Pallottinerinnen in Ruanda 2026

Junggebliebene gewinnen tiefe Einblicke in Ruanda

Ein Ehepaar engagiert sich bei den Pallottinerinnen in Ostafrika, wo sonst Jugendliche im Einsatz sind

Dieses Ehepaar ist eine Ausnahmeerscheinung. Die beiden haben sich als sogenannte Senior Volunteers (Senior-Freiwillige) zehn Wochen bei den Pallottinerinnen in Ruanda engagiert. Normalerweise dauert so ein Einsatz ein Jahr lang. Und zwar dann, wenn üblicherweise junge Leute, meistens nach dem Schulabschluss, ihren internationalen Freiwilligendienst Pallotti-MaZ („Mitleben auf Zeit“) absolvieren.

Die Senior Volunteers Christiane Schöning (Jahrgang 1970) und Jens Schöning (Jahrgang 1964) haben zwar weniger Zeit, dafür aber viel Management-Erfahrung mit nach Ostafrika gebracht. Aber braucht es das in einer rasant wachsenden Schule der Ordensfrauen in dem Vorort Masaka der Hauptstadt Kigali mit etwa 2000 Schülerinnen und Schülern? Tatsächlich ja. Sowohl die Provinzialin als auch die Schulleiterin wünschten sich von den beiden unter anderem umsetzbare Ideen, wie Abläufe verbessert werden können. Es wurde ein fruchtbarer Austausch, der für beide Seiten bereichernd war.

Freiwilligendienst: Erfahrungen weitergeben und neue Erfahrungen sammeln

Christiane und Jens haben bereits erwachsene Kinder und sind auch schon Großeltern. Sie brachten neben ihrer Lebenserfahrung auch einige Berufsexpertise mit nach Ruanda. Beide haben in leitenden Positionen bei einem internationalen Automobilzulieferer gearbeitet: Er, der Ingenieur, war weltweit unter anderem für Qualitätsmanagement zuständig, sie, die gelernte Journalistin und promovierte Wirtschaftswissenschaftlerin, für die Unternehmenskommunikation in über 40 Ländern. Aus dem Großunternehmen sind beide ausgestiegen. Christiane Schöning ist mittlerweile Profi-Fotografin, ihr Mann vermittelt Wissen über Wein. „Wir hatten viel Glück im Leben und wollten etwas davon zurückgeben“, sagt die 56-Jährige. Selber war sie schon nach dem Studium als Freiwillige in Bolivien. Doch jetzt, als schon etwas Ältere, war es gar nicht so einfach, etwas Passendes für einen Freiwilligeneinsatz im Ausland zu finden. Zwar gibt es kommerzielle Anbieter, die beispielsweise mit Unterkünften mit Meerblick und Tauchmöglichkeiten werben. Nicht ihr Fall. „Wir wollten keinen Urlaub, sondern unsere Erfahrungen sinnvoll weitergeben und umgekehrt selber neue Erfahrungen sammeln“, erzählt der 61-jährige Jens Schöning über ihre Motivation.

Der Kontakt des Ehepaars aus Wunstorf bei Hannover zu den Pallottinerinnen in Ruanda kam auf einem Umweg über Bayern zustande. Dort ist Pater Christoph Lentz Rektor des Pallotti-Hauses in Friedberg. Ihn kannte Christiane Schöning noch von früher aus einer Laiengruppe der Pallottiner in Freising, als Lentz noch gar kein Pallottiner war. Der jetzige Rektor vermittelte den Kontakt zum internationalen Freiwilligendienst Pallotti-MaZ („Mitleben auf Zeit“). Dieser ermöglicht jungen Leuten zwischen 18 und 27 Jahren, sich ein Jahr lang in Ruanda, Malawi, Südafrika, Tansania, Bolivien, Indien oder Brasilien zu engagieren und eine andere Kultur kennenzulernen. Mit der Friedberger MaZ-Leiterin Andrea Tamunjoh wurde dann sondiert, was für die Ausnahme-„Senioren“ des Programms passen könnte. Das Ehepaar war beruflich und privat schon weltweit viel unterwegs – auch in Afrika. Ruanda war für die beiden aber doch Neuland.

Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)
Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)
Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)
Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)

Zwei Videocalls mit Schwester Angeline: Was braucht Ihr?

In zwei Videocalls klärte das Ehepaar mit der Provinzialin in Masaka, Schwester Angeline, vorher ab, welcher Einsatz vor Ort Sinn machen würde. So entstand die Idee, an der Schule einen Pallotti-Jungunternehmer-Club zu gründen. Mit zwölf nominierten Sechst- bis Achtklässlern hat das Ehepaar dieses Projekt dann auch in Zusammenarbeit mit Lehrkräften umgesetzt. „Tolle Kids, die uns mit ihrem sattelfesten Englisch sehr überrascht haben“, sagt Jens Schöning. Die Aufgabe lautete, ein fiktives Tourismus-Start-up in Ruanda zu gründen. Wie bei einer richtigen Firmengründung erarbeiteten die Schulkinder, was dafür unter anderem in Sachen Marketing, Produktmanagement, Betriebsabläufe, Nachhaltigkeit und Finanzen notwendig wäre. Die Senior Volunteers aus Deutschland erlebten die Pallotti-Jungunternehmer als engagiert und wissbegierig. Bei der Abschlussveranstaltung konnte jeder junge „Firmengründer“ etwas präsentieren und selbstbewusst in freier Rede vortragen. Zusätzlich wurde in der Schule auch eine Dauerausstellung zum Club feierlich eröffnet. Christiane Schöning war „total gerührt“ von dem positiven Feedback nicht nur der Clubmitglieder, sondern auch ihrer Eltern. Die Schule will künftig die Idee mit dem Pallotti-Jungunternehmer-Club mit anderen Schülern fortführen.

