das zeichen Mai 2026: Maria

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Keine einsamen Entscheidungen

Wie wir vom Vertrauen Marias lernen können, gute Entscheidungen zu treffen und daran festzuhalten.

Es vergeht bei Ihnen gewiss kein Tag, an dem Sie eine oder mehrere Entscheidungen zu treffen haben – und wenn es am Morgen die Frage ist: Was ziehe ich an? Wie gestalte ich meinen Tag? Jeder von uns hat auch große Entscheidungen, Lebensentscheidungen zu treffen. Gehen oder bleiben? Ja oder Nein? Das fängt bei der Berufswahl an, geht über die Frage nach dem Menschen, mit dem ich mein Leben teilen will, bis hin dazu, wo ich meine Kraft und meine Fähigkeiten in Kirche und Gesellschaft einsetzen will. Wir treffen Entscheidungen spontan, mit dem Herzen, andere Entscheidungen müssen wohl abgewogen werden mit ihrem Für und Wider. Und manchmal haben wir gar keine andere Wahl.

Kühn scheint es da auf den ersten Blick, ausgerechnet Maria, die Mutter Jesu, als ein Vorbild zu sehen, wie wir selbst mutige Entscheidungen treffen können. Denn – hatte sie eine andere Wahl, als nach der Erzählung im Lukasevangelium (Lk 1, 26-38)  der Engel Gabriel bei ihr eintrat und ihr verkündete, dass sie  bei Gott „Gnade gefunden“ habe und einen „Sohn gebären werde, dem sie den Namen Jesus geben solle? Groß werde er sein und Sohn des Höchsten genannt. Er werde über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen, und seine Herrschaft werde kein Ende haben. Eine solche Ankündigung, noch dazu von Gott selbst durch seinen Engel ausgesprochen, ließ Maria natürlich erschrecken. Wer kennt nicht dieses erste Erschrecken, wenn etwas an uns heran getragen wird – eine neue Aufgabe, eine Herausforderung, etwas, was mein Leben verändern, womöglich auf den Kopf stellen wird? Wir kennen von Maria die Antwort, die sie dem Engel gegeben hat: „Siehe, ich bin die Magd des Herrn, mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Eine Antwort, die verstanden werden könnte als ein sofortiges, bedingungsloses Ja. Aber war es das?

Bemerkenswert ist, dass Maria zuvor mit dem Engel in einen Dialog getreten ist; dass sie gefragt hat: „Wie soll das geschehen?“ Und dass sie dann ihr Ja im Vertrauen auf Gott, auf die „Kraft des Höchsten“ ausgesprochen hat. Was heißt das für unsere Entscheidungen? Hilfreich kann es sein, diese im Gebet vor Gott/vor Jesus Christus zu bringen, Ihn mit einzubeziehen in die Entscheidungsfindung, Ihn um Klärung zu bitten, in diesem Dialog das Für und Wider abzuklären und dann auf das eigene Herz und die leise Stimme des Herrn zu hören.

Diese Klärung braucht manchmal Zeit.  Der heilige Ignatius von Loyola bringt bei Entscheidungsprozessen als Kriterien mit ein: Was hinterlässt die Entscheidung für oder gegen etwas in mir? Ein Gefühl des Unbehagens, der Angst, der Verwirrung – oder ein Gefühl des „Trostes“, der Freude? Marias so klare Zustimmung, gegeben mit den Worten „Mir geschehe, wie du es gesagt hast“, zeugt von ihrer Freude und ihrem Vertrauen darauf, dass, wenn dieser Anruf von Gott selber kommt, sie sich diesem auch stellen kann.

Im Laufe des Lebens wird es immer wieder vorkommen, dass Entscheidungen hinterfragt werden – vor allem, wenn es zu Schwierigkeiten kommt. War es richtig, dass ich mich so entschieden habe? Hätte ich nicht doch den anderen Weg gehen sollen? Sehen wir die Umstände der Geburt Jesu in so ärmlicher Umgebung, von der auch Lukas berichtet, wäre es kein Wunder, wenn Maria ins Zweifeln gekommen wäre. So soll der „Sohn des Höchsten“ geboren werden? Stimmte die Verheißung?

Was half ihr, der Verheißung zu trauen, trotz alledem? Da war die Bestärkung durch die anderen, die Hirten. Wir können daraus herauslesen, dass es bei Entscheidungen und bei unserem Festhalten darin darauf ankommt, sie nicht einsam zu treffen, sondern Menschen zu Rate zu ziehen, von denen wir ein gutes Urteilsvermögen erwarten. Ein Hinweis darauf, dass eine Entscheidung womöglich unbedacht getroffen wird, könnte sein, wenn wir uns nicht trauen, anderen davon zu erzählen, versuchen, es geheim zu halten. In der Geburtsgeschichte von Jesus heißt es von Maria so schön: „Maria aber bewahrte alle diese Worte und erwog sie in ihrem Herzen.“ Dieses im Herzen Erwägen, es hin und her wenden, im Dialog mit Gott, aber auch mit anderen Menschen, kann helfen, zu seinen Entscheidungen zu stehen und sie auch dann, wenn der Weg unklar wird, durchzutragen.

Noch etwas können wir von Maria für unsere Entscheidungen lernen: In der Erzählung von Jesu erstem großen Wunder, der Wandlung von Wasser zu Wein bei der Hochzeit von Kana im Johannesevangelium  (Joh 2, 1-11), begegnet uns Maria in einer großen Entschiedenheit. Sie ist sich gewiss, dass Jesus die Macht hätte, zu wirken, als der Wein ausgegangen war. Sie spricht Jesus auch klar darauf an – nur mit der Aussage: „Sie haben keinen Wein mehr“. Das ist nicht einfach eine Feststellung, sondern ein Appell an Jesus, für den sie zunächst von ihm sogar eine Zurechtweisung in Kauf nehmen muss. Diese Entschiedenheit, im rechten Moment das Rechte zu sagen, ja sogar gegenüber Jesus beharrlich zu bleiben, auch das können wir von Maria lernen, wenn es darum gehen soll, entschieden für das einzutreten, wozu wir einmal unser Ja gesagt haben.

Gerlinde Knoller

Bild: mapodile/iStock

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