Apostel heute – Beitrag von Pater Rory Hanly SAC – „Heiligkeit, ein gemeinsamer Weg“

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Apostel heute

Gebet und Reflexion - Oktober 2018

Heiligkeit – ein gemeinsamer Weg

Die heilige Therese von Lisieux schlägt vor, dass wir uns regelmäßig im Gebet Zeiten in Erinnerung rufen, in denen wir die Gnade Gottes spürten, wie diese uns tief berührte, besonders wenn wir durch Zeiten von Traurigkeit und Dunkelheit gehen, so dass wir immer wieder neu Leben und Inspiration aus solchen Erfahrungen ziehen können, Erfahrungen, die uns helfen, dass wir durch die momentanen Schwierigkeiten getragen werden, sodass wir wieder neu „die Gnade Gottes entfachen, die in uns ist“ (2 Tim,1,6). Am Beginn von Gaudete et Exsultate spricht Papst Franziskus von der Wichtigkeit der „Zeugen …, die uns ermutigen“ (GE 3), ebenfalls in den „Zeichen der Heiligkeit, die uns der Herr durch die einfachsten Glieder“ Seines Volkes schenkt. (GE 8).

Als ich pallottinischer Seminarist in Dublin war, kam der damals neu gewählte Generalrektor, P. Seamus Freeman SAC, zu uns, um mit uns über das pallottinische Charisma zu sprechen. Ich erinnere mich nicht an alle Einzelheiten von dem, was er sagte, aber ich erinnere mich an eine Art Feuer, das in mir entfacht wurde, ein Gefühl, dass dies ’etwas ist, für das ich voller Freude mein Leben geben könnte‘. Er stellte eine wunderbare Vision von christlichem Leben und christlicher Gemeinschaft vor, in der alle als Apostel, Brüder und Schwestern, bezeichnet wurden, in verschiedenen Berufungen und doch gleich in ihrer Würde, einer christlichen Gemeinschaft, in der wir unsere besonderen Talente und Gaben in Gemeinschaft und praktischer Zusammenarbeit miteinander einbringen, um zum Aufbau des Reiches Gottes beizutragen, eine Vision, die sogar über die Gemeinschaft der Christusnachfolger hinausreicht, eine Vision, in der Menschen sogar die Zusammenarbeit mit Menschen guten Willens suchen, gleich welchen Glaubens sie sind oder auch ohne Glauben.
Wenn auch dieses geheimnisvolle Feuer im Laufe der Jahre in seiner Intensität sehr variiert hat, zeitweise sogar mehr „einem glimmenden Docht“ (Jes, 42,3) glich, so hat es mich doch nie wirklich losgelassen. Und es wurde und wird weiterhin genährt und neu entfacht von dieser Anfangserfahrung und weiteren Erfahrungen, einschließlich des einfachen und doch tiefen Zeugnisses in Wort und Leben so vieler Menschen jeglicher Berufung, sowohl innerhalb wie außerhalb der Pallottinischen Familie, die ihr Leben in tiefem Glauben, Menschlichkeit, Integrität und Solidarität im Geiste der Gemeinschaft und der Mitverantwortung leben – in selbstlosem und demütigem Dienst, besonders an den Bedürftigsten und den Verwundbarsten.
Die Unio hat unserer Kirche und unserer Welt so viel anzubieten. Wie das Leben selbst ist sie wesentlich gegründet und aufgebaut auf einer gesunden Beziehung zueinander.
Die grundlegendste Beziehung für jeden von uns ist natürlich unsere Beziehung zu Gott. Alle sind wir in geheimnisvoller Weise in eine Beziehung der Liebe mit Christus hineingezogen worden und durch ihn in eine Beziehung mit dem Vater und dem Geist. In diesen fundamentalen Beziehungen sind wir eingeladen, die unendliche Liebe, die Gott ist, zu kosten und uns von dieser Liebe immer mehr durchdringen zu lassen – in jeder Dimension unserer Person und Menschlichkeit – damit sie die treibende Kraft wird in allem, was wir sind und tun, auch wenn es ein langer und zuweilen schmerzhafter Prozess sein kann. Jede und jeder möge in seiner/ihrer eigenen Art versuchen, den Weg zu erkennen, auf den der Herr sie/ihn ruft, ihm zu folgen (GE 11).