Auf Wunsch der Schulleiterin in Masaka, Sr. Cécile, boten die Senior-Freiwilligen zwei weitere Projekte an: Einmal ging es darum, die Trainer – in diesem Fall 50 Lehrkräfte – zu trainieren. Das Ehepaar entwickelte dafür Kursmaterial und bot Workshops an, mit dem Ziel, Schüler in Sachen Präsentation zu schulen. Zudem half das Ehepaar beim Aufbau eines Qualitätsmanagementsystems an der Schule und teilweise auch darüber hinaus.

Pallottinerinnen in Ruanda 2026
Pallottinerinnen in Ruanda 2026
Pallottinerinnen in Ruanda 2026
Pallottinerinnen in Ruanda 2026
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Pallottinerinnen in Ruanda 2026
Pallottinerinnen in Ruanda 2026
Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)

Foto-Sessions für die Provinz „Unserer Lieben Frau von Kibeho“

Während Jens Schöning ein Fachmann unter anderem für Qualitätsmanagement ist, hat die ehemalige Magazinjournalistin Christiane auch ein besonderes Talent für Fotos. Das kam der Provinzialin, Schwester Angeline, sehr gelegen. Denn im nächsten Jahr steht der Provinz „Unserer Lieben Frau von Kibeho“ der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat, die neben Ruanda auch Uganda, die Demokratische Republik Kongo und Frankreich umfasst, der 50. Geburtstag bevor. Da kam Profi-Fotografin Christiane Schöning wie gerufen, um das Bildmaterial für das Jubiläumsbuch vorzubereiten. Dafür besuchte das Ehepaar alle fünf Konvente der Pallottinerinnen in Ruanda, teilweise auch in abgelegenen Gebieten. Dabei entstanden Porträts von den rund 40 Ordensfrauen und Gruppenaufnahmen vom Ordensnachwuchs. Wichtig war es der Fotografin insbesondere auch, zu dokumentieren, was die Pallottinerinnen in Ruanda leisten: in Schulen, Gesundheitszentren, für Straßenkinder, arme und alte Menschen. „Das ging mir echt unter die Haut“, sagt die Fotografin über die Einblicke, die sie dabei bekam. Ihr wurde bewusst, wie wichtig der Einsatz der Pallottinerinnen in einem Land mit so tief gläubigen Menschen ist. Und die Deutsche bekam auch mit, welch fatale Auswirkungen es hat, wenn internationale Hilfsmittel wie die der USA gekürzt werden. Christiane Schöning hat in Ruanda in über 30 Aufnahme-Sessions tausende Fotos gemacht, die Bilder anschließend aussortiert und bearbeitet. Eine Auswahl davon zeigte sie zum Abschluss bei einer Diashow abends unter freiem Himmel in Masaka.

10 Wochen mitgelebt, eingetaucht, berührt worden, besser verstanden

Während der zehn Wochen haben die Senior Volunteers, so wie sonst auch die MaZler, mit den Pallottinerinnen mitgelebt. „Wir wurden mit offenen Armen empfangen“, erinnert sich Christiane Schöning. Sie haben zusammen mit den Ordensfrauen gegessen und waren bei Gottesdiensten, mehrfach mit über tausend Menschen, dabei. Auf touristische Angebote wie die teuren Ausflüge zu den Berggorillas hat das Ehepaar bewusst verzichtet.

Vorab hatten sich die beruflich und privat bereits weit gereisten Senior-Freiwilligen erhofft, tiefer in eine andere Kultur einzutauchen. Christiane Schöning fand die Lebensfreude der Menschen angesichts oft schwieriger Lebensumstände sehr berührend. „Unser Blick auf die Welt ist hier in Europa schon sehr westlich geprägt, an wirtschaftlichen Maßstäben orientiert. Wir wollten Afrika ein Stück weit besser verstehen lernen“, bringen es die beiden Senior Volunteers auf den Punkt. Ihr Wunsch ist in Ruanda in Erfüllung gegangen.

Durch das Mitleben im Konvent und die vier Projekte haben sich den Senior-Freiwilligen tiefe Einblicke in den Alltag in Ruanda eröffnet. „Auch wenn wir schon oft im globalen Süden unterwegs waren, diese zehn Wochen haben uns wieder einmal gezeigt, dass wir hier in Deutschland so vieles als selbstverständlich erachten, was es in den meisten Regionen auf unserem Planeten mitnichten ist“, blickt Christiane Schöning zurück, und ihr Mann Jens fügt hinzu: „Es war eine Erfahrung, die erdet.“ Die beiden hoffen, dass Senior Volunteering weiter Schule macht und noch mehr nicht-kommerzielle Organisationen, wie die Pallottinerinnen in Ruanda, für Menschen mit Berufserfahrung solche wertvollen Möglichkeiten anbieten.

Senior Volunteers bei den Pallottinerinnen in Kigali (Ruanda)
Die Provinz „Unserer Lieben Frau von Kibeho“ der Missionsschwestern vom Katholischen Apostolat, die neben Ruanda auch Uganda, die Demokratische Republik Kongo und Frankreich umfasst, feiert 2027 ihren 50. Geburtstag.

Bericht: Andreas Schmidt
Bilder: Chris Schöning
Kontakt Pallotti-MaZ

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