Erntedank ist aktueller denn je
Nach einem heißen Sommer erinnern die Pallottiner in Limburg an Dankbarkeit und Eigenverantwortung
Viele Menschen feiern in diesen Tagen das Erntedankfest. Vor den Altären der Kirchen sind Früchte des Feldes und Erzeugnisse aus heimischen Gärten dekorativ aufgestellt. Christen danken Gott, weil sie an einen Schöpfer glauben, der sie ernährt. Gerade nach einem heißen Sommer mit Wasserknappheit und Ernteeinbußen wird deutlich, dass es nicht selbstverständlich ist, Jahr für Jahr genügend zum Leben zu haben.
Darauf wies Pater Alexander Holzbach auch in seiner Predigt anlässlich des 800. Todestages des heiligen Franz von Assisi in der Limburger Pallottinerkirche St. Marien hin. Zugleich beklagte er, dass hierzulande jährlich Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll landen. Der Rektor des Missionshauses mahnte angesichts des Klimawandels zu mehr Sensibilität für die Bewahrung der Schöpfung. Kaum jemand könne verstehen, warum Menschen hungern, obwohl die Erde alle ernähren könnte.
„Dankbar zu sein für das, was wir haben, fällt vielen Menschen im Moment nicht leicht“, räumte der Seelsorger ein. Laut einer Umfrage in Deutschland stehe die Angst vor dem Absinken des Lebensstandards an erster Stelle. Doch gerade in schwierigen Zeiten, in denen viele Menschen nörgeln und mit den politischen Verhältnissen unzufrieden sind, gelte es, „dankbar für unser Leben und für das zu sein, was wir zur Ernährung haben“. Jeder sollte sich fragen, was er in seinem eigenen Umfeld für die Erhaltung der Schöpfung tun könne, zum Beispiel beim eigenen Wasserverbrauch.
Eine lange Tradition im Missionshaus

Die Tradition des Erntedanks ist in den christlichen Kirchen seit dem dritten Jahrhundert überliefert. Daneben gibt es eine breite Palette weltlicher Feste und Riten.
Die Zeiten, in denen die Mitbrüder des Limburger Missionshauses im Garten und in der Landwirtschaft alles Erdenkliche anbauten und ernteten, sind seit 30 Jahren Geschichte. Daran können sich nur noch wenige Bewohner des Missionshauses erinnern.
Auch in diesem Jahr hatte Küsterin Monika Leidel dem alten Brauch folgend Feld- und Gartenfrüchte eingekauft. Die Geistlichen segneten das farbenfrohe Arrangement mit Erzeugnissen aus regionalem Anbau. Später werden die Lebensmittel in der Pallottinerküche verarbeitet.
Was wir säen, werden wir ernten
Im Impulsgottesdienst wiesen das gestaltende Team und Kaplan Sagar Mennekanti darauf hin, dass es ohne Samen keine Ernte geben kann. Das Wachstum in der Natur lasse sich auch auf das menschliche Miteinander übertragen: Auch eine Gemeinschaft könne wachsen und reifen.
„Wenn wir Respekt, Empathie und gegenseitige Unterstützung säen, wachsen daraus vertrauensvolle Beziehungen und ein harmonisches Miteinander. Säen wir hingegen Misstrauen, Hass oder Ignoranz, ernten wir Distanz und Konflikte“, vermittelte das Impulsteam den Gläubigen in der gut besuchten Pallottinerkirche.
Eine gute Ernte, auf dem Feld ebenso wie im menschlichen Miteinander, brauche Zeit, Geduld und Pflege. Werde das Ziel erreicht, dürfe auch dies als Erntedank gefeiert werden.
Erntedank heißt auch teilen
Das Anliegen des Erntens und Teilens wurde mit einer Sammelstelle für Lebensmittel im Vorraum der Pallottinerkirche praktisch umgesetzt. Der Ortsausschuss der Pfarrei „Heilige Katharina Kasper Limburger Land“ brachte die in einem Korb gesammelten Sachspenden zu „Unser Lädchen“ des Limburger Förderkreises Obdachlosenhilfe, das bedürftige Menschen versorgt.

Beitrag und Fotos: Dieter Fluck
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