Schwester Astrid ist Oberin, Lehrerin und Sängerin
„Wenn der Heilige Geist nur zu denen kommt, die sowieso schon glauben, dann könnt ihr einpacken“
Am 25. April 1895 trafen die ersten neun Pallottinerinnen in Limburg ein. Sie kamen direkt aus Rom. Ihre Zentrale wurde vor 125 Jahren das Kloster Marienborn in der Weilburger Straße 5. Die Schwestern vom Katholischen Apostolat verzeichneten in den folgenden Jahrzehnten einen enormen Zulauf junger Frauen, die sich für die Ideen ihres Gründers, des römischen Priesters Vinzenz Pallotti (1795–1850), begeistern konnten: in die Welt hinauszugehen, um Anliegen und Nöte der Menschen und der Zeit aus dem christlichen Glauben heraus zu beantworten. Diesen Auftrag, den Menschen das Evangelium zu verkünden, haben die Schwestern auf Missionsstationen in vielen Ländern der Erde mit unermüdlichem Einsatz erfüllt.
Die Zentrale der deutschen Pallottinerinnen-Provinz ist in Limburg
Doch auch die Pallottinerinnen sind vom Nachwuchsmangel nicht verschont geblieben. Astrid Meinert war 2010 die letzte Novizin, die sich in Limburg, der Zentrale der deutschen Provinz, im Alter von 42 Jahren auf ihren Eintritt in das Kloster vorbereitete. Im Juli 2015 versprach sie endgültig, nach den Ordensregeln Jesus in enger Jüngerschaft nachzufolgen. Vor ihrem Entschluss war Meinert Lehrerin für katholische Religion und Latein an der Freiherr-vom-Stein-Schule in Eppstein im Taunus, wo sie auch heute noch unterrichtet.
Und nicht nur das: Im Juni 2019 wurde sie vom Provinzkapitel ihrer Mitschwestern zur neuen Provinzoberin gewählt und folgte damit Schwester Helga Weidemann, die nach zwölf Jahren ihre maximal mögliche Amtszeit erreicht hatte. Der Provinzoberin stehen derzeit Schwester Helga Weidemann als Vikarin und Stellvertreterin sowie die Schwestern Ingrid Schuler (Hausoberin), Maria Landsberger und Ursula Schmitz zur Seite. Die einst so stattliche Provinz zählt heute noch 29 Schwestern in Deutschland, darunter zehn im Alter von 90 Jahren und älter. Außerdem leben und arbeiten sechs Schwestern in Brasilien. Ihre Hoffnung sind drei junge Frauen, die dort zurzeit als Interessierte mitleben.
Eine Firmung mit Hindernissen
Astrid Meinerts Wiege stand in Bamberg; der Vater war Professor für Architektur, die Mutter war im gleichen Beruf tätig. Allein ihrer Großmutter, die im Internat des Ordens der Englischen Fräulein (heute Congregatio Jesu oder Maria-Ward-Schwestern) unterrichtet wurde, verdankt Meinert, dass sie später ihren Weg ins Kloster fand. Doch dieser Weg begann als Heranwachsende recht holprig. Auf die Frage ihrer Oma, ob sie gefirmt werden wolle, lehnte sie ab. Erst als die Oma meinte: „Ich dachte, du wünschst dir ein Mofa“, habe sie zugestimmt.
Allerdings erwies sich die junge Astrid, die inzwischen mit ihrer Familie in Aachen wohnte, im Unterricht für das Sakrament der Firmung als „nicht würdig“. Eine Firmung soll Jugendliche in ihrem Glauben stärken und sie durch die Gabe des Heiligen Geistes festigen. Dies erschien dem zuständigen Pfarrer aufgrund ihrer kritischen Einstellung nicht möglich, und er gab ihr zu verstehen: „Wir können dich zur Firmung nicht zulassen“, erinnert sich die heute 58-Jährige. Sie habe ihm geantwortet: „Na ja, wenn der Heilige Geist nur zu denen kommt, die sowieso schon glauben, dann könnt ihr einpacken.“ Ihre Firmung war genehmigt; von der Oma gab’s eine blaue Honda.
Kontemplation und Aktion
„Spirituell geprägt hat mich der damalige Weihbischof August Peters. Immer wieder war ich in Taizé. Das hat mich fasziniert, aber in einem Frauenkloster zu leben – der Gedanke kam erst später“, sagt sie. Inzwischen lebte Meinert in Mainz, studierte Praktische Theologie an der dortigen Fachhochschule sowie an der Uni Kunstgeschichte, Soziologie, Christliche Archäologie und Byzantinische Kunstgeschichte. Mehrere Jahre arbeitete die junge Frau vor ihrer eigenen Lehrtätigkeit in einer Unternehmensberatung. Über Exerzitien im damaligen Exerzitien- und Bildungshaus der Pallottinerinnen fand sie zu den Schwestern.
„Die Schule ist für mich der Ausgleich. Ich verstehe es als Privileg, in Eppstein mit jungen Kolleginnen und Kollegen arbeiten zu dürfen. Gemeinschaft ist mir wichtig, und deshalb suchte ich auch die „singende Kommunität“, die ich schon vor vielen Jahren im Domchor gefunden habe“, sagt Schwester Astrid und fügt hinzu: „Die Liturgie ist mir sehr wichtig. Sie ist die Verbindung, um nach oben in den Himmel hineinzuschauen.“ Sie liebt das reichhaltige Kulturangebot in Limburg, neuerdings die Evensongs, die gesungenen Abendlobpreisungen im Dom, und meditiert darüber hinaus über alte Bibeltexte und die Frage: „Was haben sie mit meinem Leben heute zu tun?“ Darin entdeckt sie eine unglaubliche Präsenz für die heutige Zeit. Zudem ist sie Vorsitzende des Stiftungsrats der Vinzenz-Pallotti-Stiftung.
Das Quartett der schönen Dome
Rückblickend auf ihr Leben stellt die vielseitig interessierte, temperamentvolle Schwester Astrid fest: „Meine Kindheit habe ich in Bamberg verbracht. Aufgewachsen in Aachen, habe ich in Mainz studiert und lebe heute in Limburg. Ich habe mir die schönsten Dome Deutschlands ausgesucht.“

Beitrag & Bilder: Dieter Fluck
Diesen Beitrag teilen...
Weitere Beiträge
Das könnte Sie auch interessieren
Mitreden, Mitmachen, Mithelfen!
In Kontakt bleiben. Kostenlos 12 x pro Jahr!
Liken, kommentieren, abonnieren
Herzliche Einladung: Reden Sie mit!
Öffnen Sie sich Räume
Gemeinsam die Welt verändern!










