Gesprächsabend mit Bischof Overbeck

Im Bistum Essen wird Zen als Gebetsform praktiziert

„Du kannst das! Sitze. Atme. Lass die Gedanken kommen“, rät Pallottinerpater Paul Rheinbay den Teilnehmern seiner Einführungskurse in die Methoden der buddhistischen Zen-Kontemplation.

Darüber, wie christliche und fernöstliche Traditionen einander inspirieren können, kam Pater Rheinbay am Dienstagabend, 18. Dezember, mit Bischof Franz-Josef Overbeck und Domkapitular Michael Dörnemann im Medienforum des Bistums Essen ins Gespräch. Ihr gemeinsames Fazit: Zen als überreligiöse Methode der Versenkung kann Menschen, die Stille suchen und Gott finden wollen, intensive Glaubenserfahrungen ermöglichen.

Zen als Gebetsform für Christen

Im Bistum Essen wird seit 1973 Zen als Gebetsform praktiziert. Wer sich darauf einlässt, übt über lange Zeit geduldig, in der Stille zu sitzen, auf den Atem zu achten und die Aufmerksamkeit nach innen zu richten. „Zen ist keine Religion, sondern Selbststudium zu meiner Vollendung“, so die Erkenntnis von Pater Johannes Kopp, der das Zen-Programm „Leben aus der Mitte“ mit Unterstützung des ersten Essener Bischofs Franz Hengsbach aufgebaut hatte. Zuvor hatte der 2016 verstorbene Pater Kopp eine Begegnung mit dem Jesuitenpater und Zen-Pionier in Deutschland, Pater Hugo Lasalle, als schicksalhaften Moment erlebt: „Was er ausstrahlt, das will ich auch.“

Sinnangebots-Hopping?

Pater Rheinbay hat die Leitung des Programms „Leben aus der Mitte“ 2014 übernommen und sagte den 120 Zuhörern im überfüllten Medienforum, schnelle Erfolgserlebnisse seien auf dem Zen-Weg zwar nicht zu erreichen, aber dennoch: „Verzichten Sie auf ein ‚Sinnangebots-Hopping‘. Wenn Sie einen Weg gefunden haben, der passen könnte, lohnt es sich, geduldig dabei zu bleiben und zu üben.“

Keine Halleluja-Übung!

Diese Erfahrung hat auch Bischof Franz-Josef Overbeck auf seinem persönlichen Glaubensweg gemacht: „Sitzen und schweigen ist keine Halleluja-Übung. Sie ist oft ganz trocken und erfordert viel Geduld.“ Dem Bischof helfen deshalb auch Yoga-Übungen als Vorbereitung auf die tägliche Schweigezeit.

Menschen mit Meditationserfahrung

Westeuropäische Yoga-Schulen bieten hierzulande inzwischen an jeder Ecke Kurse in „Yoga und Meditation“ für Menschen an, die nicht unbedingt auf einem religiösen Weg sind, aber die Yoga-Mediation als Kraftquelle für sich nutzen wollen. „Die Methoden schließen einander nicht aus“, sagt Pater Rheinbay dazu, „zu uns kommen oft Menschen mit Meditationserfahrung, die aber mehr schweigen wollen, als Yoga ihnen bietet.“ Overbeck sagt dazu: „Es ist eine Frage der persönlichen Haltung: Ich bin ein Gott suchender Mensch und suche Wege, die mich dorthin führen.“

Sonntagsmesse hält Katholiken zusammen

Warum aber reichen den Menschen die altbewährten katholischen Praktiken und Andachten dafür nicht mehr, fragte Vera Steinkamp, Moderatorin und Leiterin des Medienforums. Ewige Anbetung, Schriftmeditation oder Rosenkranzandachten – einfach aus der Mode gekommen? „Das ist nicht schlimm“, findet Bischof Overbeck. Die Formen der Annäherung an Gott änderten sich, seien heute vielfältiger und auch religionsübergreifender. Aber, so Overbeck: „Geht sonntags in die Messe, denn das hält uns Katholiken zusammen, egal, was ihr während der Woche tut.“

Wir brauchen unterschiedliche Zugänge zum Glauben

Für Michael Dörnemann, Pastoral-Dezernent des Bistums Essen, sind die Schweige-Übungen des Zen-Wegs auch für andere Gruppen in der Kirche interessant: „Wir brauchen heute ganz verschiedene Zugänge zum Glauben: Den festen Ort der Pfarrgemeinde, die für viele Ältere der wichtigste Kirchort ist, aber auch Jugendkirchen, Taizé-Gruppen, Citypastoral, Straßenexerzitien, den neuen Essener Pilgerweg und eben Gebetsformen wie den Zen, der kleinen, vertrauten Gruppen großartige Impulse für Glaubensgespräche geben kann.“

Ein Gespür für Gott in mir entwickeln

Das lange Schweigen, das im ersten Eindruck Markenzeichen des Zen zu sein scheint, sei allerdings kein Selbstzweck, erklärt Pater Rheinbay. Das Schweigen sei dafür geeignet, dass ein Mensch erst sich persönlich wahrnehme und dann ein Gespür für Gott in sich selbst entwickle. „Aber natürlich muss man nach vier Tagen des Schweigens auch wieder zum Sprechen kommen, was oft schwer fällt – das ist die Schwäche des Programms“, sagt Pater Rheinbay.

Für alle, die sich auf einen spirituellen Weg begeben, hält Bischof Overbeck den Rat bereit, sich nicht allein mit sich selbst in eine esoterische Ecke zu begeben: „Hauptsache, man bleibt normal dabei und im Kontakt zu anderen Menschen.“

Johannes Kopp: Gebet als Selbstgespräch. Gebet und Koan als Beziehung zu Gott in mir. Pallotti Verlag, Friedberg 2016, ISBN 978-3-87614-028-5.

Quelle: Internetseite des Bistum Essen www.bistum-essen.de
Text: Cordula Sprangenberg, Bistum Essen
Bilder: Oliver Müller, Bistum Essen

Gesprächsabend im Medienforum
Prof. Pater Paul Rheinbay SAC
Bischof Franz-Josef Overbeck

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