Weihrauch
Weihrauchbaum in Oman
Weihrauchbäume in Salalah, im Oman.
In unserem Dezember-Heft 12/2021 geht es ebenfalls um Düfte. Mit einem Klick auf das Bild bekommen Sie einen "Blick ins Heft".
Weihrauch Duft der Götter

Der Duft der Götter

Was ist eigentlich Weihrauch?

Der Evangelist Matthäus erzählt, dass Weihrauch eines der drei Geburtstagsgeschenke für den neugeborenen Jesus war. Weihrauch war damals ein kostbarer Duftstoff, in den man Könige hüllte. (Daniel 2,46) Er selbst war Zeichen göttlicher Allgegenwart, Duft der Götter.

Weihrauch galt vermutlich deshalb als göttlich, weil unsere Vorfahren ihn zur Heilung von Krankheiten nutzten; Heiligkeit und Heilung gehörten zusammen. Aber was ist eigentlich Weihrauch? Weihrauch ist gereinigtes, gehärtetes Gummiharz aus den verschiedenen Arten des Weihrauchbaumes (Boswellia). Medizinisch unterscheidet man vor allem zwei Sorten: indischen Weihrauch, der von der Weihrauchbaumart Boswellia serrata stammt und arabischen oder afrikanischen Weihrauch, der aus dem Harz von Boswellia sacra gewonnen wird.

Insbesondere der afrikanische Weihrauch ist auch unter dem historischen Namen Olibanum bekannt. Für medizinische Zwecke wird aus dem Harz des indischen Weihrauchs ein Trockenextrakt hergestellt. Als aktive Wirkstoffe gelten die Boswelliasäuren. Im Frühjahr ritzt man die Äste der Weihrauchbäume an, wartet einige Wochen und zieht das ausgeflossene Harz ab. Die erste Ernte gilt als minderwertig, die letzte mit nahezu weißem Olibanum, als beste. Sie ist etwa 15mal so teuer, und der Duft hat ein schweres Zitronenaroma. Das bekannteste Anbaugebiet von Weihrauch sind kalksteinhaltige Gebiete in Ostafrika und im Süden der arabischen Halbinsel sowie in Indien.

Hippokrates reinigte damit Wunden

Hippokrates, der Urvater unserer Medizin, sah Weihrauch als Mittel, um Wunden zu reinigen, gegen Erkrankungen der Atemwege und gegen Verdauungsbeschwerden. Im Mittelalter diente er ebenfalls als Medizin, so bei Hildegard von Bingen. Der persische Arzt Abu Sina empfahl das Harz, um den Geist zu stärken. In der indischen Ayurveda-Medizin wird bereits seit rund 5000 Jahren Weihrauch verwendet, um rheumatische Erkrankungen, Gelenk- und Muskelbeschwerden, Arthritis und Ischialgie zu behandeln.

Weihrauch wird auch von der Parfümindustrie genutzt, es befindet sich zudem in einigen Kosmetikprodukten. Die antiken Ägypter setzten die Heilpflanze zur körperlichen und spirituellen Reinigung ein, insbesondere beim Mumifizieren, und nannten die Harztropfen den „Schweiß der Götter“.

Alternativmediziner weisen heute auf die antientzündliche Wirkung des Weihrauchs hin. Vor allem in der komplementären Onkologie hat Weihrauch einen gewissen Bekanntheitsgrad: Boswelliaextrakte sollen gegen Tumoren, insbesondere Hirntumoren, wirksam sein.

Der Reichtum Sabas

Das biblische Saba war der wichtigste Territorialstaat in Südarabien. Der Reichtum Sabas war Weihrauch, und Saba war die wichtigste Hochkultur des antiken Arabiens: Der Süden Arabiens hatte das Monopol auf Weihrauchharz (und Myrrhe), und die Kulturen des Nahen Ostens und des Mittelmeers begehrten es. Assyrische Texte berichten von Karawanen, die das Olibanum mitbrachten, und die Bibel erzählt, dass die Königin von Saba Geschenke an König Salomon schickte, darunter Weihrauch. Täglich hielten die jüdischen Priester am Altar im Tempel ein Rauchopfer ab. Die Babylonier verbrannten angeblich in ihrem Baaltempel jährlich bis zu 20 Tonnen des Harzes.

In der römischen Republik verdrängte das Weihrauchopfer die Tieropfer an die Götter. Es gab spezielle Gefäße (accerra), in denen die Gläubigen Weihrauchkörner verbrannten und den Göttern dankten. Der römische Staat forderte von seinen Bürgern regelmäßige Opfergaben, um die römischen Gottheiten günstig zu stimmen. Als Zeichen der Treue sollte auch dem Kaiser mit dem Verbrennen von Weihrauch gehuldigt werden. Die frühen Christen lehnten es ab, den Kaiser wie einen Gott zu verehren. Sie wollten nur einen Herrn anbeten: Jesus Christus, den Weltenherrscher. Das war eine Bedrohung für den Römischen Staat mit seinem Kaiserkult.

Im Christentum symbolisiert Weihrauch Reinigung und die Verehrung Gottes, der Rauch das zu Gott aufsteigende Gebet. Das Räucherwerk gehört zur katholischen Messe und zum Stundengebet, zu Prozessionen und der Andacht. Es wird auf die eucharistischen Gaben geschwenkt, auf den Altar, die Priester, das Altarkreuz, die Osterkerze und die Weihnachtskrippe sowie beim Besuch der Sternsinger. Und sein Duft trägt die Seele hinauf in den Himmel.

Text: Vera Novelli

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