Friede des Herzens

Ein Reflexionsimpuls zur Friedensbotschaft von Papst Leo XIV., anlässlich des Weltfriedenstages am 1. Januar 2026, von Gabriella Acerbi

„Der Friede sei mit euch allen: hin zu einem unbewaffneten und entwaffnenden Frieden“ ist das von Papst Leo XIV. für den Weltfriedenstag gewählte Thema. Die Botschaft lädt die gesamte Menschheitsfamilie dazu ein, die Logik der Gewalt, des Krieges und der militärischen Abschreckung abzulehnen, um einen authentischen Frieden wiederzuentdecken, der in Liebe, Gerechtigkeit und Solidarität seine Wurzeln hat.

Der vom Papst vorgeschlagene Frieden ist „unbewaffnet“, weil er nicht auf Drohungen oder der Anhäufung von Waffen basiert, und gleichzeitig „entwaffnend“, da er Konflikte lösen, Vertrauen schaffen und Herzen versöhnen kann. Die Botschaft ruft zur persönlichen und gemeinsamen Verantwortung auf: Es reicht nicht aus, sich Frieden zu wünschen, man muss ihn im Alltag verkörpern – durch einen gewaltfreien Lebensstil, der auf die sichtbaren und strukturellen Wunden unserer Gesellschaften achtet.

Mit einem Hinweis auf dieses auf der Website des Vatikans veröffentlichte Dokument eröffnen auch wir heute unser neues Jahr der „Apostel Heute“.

Frieden leben und verwirklichen – das Jahresthema der pallottinischen Unio für 2026

Zusammen mit dem Generalsekretariat und dem General-Koordinierungsrat der UAC haben wir uns für Frieden als allgemeines Thema für dieses Jahr entschieden. Es ist ein Thema, das viele Aspekte umfasst und deutlich macht, dass es heute mehr denn je notwendig ist, Frieden nicht als etwas zu betrachten, das andere betrifft oder unerreichbar ist, sondern als eine Realität, die in jedem von uns leben kann und muss, weil wir alle daran beteiligt sind, Frieden zu leben und zu verwirklichen.

Aber was können wir tun, um unseren Wunsch nach Frieden zu verwirklichen?

Derzeit gibt es weltweit 56 Konflikte unterschiedlicher Ausdehnung und Intensität, die mehr oder weniger direkt 92 Länder betreffen, während über 100 Millionen Menschen gezwungen waren zu fliehen, um der Gewalt zu entkommen. In dieser katastrophalen Situation ist das Gebet ein Schlüsselwort, das uns helfen kann, zum Frieden beizutragen.

Wir beten jedoch schon seit langem auf verschiedene Weise und zu verschiedenen Anlässen für den Frieden; der Papst erinnert uns ständig daran, aber der Frieden lässt auf sich warten: Er kommt nicht.

Das Gebet kann Menschen verändern

Unser Glaube lässt uns fest vertrauen, dass der Herr seinen Friedensplan dennoch verwirklichen wird, und wir glauben und vertrauen, dass das Gebet Menschen verändern kann – dass es uns selbst verändern kann.

Papst Leo XIV. versichert uns in seiner Ansprache am 28. Oktober 2025 beim Friedensgebet am Kolosseum in Rom, zu dem die Gemeinschaft Sant’Egidio Angehörige verschiedener Religionen aus aller Welt eingeladen hatte: „Wir glauben daran, dass das Gebet die Geschichte der Völker verändert.“ Der Glaube sieht, dass der Wunsch nach Frieden durch unser Gebet Wirklichkeit werden kann.

Kürzlich bin ich auf ein sehr symbolisches Bild gestoßen, das ich hier vorstellen möchte:

Dieses Bild macht uns verständlich, dass der Frieden an einem seidenen Faden hängt. Aber an diesem Faden hängt auch die Familie von Nazareth, die bereit ist, unsere Erfahrungen zu teilen, unsere Erwartungen zu teilen und uns in unserer Situation zu begleiten. Ihre Anwesenheit und ihr Engagement sagen uns, dass wir keine Angst haben brauchen und die Hoffnung nicht verlieren müssen, denn mit ihnen, mit uns, ist Jesus, der einzige Bezugspunkt unseres Lebens.

