„Jeder Mensch sucht nach Erfüllung“

Wie kann man seine Berufung leben?

Wenn die Kirche am 3. Mai weltweit um geistliche Berufungen betet, dann wird auch Bruder Matthias Terhorst SAC in dieses Gebet miteinstimmen. Schließlich ist er der Beauftragte der Pallottiner für Berufungspastoral. Trotzdem sieht der Pallottinerbruder das Thema Berufungen aus einer ganz eigenen Sicht, typisch pallottinisch, könnte man dazu auch sagen.

Der 38-Jährige, der zusammen mit einem weiteren Mitbruder in Münster lebt, fährt normalerweise jeden Tag nach Hamm, um dort im Berufskolleg Sport und Religion zu unterrichten und als Schulseelsorger zur Verfügung zu stehen. Was er da von den jungen Menschen hört und mit ihnen erlebt, beinhaltet bereits etwas von der Begleitung auf der Suche nach der jeweiligen Berufung. Da sind junge Menschen, die nach einer Idee suchen, „was sie mit ihrem Leben anstellen sollen“, sagt Bruder Matthias Terhorst, „junge Menschen, die in ihrem Elternhaus sitzen und feststellen: Das reicht mir hier jetzt nicht mehr.“ Da geht es doch auch um Berufung, findet der Pallottiner.

Was ist denn eigentlich das hervorstechende Merkmal einer Berufungsgeschichte? „Es ist die innere Sehnsucht nach einem erfüllten Leben, nach tiefergehenden Erkenntnissen, nach dem inneren Motor und im christlichen Kontext: nach Gott“, findet der Bruder, der überzeugt davon ist: „Es gibt keinen Menschen, der nicht in irgendeiner Weise eine Berufung hat. Die Frage ist dann, welche Möglichkeiten es gibt, dem nachgehen zu können.” Wie sieht der äußere Rahmen dafür aus? Welche persönlichen Komponenten wollen beachtet werden?

Die pallottinische Idee von Berufung
Insofern sei der Weltgebetstag um geistliche Berufungen am 3. Mai „nur ein Tag von 365“, meint Matthias Terhorst, der auch das Wort geistliche Berufung nicht so eng gesteckt wissen will. Er weiß natürlich, dass die Vorstellung vom priesterlichen Dienst und dem Ordensleben oder einem anderen Dienst in der Kirche im Vordergrund steht, wenn es um diesen Gebetstag geht, und dass die Ordensgemeinschaften ihn als Signal nutzen, um zu sagen: „Wir sind noch da. Ihr könnt zu uns kommen.“ Aber Matthias Terhorst, der selbst erst vor drei Jahren seine ewige Profess abgelegt hat, ist überzeugt: „Eine geistliche Berufung kann jeder Mensch haben.“ Da ist sie: die pallottinische Idee, dass jede/r Katholik/in und jede/r Christ/in zum Apostel berufen ist, in einem Beruf, in der jeweiligen Lebenswelt. Dass die Zahl der Mitglieder seiner eigenen Gemeinschaft im Vergleich zu den Nachkriegsjahren geschrumpft ist, sieht Terhorst daher auch nicht nur negativ: „In den vergangenen Jahrzehnten hätten die Menschen freiheitliche Aspekte im Leben errungen, die es ihnen ermöglichen, geistliche Berufungen in ihrem jeweiligen Lebensstand zu verwirklichen, als Vater, Mutter, als Single, wie auch immer.“ In den Jahrzehnten direkt nach dem Zweiten Weltkrieg sei das nicht so möglich gewesen, jetzt schon. „Das ist doch auch toll“, findet der Bruder. Er sieht daher Berufung auf drei Ebenen: als allgemeine geistliche Berufung, zu der er als Pallottiner jedem helfen will, als Berufung von jungen Menschen zu ihrem eigenen Leben, die er als Lehrer begleitet, und als Beauftragter für Berufungspastoral der Pallottiner. Und in diesem Zusammenhang begleitet er junge Männer, die das pallottinische Leben kennenlernen wollen und „den Gedankengang haben: Wäre das etwas für mich?!“

Zentrale Ansprechpartner
Hier hat Terhorst eine koordinierende Rolle. Egal ob in Salzburg oder Berlin: Wenn jemand dort überlegt, in die Gemeinschaft eintreten zu wollen, ist Matthias Terhorst der zentrale Ansprechpartner, der dann auch schaut, wie kann es vor Ort weitergehen. Und auch wenn im Grunde jeder Pallottiner Menschen auf ihrem Weg begleiten kann, gibt es auch in den Regionen spezielle Ansprechpartner für Berufungen, die der zentralen Frage nachgehen: Was genau braucht und sucht dieser junge Mann?

Mit all diesen Gedanken und Fragen wird Bruder Matthias Terhorst in den 3. Mai gehen und an der gemeinsamen Gebetsvesper um 15 Uhr teilnehmen, zu der das Bistum Münster alle Ordensgemeinschaften eingeladen hat, und vielleicht wird er auch an seine eigene Berufung denken, die ihn in die Pallottinergemeinschaft geführt hat.

Was ist meine Berufung?

Weltgebetstag um geistliche Berufungen

Der Welttag für geistliche Berufungen ist der weltweite jährliche Gebetstag, um geistliche Berufe zum Priestertum und zum gottgeweihtem Leben in der römisch-katholischen Kirche. Er wird am 4. Sonntag in der Osterzeit begangen (Sonntag vom Guten Hirten). Papst Paul VI. führte den „Welttag für die Berufungen” 1964 ein. In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Habt keine Angst“.

Text: Alexander Schweda
Bilder: Arne Böcker (Porträt), Joseph Barrientos Unsplash (Meer)

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