Im Gedenken

Pater Bernhard Pieler SAC

Am frühen Sonntagnachmittag, dem 21. Juni 2026 verstarb im Missionshaus Limburg überraschend unser Mitbruder P. Bernhard Pieler SAC. Er wurde 96 Jahre alt, war 72 Jahre Pallottiner und fast 68 Jahre Priester.

Am 17. April 1930 wurde Bernhard Pieler als erstes Kind des Stadtobersekretärs Franz Pieler und seiner Ehefrau Luzia, geborene Tropper, in Hindenburg, Diözese Breslau, Oberschlesien geboren. Am 21. April 1930 wurde er getauft und im Oktober 1941 gefirmt.

Die Volksschule und die Oberrealschule besuchte er 1937 bis 1945 in Hindenburg. Seine Heimat wurde im Januar 1945 Kampfgebiet und so wurde seine Mutter, er selbst und seine sieben Jahre jüngere Schwester nach Freiberg in Sachsen evakuiert. Mit dem vorletzten Evakuierungszug konnten sie abreisen. Der Vater blieb zurück und starb noch im selben Jahr in einem russischen Internierungslager. Die Familie ging 1946 nach Schkeuditz. Dort arbeitete Bernhard als Maurer und wollte in die Lehre als Chemiker. Der Ortspfarrer erkennt aber den Herzenswunsch, Priester und Missionar zu werden und bringt ihn in Kontakt zu den Pallottinern. Allein ging er über die Zonengrenze und kam am 15. Oktober 1945 ins Bischof-Vieter-Kolleg in Limburg und machte am Städtischen Gymnasium 1952 sein Abitur.

Im anschließenden Noviziat in Olpe beschreibt ihn sein Novizenmeister: „Er ist ein elegantes, feingliedriges und immerfrohes Quecksilber, bei dem man nie weiß, wer am lebendigsten ist: der Mund, der Gestus oder die Mimik. Gewöhnlich spricht alles zusammen.“ „Herzerfrischende Natürlichkeit ohne Scheu“ wird ihm attestiert. Allerdings wird man von ihm „nicht erwarten können, bezüglich Hausordnung, Stillschweigen usw. ein Musterknabe zu werden.“
Die erste Profess legte er am 25. April 1954 in Olpe und die Profess auf Lebenszeit am 25. April 1957 in Vallendar ab. Philosophie und Theologie studierte er in Olpe und Vallendar. Der Rektor P. Christoph Ertel hebt sein gutes Gedächtnis und seine Schlagfertigkeit hervor. Beides sollte ihm ein Leben lang bleiben. Die Diakonweihe spendete Bischof Matthias Wehr am 4. Mai 1958 und die Priesterweihe Bischof Carlo Maria Splett, Bischof von Danzig, am 20. Juli 1958 in Vallendar.
Nach dem Pastoralkurs in Vallendar führte ihn sein erster Einsatz zum 1. Dezember 1960 als Seelsorger und Religionslehrer nach Kassel. An fünf Realschulen, einer Berufsschule und einer Werksschule hatte er wöchentlich 32 Schulstunden. Bereits in Kassel hatte er Kontakt zur Aktion 365 der Jesuiten. P. Leppich zeigte immer wieder Interesse der intensiveren Zusammenarbeit bis in die 1980er Jahre. P. Pieler wurde aber als Pallottiner an jeweiliger Stelle mit voller Kraft gebraucht.

Im August 1962 wechselt P. Pieler zunächst in die Exerzitienarbeit nach Vallendar. Es ist eine schwierige Zeit in Schönstatt. Es gibt Spannungen, die schließlich am 18. Oktober 1964 nach der apostolischen Visitation zur Trennung der Schönstattbewegung von den Pallottinern führte. P. Pieler stand mitten in den Diskussionen um die Gnadenkapelle. Ab 1965 ist er Rektor des Schulungsheims Haus Wasserburg und der Gnadenkapelle. Die Oberen bescheinigen ihm sowohl Festigkeit in seinen Überzeugungen und zugleich Großzügigkeit. Beides wichtige Charakterzüge für die Verhandlungen mit Schönstatt. Die Predigten in der Wallfahrtskirche und in der Marienkapelle sprach unzählige Menschen an, die als Wallfahrer oder Besucher nach Schönstatt kamen.
Da die Gebäude von „Haus Wasserburg“ veraltet und stark sanierungsbedürftig sind, setzt sich P. Pieler für einen Neubau ein. Zunächst erarbeitet er ein modernes Bildungskonzept und dann einen passenden Gebäudeplan für die Jugendbildungsstätte. Später folgen mit dem Haus St. Michael auch angemessene Wohnungen für die Mitbrüder. Auch dies war kein einfacher Weg; es gab viel Diskussion in der Provinz dazu.
Zudem entdeckte Bernd Pieler die Medien als sein Apostolatsfeld. Über Jahre hinweg gab er Impulse, die Randnotiz im Radio beim SWF, beim Saarländischen Rundfunk und beim Deutschlandfunk. Auch bei Radio Vatikan bestand hohes Interesse an seiner Mitarbeit; einige Monate arbeitete er im deutschen Redaktionsteam mit. 1980 sprach er sechs Mal das „Wort zum Sonntag“ in der ARD.