In dieser Zeit, im Heute unseres Lebens, können wir jedoch mehr unseren Teil beitragen, um Frieden zu schaffen, indem wir gemeinsam beten.

Fügen wir also ein zweites Schlüsselwort hinzu: gemeinsam.

Das ist eine Art zu beten, die zusammenführt, die keine Grenzen und Unterschiede macht und an sich sinnvoll ist, wenn „das Gute vereint und auf ein gemeinsames Ziel hin geordnet ist“, wie der heilige Vinzenz Pallotti im Mai-Aufruf von 1835 sagte (OOCC IV, 122).

Wenn der Friede Christi in unseren Herzen lebt, verändert sich alles!

In dieser ersten Nummer der „Apostel Heute“ des Jahres 2026 wollen wir besonders den Frieden des Herzens betonen.

„Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch; nicht, wie die Welt ihn gibt, gebe ich ihn euch. Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht.“ (Joh 14,27)

Dies sind die Worte Jesu, die uns zeigen, dass das Bedürfnis nach Frieden – nach einem Frieden, der das verwundete Herz beruhigt und belebt – nicht das ist, was wir oder die Welt denken – nein! Es ist ein anderer Frieden: Es ist der Frieden Jesu.

Es ist der Friede, der auf Gemeinschaft – trotz aller Unterschiede –, auf Begegnung, auf Dialog und auf die Offenheit jedes Einzelnen gegenüber dem anderen gründet; auch gegenüber jenem, für den wir bereit sind, ein wenig von uns selbst zu verlieren, uns die Hände schmutzig zu machen, unsere „Gelassenheit“ und unser ruhiges Leben aufzugeben.

Lassen wir den Frieden als Harmonie in uns wachsen – durch Gesten und Worte, Gedanken und Haltungen. Und wenn der Friede Christi in unseren Herzen lebt, verändert sich alles! Die Botschaft zum Weltfriedenstag erinnert uns daran, dass es unsere persönliche und zugleich gemeinsame Verantwortung ist, die Herzen zu versöhnen, und dass dies dadurch geschieht, dass wir im Alltag einen Lebensstil verkörpern, der sich in den Dienst anderer stellt. Hier also ein weiteres Schlüsselwort: dienen.

Dienen ist eine Handlung, die über die bloße Erfüllung der eigenen Pflichten hinausgeht. Es ist ein tiefer Ausdruck von Liebe und Demut. Wenn wir dienen, stellen wir das Wohl anderer über unsere persönlichen Interessen, und dadurch offenbaren wir die wahre Bedeutung menschlicher Größe.

Dienen mindert niemanden; im Gegenteil: Es erhebt die Seele und reinigt das Herz. Wer mit Freude dient, verwandelt seine Umgebung, verbreitet Güte und lässt errichtete Barrieren fallen.

In Vinzenz Pallotti haben wir das Vorbild des Dienens: „allen alles zu werden“ in jedem Moment des Tages; denn in jedem Menschen, dem er begegnete, in jedem Ereignis und unter allen Umständen sah er die Gegenwart Gottes, der die unendliche Liebe ist. Und sein Herz, erfüllt von dieser Gegenwart, war in Frieden: „Mein Gott, mein Gott in allem und immer“ (vgl. OOCC X, 131; 277; 482).

Auch Papst Franziskus forderte uns auf, den Frieden in uns und unter uns real zu machen: „Frieden kann entstehen, wenn wir beginnen, Frieden mit uns selbst zu finden – im Inneren, in unseren Herzen – und mit denen, die uns nahestehen; wenn wir die Hindernisse beseitigen, die uns daran hindern, wenn wir uns um Arme und Notleidende kümmern. (…) Frieden müssen wir leben: Er ist nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern ein sinnvolles Leben, aufgebaut und gelebt in persönlicher Erfüllung und brüderlichem Austausch mit anderen.“ (Papst Franziskus, Treffen mit 137 sogenannten „Schulen des Friedens“ – Bericht in der Zeitung „Avvenire“, Rom, 19. April 2024)

Im Alltag wird es unsere Geduld sein, die den Unterschied machen wird: unsere Fähigkeit zu vergeben und zu verstehen, zu teilen, zuzuhören, zu geben, ohne etwas zu erwarten, Gelegenheiten zur Versöhnung zu schaffen – bis hin dazu, sogar unsere Feinde zu lieben.