Dieser einzigartige, individuelle Weg kann nicht individualistisch sein, wenn er wahrhaft menschlich und christlich sein soll, sondern er ist immer eingebettet in ein weites Netz von menschlichen Beziehungen, denn die „Heiligung ist ein gemeinschaftlicher Weg, immer zu zweit“ (GE 141). Genauso wie sich „sich niemand allein, als isoliertes Individuum, retten“ kann, so wird auch keiner alleine geheiligt, „sondern Gott zieht uns an, wobei er das komplexe Geflecht zwischenmenschlicher Beziehungen berücksichtigt, das der menschlichen Gemeinschaft innewohnt“ (GE 6).
Für uns als Mitglieder der Vereinigung des Katholischen Apostolates ist dies auf besondere Weise wahr. Unsere menschlichen Beziehungen sollen konkret durchdrungen sein von der Liebe, die das innerste Leben und Sein der Dreifaltigkeit ist (vgl. GenStat 18), wenn wir immer mehr die Verkörperung der Liebe werden, wie sie der heilige Paulus in seiner wundervollen Hymne beschreibt: geduldig, freundlich, vergebend; frei von Neid, Arroganz, Einbildung, Grobheit, Selbstsucht, Reizbarkeit und Aufgebrachtsein. Diese Liebe ist so wesentlich, dass, wo sie fehlt, die Unio aufhört zu existieren, gleichgültig, welche äußeren Strukturen oder Werke da sind (vgl. OOCC III, 137-138).

Das Generalstatut unserer Vereinigung und die Grundstrukturen, die in ihm aufscheinen, zielen darauf ab, das Funktionieren einer Gemeinschaft zu gewährleisten, die in einem sehr realen Sinn diesen Charakteristika von Liebe konkreten Ausdruck verleiht: Demut, Offenheit und Dialog; tiefen Respekt vor den Mitmenschen und Wohlwollen anderen gegenüber; volle Teilnahme aller als selbstverantwortliche Apostel; Geduld und Großmut des Geistes, Einfachheit, Transparenz und Rechtschaffenheit, Zusammenarbeit von Anfang an und Mitverantwortung, Teilhabe am Verständnis und der Leidenschaft für die Mission, Mitgefühl und Treue. Eine Gemeinschaft, die die Würde und Gleichheit aller ihrer Mitglieder erkennt, verkörpert und fördert (GenStat 7, vgl. GenStat 70), unabhängig von je eigener Berufung oder Stand, ohne die Unterschiede zwischen ihnen zu ignorieren, sondern – richtig verstanden und gelebt – jede/jeden in einen weiten, gesunden, stabilen und fruchtbaren Kontext von gegenseitiger Offenheit und Dienst am anderen zu stellen, die jede/jeden in eine neue Art der Beziehung zu den anderen ruft.

„Mitverantwortung verlangt eine Änderung im Bewusstsein … in der Kirche“, so dass niemand angesehen wird als ein bloßer Mitarbeiter, der Pläne in die Tat umsetzt, die andere beschlossen haben; sondern stattdessen werden alle angesehen als Menschen, die wirklich „mitverantwortlich für das Leben und Wirken der Kirche sind“. (vgl. Papst Benedikt XVI., Botschaft am 10. August 2012). Ein grundsätzlicher Aspekt unseres ureigensten Charismas und unserer Sendung ist, aktiv für eine solche Änderung des Geistes in der Kirche zu arbeiten, indem wir die Mitverantwortung aller Getauften fördern. (GenStat 1).
Wir sind als Pallottinische Familie herausgefordert zu lernen, dies auf allen Ebenen zu verinnerlichen und zu leben, konsequent und stark unter uns selbst in allen unseren Beziehungen: unter den Individuen ähnlicher und unterschiedlicher Berufungen und Stände, in den Koordinationsräten der Unio auf allen Ebenen und in den vielen verschiedenen Gemeinschaften der Unio. Das ist Teil unserer DNA als pallottinische Menschen.

Die Versuchung, andere in einer Weise zu behandeln, die nicht einen solchen Geist der Gemeinschaft und der Mitverantwortung widerspiegelt, ist eine, die jedes Mitglied der Unio treffen kann. Dies ist wahr, egal ob wir mit einer besonderen Verantwortung oder einem besonderen Dienst in der Vereinigung betraut sind. Als Mitglied einer der von Vinzenz Pallotti gegründeten Gemeinschaften glaube ich, dass wir besonders darauf achten müssen, wie wir unsere spezifische Verantwortung in der Unio wahrnehmen. Es macht demütig, sich daran zu erinnern, dass die erste Gemeinschaft, die von Vinzenz gegründet wurde, die ganze Unio ist, zu der alle Mitglieder gehören, und dass die besonderen Gemeinschaften erst in der Folge gegründet wurden. Das bedeutet nicht, dass diesen Letzteren etwas von ihrer besonderen Rolle in der Unio weggenommen würde, sondern es lädt uns in der Tat ein, dies zu würdigen und auszuüben in einem größeren Sinn von gemeinsamer Zugehörigkeit zu einer ursprünglichen Familie, in der die verschiedenen Berufungen „so miteinander verbunden sind, dass der eine dem anderen hilft, aufmerksam zu sein, stets zu wachsen und den ihm eigenen Dienst zu leisten“ (GenStat 7).
„Die Glieder des Gesamtwerkes sind trotz ihrer Verschiedenheit einander nicht hierarchisch unter- oder übergeordnet, sondern als gleichberechtigte Träger der Vereinigung unmittelbar auf deren Ziel ausgerichtet. Ordinierte und Nichtordinierte, Einzelmitglieder und gemeinschaftlich Verbundene haben hinsichtlich der Sendung der Vereinigung grundsätzlich dieselbe Verantwortung (Art. 6, 37 GenStat). … In [ihren] Organen, haben die Mitglieder der pallottischen Gemeinschaften grundsätzlich keinen Anspruch auf eine leitende Stellung, sondern sind gleiche unter gleichen (29a, 31, 49, 58 GenStat). (Das Charisma des heiligen Vinzenz Pallotti, Ursprung, Entfaltung, Identität, S. 49-50).

