
Demokratie braucht Menschen, die Haltung zeigen
Beim Demokratie[resilienz]tag in Haus Wasserburg entwickelten Bildungsakteure Ideen für eine starke demokratische Kultur
Wie lässt sich Demokratie stärken, wenn autoritäre Positionen an Einfluss gewinnen und gesellschaftliche Debatten schärfer werden? Mehr als 30 Teilnehmende aus Bildung und Zivilgesellschaft suchten beim Demokratie[resilienz]tag am 24. September 2026 in Haus Wasserburg nach konkreten Antworten. Im Mittelpunkt standen Erfahrungen aus der politischen Bildungsarbeit, praxiserprobte Methoden und die Frage, welche Haltung Bildungseinrichtungen einnehmen können und müssen.
„Politische Bildung ist für uns ein kontinuierlicher Prozess, der auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren muss“, erklärte Mathias Birsens, Referent für politische Bildung, die Motivation für den Fachtag.
Demokratiearbeit unter schwierigen Bedingungen
Zum Auftakt berichtete Dr. Mathias Piwko aus Ostritz in Ostsachsen von den Herausforderungen politischer Bildungsarbeit angesichts erstarkender autoritärer Kräfte. „Die AfD ist bei uns in der Fläche angekommen“, sagte der Leiter des Dialogforums Demokratie im Internationalen Begegnungszentrum St. Marienthal. Permanente Kampagnen versetzten die Gesellschaft in einen „Dauerstress“.
Im Zentrum seines Vortrags standen jedoch nicht die Probleme, sondern mögliche Antworten. Piwko stellte „Strategiebausteine“ aus der politischen Bildungsarbeit vor: ein Fest der Vielfalt, einen Escape Room zum Thema Extremismus mit vier verschiedenen Erzählsträngen sowie barrierefreie Diskussionen im Vorfeld der Landtagswahl.
Neben einzelnen Projekten rückte er grundlegende Methoden und Kompetenzen in den Blick, die unabhängig von den jeweiligen Bedingungen wichtig bleiben. „Mir ist klar geworden, wie wichtig Diskursfähigkeit ist“, fasste eine pädagogische Referentin eine Erkenntnis des Vortrags zusammen.
Methoden für die pädagogische Praxis
Wie sich solche Ansätze im Alltag umsetzen lassen, erprobten die Teilnehmenden anschließend in zwei parallelen Workshops.
Zwei Mitarbeitende der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus, Regionalstelle Nord, zeigten anhand konkreter Beispiele, unter anderem aus dem Schulalltag, worauf es bei der Reaktion auf rechtsextreme Vorfälle ankommt.
Parallel stellte Ines Breitsameter von 10drei e. V. kreative Bildungsformate vor, mit denen Kinder und Jugendliche das Grundgesetz kennenlernen und praktisch erfahren können. Einige der Methoden konnten die Teilnehmenden unmittelbar selbst ausprobieren.






Wie neutral muss Schule sein?
Am Nachmittag rückte eine grundsätzliche Frage in den Mittelpunkt: „Wie neutral muss Schule sein?“ Michael Jansen stellte dazu den von ihm initiierten „Siegburger Konsens“ vor. Das 2026 öffentlich vorgestellte Dokument ergänzt den vor 50 Jahren verabschiedeten „Beutelsbacher Konsens“ um den Grundsatz, gegenüber verfassungsfeindlichen Positionen nicht neutral zu bleiben.
Daran schloss sich eine lebhafte Diskussion an: Lässt sich dieser Ansatz auch auf andere Institutionen und zivilgesellschaftliche Organisationen übertragen? Ein Teilnehmer brachte die Debatte auf den Punkt: „Es ist wichtig, dass die schweigende Mehrheit laut wird.“
Aus Austausch werden konkrete Pläne
Zum Abschluss ging der Blick nach vorn. Die Teilnehmenden tauschten Ideen aus, knüpften Kontakte und schmiedeten erste Pläne, beispielsweise für Demokratietage an Schulen.
Neben den konkreten Anregungen blieb vor allem das Gefühl, mit den Herausforderungen nicht allein zu sein. „Solche Fachtage sind total wichtig und es ist empowernd und gut zu merken: Ich bin nicht allein“, fasste eine Teilnehmerin die Stimmung am Ende des Tages zusammen.
Der Demokratie[resilienz]tag war Teil der Reihe „Was macht Demokratie resilient? Impulse und Perspektiven für Bildungsarbeit und Gesellschaft“. Die Arbeitsgemeinschaft katholisch-sozialer Bildungswerke e. V. (AKSB) ist anerkannter Träger der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb). Haus Wasserburg ist Mitglied der AKSB.
Quelle und Fotos: Mathias Birsens, Haus Wasserburg
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