Faschingsgottesdienst in Herrgottsruh 2026

Predigt mit politischer Brisanz: „Widersprechen, wo Unrecht geschieht!“

In der Friedberger Wallfahrtskirche wurde fröhlich gefeiert und klar Haltung gezeigt

In der Wallfahrtskirche Herrgottsruh in Friedberg wurde am Sonntag, 15. Februar 2026, wieder ein froher und bunter Faschingsgottesdienst gefeiert.

Noch vor der Messe ergriff Kantorin Martina Steinbach das Wort. Mit einem Augenzwinkern machte sie der Gemeinde bekannt, dass in dieser Messe auf ihr Kommando beim Gesang und beim Gebet zu hören sei.

Als die Sakristeiglocke um Punkt zehn Uhr erklang, setzte Organist Roland Plomer mit dem „Radetzky-Marsch“ von Johann Strauss den ersten musikalischen Akzent. Die bunt gekleidete liturgische Schar um Wallfahrtsdirektor Pater Hans-Joachim Winkens konnte so festlich in die Kirche einziehen. Zum Marsch und zum Einzug der liturgischen Prozession klatschte sich die zahlreiche Gottesdienstbesucher-Schar schon einmal im Rhythmus warm.

Fröhlicher Auftakt – und dann doch ganz bei der Liturgie

Beim Eröffnungslied erschallte laut: „Servus, Grüezi und Hallo, diese Messe ist der Hit und wir alle feiern mit.“ Damit war der fröhliche Ton für das Hochamt in der Wallfahrtskirche gesetzt.

In tiefer Bußgesinnung sang die Gemeinde anschließend mit der Kantorin Steinbach: „Wir sind alle kleine Sünderlein … der Herrgott wird es uns bestimmt verzeih’n.“ Nach dem Kyrie erklang beim „Ehre sei Gott in der Höhe“ als Refrain: „Die Hände zum Himmel, kommt, lasst uns fröhlich sein. Wir klatschen zusammen und keiner ist allein.“

Nach diesem heiteren Einstieg nahm der Gottesdienst seinen gewohnten Verlauf. Die Tageslesungen und das Evangelium behielten ihren würdigen Platz.

Faschingsgottesdienst in Herrgottsruh 2026

„Haltung bewahren“ – Predigt mit Blick auf die Weltlage

Wallfahrtsdirektor Winkens erschloss den Zuhörenden die biblischen Texte: Die Gebote Gottes helfen uns, das Leben zu meistern. Sie sind wie ein Treppengeländer, an dem wir uns im Alltag festhalten können. Sie helfen uns, Haltung zu bewahren, wenn wir als Christinnen und Christen gefordert sind.

Winkens machte deutlich: Nicht nur im Karneval dürfen wir unserer Obrigkeit widersprechen, wo Unrecht geschieht – und menschenverachtenden Despoten in der Welt widersprechen und Einhalt gebieten. In diesem Zusammenhang verwies er auf den Tod des russischen Oppositionellen Alexej Nawalny († 2024) und auf aktuelle internationale Einschätzungen, nach denen Nawalny vom russischen Regime um Präsident Vladimir Putin vor zwei Jahren vergiftet worden sei.

Orden, Bußübung und saugute Büttenrede

Nach der Predigt wurde Pater Winkens von seinem närrischen Kirchenvorstand Richard Mayr überrascht: Er erhielt den ersten Orden der Wallfahrtskirche. Die damit verbundene „Bußübung“ – zehnmal barfuß um die Wallfahrtskirche zu pilgern – delegierte der Wallfahrtsdirektor in seinem Dankeswort kurzerhand an den anwesenden Kirchenvorstand: Seine Podologin habe ihm dies angesichts seines Diabetes untersagt.

Froh wurde der Gottesdienst weitergefeiert. Immer wieder waren karnevalistische Melodien allseits bekannter Faschingslieder als Orgelimprovisationen zu hören. Abschließender Höhepunkt der Messe am Faschingssonntag war die Büttenrede „Saugut“ von Oberministrant Richard Mayr. Oft zu Tränen gerührt oder laut lachend vernahm die Gemeinde die vielen Möglichkeiten der deutschen Sprache, das Wort „Sau“ in guter wie auch in schlechter Bedeutung zu verwenden.

Nach dem Segen und dem Abschluss der Messe erklang als Dankgesang der Gemeinde ein frohes „So ein Tag, so wunderschön wie heute“. So war der Fasching in diesem Jahr eine gute Gelegenheit, einen frohen und mutmachenden Gottesdienst in der Wallfahrtskirche zu erleben. Aber unter uns: Eigentlich ist das doch jeden Sonntag so.

Faschingsgottesdienst in Herrgottsruh 2026

Beitrag: Wallfahrtskirche Herrgottsruh
Bilder: Johannes Funk

Weitere Beiträge

Austausch- und Visionstreffen zum Fest Mariä Lichtmess
Bischof Bruno Ateba, bei seinem Besuch im Provinzialat der Pallottiner in Friedberg
Pilgerreisen, die Herz und Seele berühren: Erholung, Gemeinschaft, Inspiration und unvergessliche Eindrücke

Das könnte Sie auch interessieren

Mitreden, Mitmachen, Mithelfen!

In Kontakt bleiben. Kostenlos 12 x pro Jahr!

Liken, kommentieren, abonnieren

Herzliche Einladung: Reden Sie mit!

Öffnen Sie sich Räume

Gemeinsam die Welt verändern!