Dies spiegelt ein wesentliches Element der Wahrheit über unser Charisma wider, wie es von der Kirche anerkannt ist. In und durch Papst Franziskus wird die Kirche aufgerufen, sich selbst zu verstehen in Termini, die nicht sehr verschieden davon sind: „Es tut uns gut, uns daran zu erinnern, dass die Kirche keine Elite der Priester, der geweihten Personen, der Bischöfe ist, sondern dass wir alle das heilige, gläubige Gottesvolk bilden. Gottes treues, heiliges Volk ist mit der Gnade des Heiligen Geistes gesalbt. Daher müssen wir beim Nachdenken, Überlegen, Beurteilen, Entscheiden sehr gut auf diese Salbung achten.“ Diejenigen, die eine besondere Verantwortung tragen, sind aufgerufen, immer gemeinsam mit anderen und nie für oder ohne sie zu entscheiden. (vgl. Brief an Kardinal Marc Ouellet, Präsident der Bischofskonferenz für Lateinamerika, 19. März 2016).

Ein mit anderen geteilter tiefer Sinn für Unterscheidung und Verantwortung in der Kirche hätte sicherlich dazu verholfen, Christus-ähnlichere Antworten auf Situationen zu finden, die – wie wir erneut in dieser Zeit sehen – zu solch schrecklichen Verwundungen führten, die häufig die Schwächsten und Verwundbarsten treffen. Papst Franziskus hat die ganze Kirche eingeladen, Wiedergutmachung zu leisten und eine Autorität des Dienstes und der Liebe auszuüben zum Wohl aller. Es ist klar, dass die Unio ihren eigenen wichtigen Anteil leisten muss, eine heile, Christus-zentrierte Kirche und eine bessere Welt zu bauen. Bitten wir Gott, durch die Fürsprache Marias, der Königin der Apostel, und des heiligen Vinzenz Pallotti, die Augen unserer Herzen zu erleuchten, so dass wir sehen können, welche Hoffnung Sein Ruf für uns als Unio und für die Kirche und Welt bereithält. Möge das Feuer des Charismas, das uns durch den heiligen Vinzenz anvertraut wurde, in uns angefacht und hell zum Leuchten gebracht werden, sodass wir, vereint als eine Familie, für den Gott der unendlichen Liebe Zeugnis ablegen und uns gemeinsam verpflichten, diese Liebe auf jede Weise zu leben und besonders denen zu bringen, die verloren, gebrochen und leidend sind. Mögen wir von allem in uns befreit sein, das Liebe, gegenseitigen Respekt und Zuneigung unterminiert und Spaltung verursacht; so möge unsere Energie frei sein, mit ganzem Herzen als Individuen und als Familie für nichts anderes als den Aufbau und die Ausbreitung von Gottes Reich des Guten und der Heiligkeit, der Barmherzigkeit, Gerechtigkeit und Solidarität zu arbeiten.

Für persönliche und gemeinsame Reflexion und Gebet:
1.Waren Sie besonders berührt von einem Gefühl für das Charisma? Beten Sie für das Charisma, das ein Geschenk von Gottes Geist ist, damit es in Ihnen, in Ihrer Gemeinschaft und in der Unio als Ganzer erneuert und vertieft werde.
2.„Daran werden alle erkennen, dass Ihr meine Jünger seid: wenn Ihr einander liebt.“ (Joh 13,35). Was schwächt das Zeugnis unter uns und was können wir tun, damit es in der Praxis vertieft und gestärkt werde?
3.Auf welche Weise verstehe und verfolge ich meinen Weg zur Heiligkeit in allzu individualistischer Art? Auf welche Weise habe ich den Reichtum erfahren, der auf dem Weg zur Heiligkeit in Gemeinsamkeit mit anderen erwächst?

P. Rory Hanly SAC,
Rom

Segretariato Generale, Unione dell’Apostolato Cattolico
Piazza San Vincenzo Pallotti 204, 00187 Roma, Italia, uac@uniopal.org

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2018-10-30T16:44:06+00:00