Pater Heinz Goldkuhle ist gerne bei den Menschen

Erst Front Office Manager im Parkhotel, dann Seelsorger am größten deutschen Verkehrsflughafen

Er ist Gastwirtssohn, hat Hotelkaufmann gelernt und war Geschäftsführer einer Gaststättengesellschaft. Später fühlte er sich zum Priester berufen, arbeitete als Seelsorger am Frankfurter Flughafen und hat die ganze Welt bereist. Pallottinerpater Heinz-Georg Goldkuhle blickt heute im Limburger Missionshaus der Pallottiner auf ein bewegtes Leben zurück. Hier übernimmt er Aushilfen für seine Mitbrüder, betreibt Familienforschung und befasst sich mit Fotografie.

Familienbande – Kirche spielte eine Rolle

Die Wiege des heute 75-Jährigen stand in Vallendar, in jenem Haus, das sein Großvater mütterlicherseits 1908 erbaut hatte und in dem dieser die renommierte Gastwirtschaft „Herzog von Nassau“ führte. Eduard Goldkuhle, der Großvater väterlicherseits, war ein bedeutender Kirchenmaler der Wiedenbrücker Schule. Er kam 1934 gemeinsam mit seinem Sohn Josef, dem Vater des späteren Priesters, zur Ausmalung der Pfarrkirche nach Vallendar. Als Josef sich nach Krieg und Gefangenschaft außerstande sah, die Familientradition als Kirchenmaler fortzusetzen, übernahm er die Gastwirtschaft, in der Sohn Heinz geprägt wurde.

Kirche spielte in der katholischen Familie eine große Rolle. Da war es für Heinz Goldkuhle selbstverständlich, Messdiener zu werden. „Wir Buben mussten nach der alten Liturgie vor dem Konzil noch lateinisch beten. Wer es am besten konnte, bekam eine Tafel Schokolade“, erinnert er sich. Anfang der sechziger Jahre kam er als Junge in Vallendar zum ersten Mal an die Theologische Hochschule. „Dort wurde das Theaterstück ‚Das heilige Experiment‘ aufgeführt“, erzählt er. Fußball, Tischtennis und eine Band, die in der Pfarrkirche spielte, führten zu Kontakten zwischen Messdienern und Studenten.

Geprägt von der Gastronomie im Elternhaus führte sein Weg allerdings zunächst in die Handelsschule und zu seiner Lehrstelle als Hotelkaufmann im angesehenen „Berghotel Rittersturz“ im Koblenzer Stadtwald. Danach wurde er Front Office Manager, also Chef der Rezeption, im Parkhotel Idar-Oberstein. Später übernahm er die Geschäftsführung der Gaststätten GmbH.

Umdenken – „kathogelische“ Pastoral

Ein schwerer Unfall seines Vaters veranlasste Heinz Goldkuhle zur Rückkehr ins Elternhaus. „Da habe ich überlegt, ob die Gastronomie mein weiterer Lebensweg sein soll“, berichtet Pater Goldkuhle. Er holte das Abitur im Seminar für Spätberufene in Bad Driburg nach und frischte im letzten Jahr vor dem Abitur seinen Kontakt zu den Pallottinern auf. Er entschloss sich zum Noviziat und absolvierte das Theologiestudium an der Hochschule in Vallendar. „Hier reifte meine Entscheidung, Priester zu werden“, blickt Goldkuhle zurück. 1985 wurde er zum Priester geweiht.

Nach vierjähriger Tätigkeit als Kaplan in Mülheim an der Ruhr war er sieben Jahre als Dekanatsjugendseelsorger in Olpe tätig. „Als die Pallottiner 1997 in Dortmund von den Franziskanern das Katholische Forum übernahmen – eine Initiative für Menschen auf der Suche –, kam das meiner ökumenischen Arbeit entgegen“, sagt Pater Goldkuhle, der seine pastorale Einstellung gerne als „kathogelisch“ beschreibt. Im Mittelpunkt standen existenzielle Themen. Zehn Jahre war er dort Rektor einer neuen Niederlassung und feierte Gottesdienste mit bis zu 450 Teilnehmern.

2008 führte der Weg des Paters zurück nach Vallendar, wo er Seelsorger in dem Altenheim wurde, in dem seine Eltern wohnten. Von 2009 bis 2011 war Goldkuhle Hausrektor im Provinzialat in Friedberg bei Augsburg.

Ein besonderes Erlebnis hatte er im Folgejahr. Als der Seelsorger in einem Hamburger Altenheim tätig war, führte sein Weg in den Mariendom. Dort wurden gerade die Gemälde seines Großvaters Eduard aus dem Jahr 1922 freigelegt. Sogar eine eigene Ausstellung über Eduard Goldkuhle und die Wiedenbrücker Schule war organisiert worden. In diesem Zusammenhang bedauerte der Malersohn, dass die Arbeiten seines Vaters Josef in Vallendar übertüncht und nie wieder freigelegt wurden.

Pater Heinz Goldkuhle SAC
Dem Bildnis, das sein Vater Josef 1992 im Ikonenstil vom Ordensgründer Vinzenz Pallotti für den Jugendhof in Olpe malte, begegnet Pater Heinz Goldkuhle täglich im Limburger Missionshaus. Das Original wird heute im Provinzialat der Pallottiner in Friedberg bei Augsburg aufbewahrt.
Pater Heinz Goldkuhle SAC bei einer Papstaudienz bei Papst Franziskus

Flughafenseelsorger – in Limburg gelandet

Nachdem Pater Goldkuhle ein Dutzend Mal als Besucher in Südafrika gewesen war, hatte er sich auf eine Missionsstelle in Kapstadt beworben. Stattdessen wurde er Flughafenseelsorger in Frankfurt, begleitete dort acht Jahre lang Menschen, die Beistand suchten, und reiste selbst um die ganze Welt. Bevor er Ende 2025 in Limburg landete, hatte der Vielgereiste als Kooperator die Arbeit in der Pfarrei St. Margareta in Frankfurt unterstützt. In Limburg darf er sich nun mehr als Ruheständler fühlen.

Bericht und Bilder/Repros: Dieter Fluck

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