Ohne Ballast durchs Leben gehen
Ein frohes, friedliches, gesundes und gesegnetes neues Jahr wünschen wir uns einander in diesen Tagen am Beginn des neuen Jahres 2026. Viele Vorsätze fassen wir jedes Mal. Die meisten gehen schnell im Getriebe des Alltags unter. Ein guter, lohnenswerter und sinnvoller Vorsatz wäre: Versöhne dich mit dir selbst!
„Hauptsache, mir geht’s gut“ – Mit diesem Satz begann einmal der zu seiner Zeit bekannte Pfarrer und geistliche Schriftsteller Elmar Gruber aus München (1931 – 2011) einen Besinnungstag, den er uns als Neupriestern gehalten hat. Wir waren verwirrt und erstaunt, hatten wir doch verinnerlicht, dass ein Priester in ersten Linie für alle anderen da zu sein hat und ganz zuletzt erst für sich selbst. Wie wichtig aber die Sorge für einen selbst ist, um innerlich nicht auszubrennen und leer zu werden, das erfahren wir meist erst im Lauf unseres weiteren Lebens. Wenn ich jedoch viel zu lange und viel zu viel inneren Ballast mit mir herumschleppe, werde ich unzufrieden und unleidlich, im schlechtesten Fall sogar krank. Die Psychologie weiß das mit Untersuchungen zur „Salutogenese“ zu untermauern. Üblicherweise sind wir gewohnt, zu fragen, was uns krank macht. Salutogenese dagegen untersucht, was uns gesund macht und erhält. Dazu gehört auch, dass ich lerne, ausgesöhnt mit mir selbst zu leben, mit meinen körperlichen und seelischen Macken, meinen Fehlern, Schwächen, Grenzen und Gebrechen, mit meinen inneren Verletzungen und manchmal auch mit traumatischen Erfahrungen, die wie dunkle Wolken über unserem Leben lasten. Aber wie kann das gehen, sich mit sich selbst auszusöhnen versöhnt mit sich selbst zu leben? Von heute auf morgen und wie auf Knopfdruck geht das ganz sicher nicht. Das braucht Zeit, manchmal viel Zeit, bis Wunden heilen können. Je nach dem sogar ein ganzes Leben lang. Schenken wir uns die nötige Zeit und verurteilen wir uns nicht, wenn es nicht schneller gehen will. Hab Geduld mit dir und gib nicht zu schnell auf.
Aussöhnen mit sich selbst
Wir haben dabei die Wahl. Wir können unversöhnt mit uns selbst weiterleben. Das kostet täglich viel Kraft und bedeutet Frust, Ärger und Unzufriedenheit. Wir können uns aber auch all dem stellen, was wir so an Ballast mit uns herumtragen, und versuchen, besser damit umgehen zu lernen. Auch das ist zunächst einmal anstrengend und kostet viel Kraft. Dazu braucht es noch eine gehörige Portion Mut und Willen. Manchmal braucht es professionelle Hilfe. Immer aber sind gute Freunde hilfreich und Menschen, die zu einem stehen. Auf Dauer macht es uns das Leben leichter. Immer wieder kann man sich vor Augen halten, wie schön es wäre, ohne all diesen unaufgearbeiteten, inneren Ballast durchs Leben gehen zu können. Wir alle haben unsere Eigenheiten und Fehler. Wir müssen uns aber nicht ständig ohrfeigen, wenn wir immer wieder dieselben Fehler machen und uns unsere Eigenheiten uns immer wieder auf die Füße fallen. Es ist unschön, aber wir müssen Fehler nicht verdrängen oder ignorieren. Wir können uns auch Fehler eingestehen und dazu stehen, dass wir nicht perfekt sind. Wir dürfen uns unsere Fehler, unsere Eigenarten verzeihen und um Verzeihung bitten, wenn wir dadurch andere verletzt haben. Bleiben wir uns bewusst, dass es äußerst schwer, wenn nicht gar unmöglich ist, grundlegende Eigenschaften zu ändern. Gegebenenfalls ist nach Wegen der Wiedergutmachung zu suchen. Um versöhnt mit sich leben zu können, ist es wichtig, anzunehmen, was nicht oder nicht mehr zu ändern ist. Das zu versuchen, lohnt sich immer.
Mit Musik gegen den Ärger
Manchmal kann auch helfen, sich selbst Gesten der Versöhnung zu schenken. Man kann sich etwa umarmen und sich selbst sagen, dass man sich verzeiht. Mir persönlich hilft es immer wieder Lieder vor mich hinzusingen oder auch nur in mir aufsteigen zu lassen. Vor allem tut mir das Lied „Ich lobe meinen Gott“ (GL 400) gut und das Lied „Ein Danklied sei dem Herrn“ (GL 382). Beide Lieder machen mich ruhiger und ausgesöhnter mit mir selbst., wenn ich mich am Morgen noch so gar nicht leiden mag und den bevorstehenden Tag, oder wenn wieder einmal mein Temperament mit mir durchgegangen ist. Ich mache die Erfahrung, wie gut es tut und wie wichtig es ist, im Frieden und Einklang mit sich selbst zu sein. Vor einigen Jahren erschien zu Weihnachten eine Ausgabe der Illustrierten Stern mit dem Titel „Versöhnung“. Darin berichteten verschiedene Menschen, wie sie sich mit schlimmen Erfahrungen in ihrem Leben aussöhnen konnten und so zu innerem Frieden gefunden haben. Unter anderem berichteten eine Überlebende des Vernichtungslagers Auschwitz und eine Mutter, die ihre Tochter bei einem Autounfall verloren hatte, den ein Autofahrer verursacht hatte, der unter Alkoholeinfluss stand. Dass es auch mit einem so schweren Schicksal möglich ist, versöhnt zu leben, muss beeindrucken und kann motivieren.
„Hauptsache, mir geht’s gut.“ – Nur wenn ich versöhnt mit mir selbst leben kann, wenn ich mich selbst wenigstens anfanghaft annehmen kann und ausgesöhnt bin mit meinen Eigenheiten, Begrenztheiten und meiner Lebensgeschichte, dann kann ich auch gut und verständnisvoll zu anderen sein.
P. Heinz-Willi Rivert
ehemals in Jugend- und Pfarrseelsorge in West und Ost tätig, sowie Schulseelsorger in Rheinbach. Er schreibt für das „zeichen“ aus dem Limburger Missionshaus.
„Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann,
den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann,
und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“Reinhold Niebuhr
Bild: Noon Virachada/iStock
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