Auch aus diesem Heft:

Verhüllen und Enthüllen. Nicht nur in den Wochen vor Ostern trägt das Verhüllen von Kreuzen und Bildern in katholischen Kirchen zu einem neuem Sehen bei.

Quo vadis Aschermittwoch?

Manchmal braucht es nur ein kleines Zeichen, um innezuhalten. Das Aschenkreuz erinnert an die Vergänglichkeit des Menschen und lädt zur Umkehr und Buße ein. Immer mehr Gemeinden bieten das Aschenkreuz „to go“ an – eine moderne Form des Rituals, das die Menschen unterwegs erreicht. Bruch mit der Tradition?

Ein paar Tag vor Aschermittwoch 2025 wurde ich vom Organisator des „Aschenkreuz to go“ in Salzburg angerufen und gefragt, ob ich das Aschenkreuz vor dem „Offenen Himmel“, dem Infopoint der Erzdiözese Salzburg, austeilen würde. Ich habe spontan zugesagt und war gespannt, was mich erwartet. Ich kannte die Aktion aus den Medien und das positive Echo, welches sie hervorrief. Am Aschermittwoch Nachmittag stand ich für eine Stunde mit einem Mitbruder aus dem Kapuzinerkloster Salzburg vor dem „Offenen Himmel“ an einem Stehtisch mit Asche und Fastenbrezen, die jede und jeder, der das Aschenkreuz „abholte“, als kleines Geschenk bekam.

Kurze Begegnungen mit Tiefe

Schnell kam die erste Person mit dem Fahrrad auf uns zu, hielt an, und ließ sich das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen. „Bedenke, Mensch, dass du Staub bist und wieder zum Staub zurückkehrst.“ Sie bedankte sich, nahm dankbar die Fastenbreze in Empfang und radelte davon. Dieses Ritual wiederholte sich in regelmäßigen Abständen. Manche ließen sich auf ein kurzes Gespräch ein, das wir vor Beginn des Rituals angeboten haben. Manche nutzten es, manche dankten freundlich und gingen oder fuhren mit ihrem Fahrrad weiter, wieder in die Stadt hinein. Ich durfte lernen, dass diese kleine Begegnung für viele Menschen, die vorbeikamen, schon seit Jahren zum festen Ritual gehört. Nach der Arbeit, während des Einkaufs, des Spaziergangs, ganz bewusst das Aschenkreuz „to go“ abholen, mitnehmen, sich auf die Stirn Zeichen lassen. Ich war beeindruckt von der Ernsthaftigkeit, mit der die Menschen dieses kleine Zeichen und kurze Ritual in Empfang nahmen. Wir sind es gewohnt, große, feierliche und längere Riten für unsere Rituale und Sakramente zu feiern. Nur in Notfällen sind kurze Rituale vorgesehen, wie bei der sogenannten „Nottaufe“, einer Taufe in lebensbedrohlicher Situation.

Veränderung braucht einen Auftakt

Auch Papst Franziskus empfiehlt in „Fiducia supplicans“, „über die pastorale Sinngebung von Segnungen“, analog eine Segensspendung, „sogar auf der Straße“. Der Vatikan schreibt in einer Erklärung dazu: Es handelt sich um Segnungen von einer Dauer weniger Sekunden“… „Wenn zwei Personen gemeinsam herantreten, um einen Segen zu erbitten, bittet man einfach den Herrn um Frieden, Gesundheit und andere Güter für diese beiden Personen, die ihn erbitten.“ In diesem Dokument wird die „volksnahe Pastoral“ von Papst Franziskus betont und sichtbar gemacht. Auch das Aschenkreuz „to go“ ist analog so eine Version der „volksnahen Pastoral“. Menschen auf dem Weg ihres Lebens können – mitten auf diesem Weg – ein Zeichen des Glaubens empfangen. Welch schöne Geste, welch schönes Angebot, inmitten der Welt, in der wir stehen, leben und uns bewegen. Kirche nicht nur als Erfahrung in Kirchengebäuden, welche oft abgetrennt vom Leben erfahren wird. Lange Traditionen und theologische Überlegungen haben manche Sakramente und Rituale mit Worten und Symbolik überladen.

Das Aschenkreuz „to go“ mitten auf der Straße, inmitten der Menschen zu spenden, gibt dem Zeichen eine neue Tiefe, eine neue Weite, eine neue Möglichkeit. Hier auf der Straße spielt sich das Leben der Menschen ab. Und gerade ein Zeichen wie das Aschenkreuz, das uns auf die Verbundenheit von Leben und Tod, von Himmel und Erde, von Menschlichem und Göttlichem, von Zeit und Ewigkeit hinweist, kann hier eine gute Brücke, ein „Gamechanger“, also ein „Spielveränderer“, sein. Ja, diese Art des Umgangs mit dem Zeichen des Aschenkreuzes ist uns nicht vertraut. Deswegen kann es uns irritieren, dieses Zeichen am Beginn der Fastenzeit einfach so auf der Straße empfangen und „mitnehmen“ zu können. Es ist aber nicht nur ein Angebot für „Eilige“, sondern auch für die Menschen an dem Ort, wo sie uns begegnen. Es kann aber auch sein, dass uns diese bewusste Verkürzung und Konzentrierung auf das Wesentliche wieder näher an den eigentlichen Sinn des Rituals heranführt. So können wir vielleicht in Zukunft die Feier, die liturgisch mit dem Ritual verbunden ist, wieder besser verstehen und uns neu darauf einlassen.

Es geht auch hier nicht um ein „entweder oder“, sondern um ein „sowohl als auch“. Pastorale Klugheit und „volksnahe Pastoral“, wie Papst Franziskus es nannte, sind Wege in die Zukunft der Kirche und in die Zukunft der konkreten Begegnung mit Menschen auf den Wegen ihres Lebens. Vor allem auch dann, wenn sie den Weg in die Kirche nicht (mehr) schaffen oder finden. Einige Menschen am „Offenen Himmel“ in Salzburg waren auch überrascht, ließen sich auf ein kurzes Gespräch über ihr Leben ein und nahmen das Aschenkreuz „to go“ dankbar entgegen. Manche Menschen „fremdelten“ auch ein wenig, waren neugierig und ließen sich in dieser Haltung das Aschenkreuz auf die Stirn zeichnen. Wir durften das empfangene Zeichen seiner eigenen Wirkung überlassen.

P. Sascha Heinze

trat nach einer Ausbildung zum Altenpfleger den Pallottinern bei. Heute lebt er als Rektor der örtlichen Kommunität Österreich in Salzburg und ist als Mitarbeiter im Leitungsteam des PthI in Friedberg tätig.

Bild: ThaysOrrico/unsplash

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