Wichtig ist, sich gegenseitig kennenzulernen, um das Positive, das in jedem steckt, zu entdecken; einander zuzuhören und zu verstehen; freundlich aufeinander zuzugehen; auf eventuelle Fehler mit Barmherzigkeit zu schauen; einander zu akzeptieren und so eine gemeinsame Grundlage aus Respekt, Wertschätzung und gegenseitigem Vertrauen aufzubauen.

Ein Programm für unser Leben – dies ist ein weiteres Schlüsselwort und eine Herausforderung für die gesamte pallottinische Familie, zunächst nach innen und dann in ihren Beziehungen zur Außenwelt! Ich glaube, dass wir, um all dies zu sein, nicht vergessen dürfen, wovon der heilige Vinzenz träumte: die Kirche, die ganze Welt mit der Kraft apostolischer Liebe zu erneuern und ein Zeichen der Einheit, der Hoffnung, des Friedens und der Erlösung für alle Männer und Frauen zu werden. Wer kann uns davon abhalten? Wer kann uns im Weg stehen, wenn wir so leben wollen? Niemand – nur wir selbst.

Schlüsselwörter für 2026: Beten, „insieme“ (zusammen), dienen, ein Programm für unser Leben

Beten, „insieme“ (zusammen), dienen, ein Programm für unser Leben: Das sind die Schlüsselwörter, die wir an alle weitergeben, damit wir anfangen, sie zu leben und so Frieden für unsere Herzen finden können.

Ist das nicht das, was wir einander zu Beginn dieses Jahres wünschen?

Möge dieses Jahr 2026 das Geschenk des Friedens bringen: für jede und jeden und für die ganze Welt; inneren Frieden und Frieden in Worten, Absichten und Beziehungen. Wahren Frieden, der anerkannt und wiederhergestellt werden muss.

Vorschläge zum Nachdenken und gemeinsamen Überlegen:

  1. Was können wir tun, um Werkzeuge des Friedens in unserem Alltag zu sein?
  2. Was sagen uns die Erfahrungen, die Pallotti in seinem Leben gemacht hat?
  3. Haben wir Hoffnung auf Frieden?
  4. Vorschlag: Ein tägliches Bekenntnis zum Frieden.
    Lasst uns jeden Tag um 12:00 Uhr mit der ganzen Kirche den „Engel des Herrn“ beten, wo immer wir sind: zu Hause, bei der Arbeit, wo immer wir können, und lasst uns auch ein eigenes Gebet für den Frieden in unseren Herzen anfügen.

Gabriella Acerbi UAC, Präsidentin des Generalkoordinationsrats der pallottinischen Unio
Rom, Italien

Quelle: Apostel heute, Monatliche Reflexion für die Mitglieder der pallottinischen UNIO im Januar 2026, Hrsg.: Union des Katholischen Apostolats (Pallottinische Unio), Rom. Übersetzung: Pater Wolfgang Weiss. Symbolbilder – Taube: velishchuk Adobe Stock; Seidener Faden: Gabriella Acerbi

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Apostel heute erscheint monatlich. Die Impulse stammen von Mitgliedern der pallottinischen Unio aus der ganzen Welt:

Ich erinnere mich daran, dass ich nach dem Besuch im Gefängnis, während ich auf den Bus wartete, geweint habe. Dieser Kontakt hat mein Leben geprägt
Ich denke oft, dass der Chor ein lebendiges Bild der christlichen Gemeinschaft ist
„Jubiläum der Welt der Bildung“ mit dem Thema: “Lasst die Kinder zu mir kommen”

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