Aus der Wasserburg verabschiedete er sich 1981, nachdem er ein Jahr zuvor vom Land Rheinland-Pfalz für seine Bildungsarbeit geehrt worden war. Bernd Pieler wollte die Jugendarbeit verlassen, bevor die Jugendlichen ihn „Opa“ nennen. So wechselte er am 1. Oktober 1981 nach Wiesbaden mit dem Auftrag, eine Cityseelsorge aufzubauen. Zu seinem silbernen Priesterjubiläum schreibt er: „Summa summarum kann ich sagen: Dienst und Leben haben ungemein Spaß gemacht; und ich hoffe, es wird so bleiben.“ Am 1. Mai 1986 wird er mit großem Eifer Pfarrer der Gemeinde St. Marien in Limburg. So war das Kirchenzentrum in Blumenrod und in Linter zu bauen, den Kellerclub, die Kolpingfamilie und viele Initiativen galt es zu begleiten. Die Silvesterpredigten, in denen er die Statistik der Gemeinde in das Gesamt der gesellschaftlichen Entwicklungen einzuordnen verstand, nannte Bischof Kamphaus Meisterwerke der Verkündigungsarbeit. Zugleich begleitete er viele junge Mitbrüder als Kapläne in die Gemeindepastoral. Als Aufgabe für die Gemeinschaft nahm er das Amt des Provinzsekretärs von 1987 bis 1990 wahr und war viele Jahre ab 2002 in der Historischen Kommission.
Bei der Feier des 75. Geburtstages und seiner Verabschiedung sagte der damalige Provinzial P. Winkens: „Irgendwie steht Ruhestand an, aber du willst weiter aktiv sein und bleiben.“
Für zwei Amtszeiten gestaltete er als Rektor der Hausgemeinschaft das Leben an der Hochschule in Vallendar mit – vom 1. Juni 2005 bis 28. Juni 2011. Als „Aushilfe“ ging P. Pieler als Pfarradministrator 2011 nach Kälberau. Dort blieb er bis zur Auflösung der pallottinischen Niederlassung 2017. So kam er zum 1. November 2017 wieder nach Limburg zurück. Aber an einen „richtigen Ruhestand“ ist nicht zu denken, wo und wie es geht, bringt sich Bernd Pieler ein, übernimmt die Gottesdienste im Haus, für die Pallottinerinnen und für die Gemeinde.

P. Pieler war ein allseits interessierter, sehr gebildeter Mensch. Über 40 Jahre besuchte er regelmäßig die „Salzburger Hochschulwoche“ und machte anschließend dort oder in Meran Urlaub. Diese Zeit war dem Musikliebhaber nach eigener Aussage eine gute Mischung von Bildung, Kultur und Natur. So verlor er nie den Zugang zu den Zeichen der Zeit und verstand sie im Blick auf das Evangelium für die Menschen von heute zu deuten. Denn als Prediger, Seelsorger und Wegefährte stand für ihn immer der Mensch im Mittelpunkt. Zu seiner Motivation befragt sagte er: „Die Frohe Botschaft in den Evangelien mit allem Ernst, mit aller Hoffnung den Menschen so erschließen, dass jeder gerne Christ sein möchte.“

Wir feiern die Eucharistie im Gedenken an Pater Bernhard Pieler SAC am Samstag, 27. Juni um 10.30 Uhr in der Pallottinerkirche St. Marien zu Limburg, Wiesbadener Straße 1. Anschließend findet die Beisetzung auf unserem Friedhof statt.

Priester, die konzelebrieren wollen, werden gebeten, Schultertuch, Albe und Stola mitzubringen. Anstelle zugedachter Kranzspenden erbitten wir im Sinne des Verstorbenen eine Spende für die missionarischen Aufgaben unserer Gemeinschaft (Pallottiner KdöR, Stichwort „Mission“, Pax-Bank für Kirche und Caritas eG, IBAN DE41 3706 0193 1053 3930 00). Vielen Dank.

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