Im Gedenken

Pater Franz Kratzel SAC

Am 25. August 2026 verstarb in den späten Abendstunden im Haus St. Vinzenz Pallotti in Immenstaad am Bodensee unser Mitbruder Pater Franz Kratzel SAC. Er wurde 90 Jahre alt, war 67 Jahre Pallottiner und 63 Jahre Priester.

Franz Kratzel wird am 14. Juni 1936 in Schwarzwasser (Sudentenland) als jüngster von drei Söhnen des Landwirts Franz sen. und seiner Gattin Wilhelmine, geborene Altmann, geboren. Hier wird er vier Tage später in der Pfarrkirche getauft. Seit seinem sechsten Lebensjahr besucht er die ersten drei Klassen der Volksschule, bis die Familie im Mai 1946 ausgewiesen wird. Die Familie gelangt über das Auffanglager „Muna“ in Niklasdorf schließlich mit einem Flüchtlingszug nach Sinsheim in Baden, wo die Familie in Elsenz eine neue Heimat findet. Franz besucht hier die Volksschule ab der 4. Klasse. Angeregt durch seinen älteren Bruder Berthold, der als Schüler das Gymnasium St. Paulusheim der Pallottiner in Bruchsal besucht, wächst in ihm selbst der Wunsch, einmal Priester und Ordensmann zu werden. Er ersucht um Aufnahme in das St. Paulusheim, das er ab 1948 besucht. Dort legt er im März 1957 die Reifeprüfung ab. Schon kurz zuvor bittet er in das Noviziat der Pallottiner eintreten zu dürfen, wie es zuvor schon sein Bruder getan hat. Die Mitbrüder, die ihn als Schüler kennen, stellen ein gutes Zeugnis aus und bescheinigen ihm, ein ruhiger, ausgeglichener und verantwortungsbewusster Mensch zu sein. So wird er einstimmig zum Noviziat in Untermerzbach zugelassen. Hier beginnt er auch mit dem Studium an der Philosophischen Hochschule der Gemeinschaft und legt am 1. Mai 1959 vor P. Provinzial Sittenauer die erste Profess ab. Als einer der beiden Profess-Zeugen unterzeichnet fr. Werner Weicht die Profess-Urkunde, der vor wenigen Tagen Franz Kratzel auf dem Hersberg in die Ewigkeit vorausgegangen ist.

Von Mai 1960 bis März 1964 studiert Franz Kratzel in Vallendar an der Hochschule der Gemeinschaft Theologie. Am 1. Mai 1962 legt er in Hofstetten die ewige Profess ab. In Vallendar empfängt er im März 1963 die Diakonenweihe und am 14. Juli 1963 in der Kirche Heilig Geist in Augsburg-Hochzoll durch Weihbischof Josef Zimmermann die Priesterweihe. Es folgen das Pastoraljahr an unserem Pastoraltheologischen Institut in Friedberg und Seelsorgedienste in Kleinheubach am Main und in Mering bei Augsburg. 1965 ernennt ihn der Provinzial zum Spiritual am St. Paulusheim in Bruchsal. Diese Aufgabe versieht er bis Sommer 1969. Er wechselt dann als Religionslehrer nach Bayreuth an das Richard-Wagner-Gymnasium. Zugleich wird er dort zum Stadtkaplan in der im gleichen Jahr neuerrichteten Pfarrei Hl. Geist berufen. Hier begleitet er in einer Diasporasituation zusammen mit Pfarrer P. Josef Spieler SAC neben der Planung und Errichtung einer Kirche mit Pfarrzentrum vor allem den Aufbau des Gemeindelebens. Die kleine Hausgemeinschaft in einer Mietwohnung wird noch durch die Pallottinerpatres Albert Doits und später Rudolf Glaser als Krankenhausseelsorger ergänzt. Die Gottesdienste finden in den Anfangsjahren im Rokokosaal des Ordensschlosses Sankt Georgen (der zur JVA gehörte) statt. Erst 1973 konnte mit dem Kirchbau an der Hugenottenstraße begonnen und 1974 das neue Pfarrhaus bezogen werden. Schließlich erfolgt 1975 die Einweihung der Kirche.

Vor allem den Dienst in der Schule versieht P. Kratzel mit großem Eifer und kreativer Freude bis 1982. Anschließend wirkt er fast zwanzig Jahre als Pfarrer für den Bundesgrenzschutz im Präsidium Süd. Von dieser Zeit hat er später oft mit strahlenden Augen erzählt. In all den Jahren war ihm das ökumenische Leben ein besonderes Anliegen, wie auch herzliche Freundschafsbande mit den evangelischen Seelsorgern zeigen, die auch seine Dienstzeit überdauern.

Mit dem 1. Februar 2002 übernimmt er als „hauptamtlicher Pfarradministrator“ die Pfarreien St. Johannes Baptist Althegnenberg, St. Andreas Hörbach und St. Peter und Paul Hochdorf. Das kommt seinem Wunsch entgegen, in der ordentlichen Seelsorge bei den Menschen zu sein und mit ihnen in unterschiedlichen Dörfern Gemeinschaftsleben zu gestalten. Der damalige Provinzial P. Scharler würdigt ihn in einem Brief: „Als echter Pallottiner hast Du die Seelsorge den Menschen auf Augenhöhe nahegebracht“. Mit dem Eintritt in den Ruhestand als Pfarrer wechselt P. Franz Kratzel in die Seniorenstation im Haus St. Vinzenz Pallotti in Immenstaad am Bodensee. Hier ist er für einige Jahre das Bindeglied zwischen den Mitbrüdern auf der Seniorenstation und denen, die im Haus St. Josef in Schloss Hersberg leben. Von 2023 – 2026 ist er daher beratendes Mitglied des Hausrats.

Mit Pater Kratzel verlieren wir einen Mitbruder, der mit ganzem Herzen Seelsorger war. Vielen Menschen aus früheren Wirkungsstätten ist er bis zum Schluss verbunden geblieben. Das gilt auch für seinen Kontakt zu den sudentendeutschen Landsleuten, den er ebenso pflegte wie sein verstorbener Bruder Berthold. Seine letzte Lebensphase war mit einem deutlichen Nachlassen der Kräfte verbunden. Zu seinem 90. Geburtstag vor wenigen Wochen haben sich viele Gratulanten eingefunden oder ihm geschrieben.

Der Herr schenke ihm nun die ewige Ruhe und lasse ihn teilhaben an Seinem Leben.

Wir feiern die Eucharistie im Gedenken an Pater Franz Kratzel SAC am Mittwoch, 02. September um 10 Uhr in der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg, Herrgottsruhstr. 29. Anschließend findet die Beisetzung auf unserem Friedhof statt. Priester, die konzelebrieren wollen, werden gebeten, Schultertuch, Albe und Stola mitzubringen.

Herzlich sind Sie zum Mittagessen im Provinzialat eingeladen. Melden Sie sich bitte bis zum 31. August 2026 unter sekprovinzial@pallottiner.org an oder am Empfang unter der Telefonnummer 0821/60052-99.

Anstelle zugedachter Kranzspenden erbitten wir im Sinne des Verstorbenen eine Spende für die missionarischen Aufgaben unserer Gemeinschaft (Pallottiner KdöR, Stichwort „Mission“, Pax-Bank für Kirche und Caritas eG, IBAN DE41 3706 0193 1053 3930 00). Vielen Dank.

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