriere, deren erste Schritte Klärner seinen Wegbereitern, den Pallottinerpatres Ferdinand Kerstin und dessen Nachfolger Bernhard Pieler, verdankt, die über drei Jahrzehnte als Priester die Pfarrei St. Marien leiteten. Sein Religionslehrer an der Tilemannschule war Pater Werner Bock. „Mein Vater Manfred hatte in der Klosterdruckerei gearbeitet. Ich bin bei den Pallottinern groß geworden, kannte alle Brüder und das ganze Gelände.“ Pater Alexander Holzbach, Rektor des Limburger Missionshauses, erinnert sich: „Ich habe Jörg und die ganze Clique der Pfarrjugend 1982 als Kaplan von meinem Vorgänger, Pater Hubert Lenz, übernommen. Jörg war 15 Jahre aktiv im Vorstand des Kellerclubs, einem beliebten Treffpunkt in St. Marien. Ein Organisationstalent für Fahrten und Feten.“ Er war Gruppenleiter sowie Mitglied im Pfarrjugendrat und Verwaltungsrat.

Klärner: „Bei Bruder Karl Gerding haben wir in der Schreinerei tagelang Möbel für den Kellerclub gefertigt. Für Schlosserarbeiten gingen wir zu Bruder Alfons Tamm.“ Zunächst als Teilnehmer, später als Betreuer der Osterfreizeiten, denkt der 61-Jährige mit etwas Wehmut an die Kinderfeste der achtziger Jahre zurück: „Das waren riesige Veranstaltungen.“ Er war dabei, wenn es um die Gestaltung der regelmäßigen Jugendgottesdienste in St. Marien ging. Mit Jugendlichen legte er den Teppich für das Fronleichnamsfest. In Gottesdiensten übernahm er viele Jahre den Lektorendienst.

Zusammen geht was: Jörg Klärner
Jörg Klärner mit einer munteren Schülergruppe der Pfarrei St. Marien auf einer Osterfreizeit in den achtziger Jahren.
Die Pallottinerpfarrei St. Marien in Limburg war bekannt für tolle Jugendarbeit
Auf einer Feier zum 25-jährigen Jubiläum des Kellerclubs St. Marien überreichte Vorstandsmitglied Jörg Klärner Pater Walter Maader ein Präsent.

St. Marien war bekannt für tolle Jugendarbeit

Lebhaft erinnert er sich auch an die Kaplanzeit von Werner Meuer und danach an die Zeit mit dem kürzlich verstorbenen Pater Heinz-Willi Rivert. Klärner: „St. Marien war bekannt für tolle pfarrliche und offene Jugendarbeit, wir hatten wöchentliche Gruppenstunden. Unvergesslich sind unsere Clubabende, Feten, Fußballturniere, Theaterwochen und Fahrten. Unter anderem waren wir in Straßburg, Wien und Skandinavien. Vor dem Fall des Eisernen Vorhangs besuchten wir Erfurt und Weimar, trafen uns mit FDJlern, waren 1988 mit Pater Rivert und 30 jungen Leuten in Moskau, 1990 in Leningrad.“ Über die Pfarreiarbeit hinaus betätigte sich Klärner zehn Jahre als Betreuer und Fahrtenleiter für das Kreisjugendamt im In- und Ausland.

Hilfsangebote für Menschen in prekären Lebenssituationen

Nach dem Abitur 1984 an der Limburger Tilemannschule studierte Jörg Klärner Volkswirtschaftslehre in Mainz und schloss das Studium mit dem Diplom ab. Im August 1995 übernahm er seine erste berufliche Stelle beim Diözesancaritasverband, war zuständig für Controlling und Pflegesätze, Abteilungsleiter für Verbands- und Personalentwicklung sowie das Qualitätsmanagement. 2008 wechselte er nach Lünen/Lippe. Vier Jahre war er dort Geschäftsführer und Vorstandsmitglied im Caritasverband, danach seit August 2011 als Geschäftsführer in der St.-Raphael-Caritas Alten- und Behindertenhilfe in Mayen/Eifel für 1.400 Beschäftigte zuständig. Auch heute haben ihn die Pallottiner nicht ganz losgelassen, in deren Nachbarschaft in Vallendar er mit seiner Frau zu Hause ist.

Nach seiner Rückkehr schloss sich für Klärner im Februar 2018 in Limburg der Kreis mit der Übernahme der Caritas-Direktorenstelle in der Diözese und als Mitglied des Vorstands. Mit seiner Führungs- und Leitungserfahrung nimmt er Menschen in prekären Lebenssituationen in den Blick. Ihnen mit den Diensten der Caritas Hilfsangebote zu machen und in Verhandlungen mit staatlichen Stellen die Voraussetzungen zu schaffen, gehört heute zu seinen Hauptaufgaben.

Die Caritas-Jahreskampagne steht in diesem Jahr unter dem Leitwort „Zusammen geht was. Caritas verbindet Generationen“. Der größte Wohlfahrtsverband in der katholischen Kirche hat sich zur Aufgabe gemacht, in Dialogen und Begegnungen die gegenseitige Wahrnehmung und Verantwortung zwischen den Generationen zu fördern.

Beitrag & Foto: Dieter Fluck
Jugendfotos: privat

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