Im Gedenken

Pater Dr. Werner Weicht SAC

Am 23. August 2026 verstarb in den ersten Nachtstunden im Haus St. Vinzenz Pallotti in Immenstaad am Bodensee unser Mitbruder Pater Dr. Werner Weicht SAC. Er wurde 90 Jahre alt, war 67 Jahre Pallottiner und 63 Jahre Priester.

Werner Weicht wird am 1. August 1936 als erstes von fünf Kindern des Bürovorstehers Franz Weicht und seiner Frau Hedwig, geborene Beständig, in Leobschütz (Oberschlesien) geboren. Acht Tage später empfängt er in der dortigen Stadtpfarrkirche die Taufe. Hier verbringt er seine Kindheit, besucht den Kindergarten und die Schule, bis er am 4. Februar 1945 mit seiner Mutter und den beiden Geschwistern Eva Maria und Franz vor der nahenden russischen Kriegsfront nach Raab im Kreis Schärding am Inn in Österreich flüchten muss. Seit dem Ende des Krieges befindet sich sein Vater in Kriegsgefangenschaft, kann aber schon am 15. Juni 1945 zu seiner Familie stoßen. Im Oktober 1946 wird die Familie aus Österreich ausgewiesen und findet schließlich nach verschiedenen Zwangseinweisungen an unterschiedlichen Orten bei Bauern und Privatleuten in Fellbach bei Stuttgart ein neues Zuhause. Hier werden die Geschwister Norbert und Monika geboren. Die Eltern leben hier bis ins hohe Alter.

Ab 1948 besucht Werner auf Vermittlung des Fellbacher Stadtpfarrers die Missionsschule der Pallottiner St. Bernhard in Schwäbisch Gmünd und findet nach der Quinta Aufnahme im St. Paulusheim der Pallottiner in Bruchsal, wo er 1957 erfolgreich die Reifeprüfung ablegt. Durch das Lesen von Missionsbüchern, die im Herder Verlag in der Reihe „Aus fernen Ländern“ erschienen sind, wächst in Werner der Wunsch, in die Mission zu gehen. Er entschließt sich Pallottiner zu werden und beginnt in Untermerzbach am 1. Mai 1957 das zweijährige Noviziat. Hier beginnt er auch mit dem Philosophiestudium und legt am 1. Mai 1959 die erste Profess ab. Ein Jahr später überrascht ihn der damalige Provinzial P. Sittenauer in Untermerzbach mit der Nachricht, ihn zum weiteren Studium nach Rom zu schicken. Die vorgebrachten Bedenken, er fühle sich für eine wissenschaftliche Laufbahn nicht geeignet, überzeugen die Oberen nicht. Nach begonnenem Theologiestudium an der Theologischen Hochschule in Vallendar, wechselt Werner Weicht an die Päpstliche Universität Gregoriana nach Rom, wo er 1964 das Lizenziat in Theologie erwirbt und schließlich 1969 mit der Arbeit „Die dem Lamme folgen – Eine Untersuchung der Auslegung von Apokalypse 14, 1-5 seit 1880“ zum Doktor der Theologie promoviert. Zwischenzeitlich hat er 1962 in Rom die ewige Profess abgelegt und am 14. Juli 1963 in Augsburg-Hochzoll in der Kirche Heilig Geist durch Weihbischof Zimmermann die Priesterweihe empfangen. Nach seiner Rückkehr aus Rom wird er zum Herbst 1969 Dozent an der Philosophischen Hochschule der Pallottiner in Untermerzbach, zeitweise auch Studiensekretär und Bibliothekar. Er hilft gerne in der Seelsorge aus, zehn Jahre lang in Rothenkirchen im Frankenwald. 1980 ernennt ihn Provinzial P. Dr. Juritsch zum Professor für verbindende Themen von Philosophie und Theologie. Als P. Dr. Böckenhoff, bisher Philosophieprofessor und Geschäftsführer des Bildungshauses Untermerzbach, in die Mission nach Indien entsandt wird, übernimmt P. Weicht dessen Aufgaben. Zusätzlich leitet er bis 1983 das Süddeutsche Pilgerbüro der Pallottiner. Als 1985 der Hochschulbetrieb in Untermerzbach ruhend gestellt wird, übernimmt P. Weicht bis 1993 als Rektor die Leitung unserer Niederlassung in München-Bogenhausen und wirkt in der Erzdiözese München und Freising als Referent in der Erwachsenbildung. In den 1970er und 80er Jahren nimmt er mehrmals als Dolmetscher und Sekretär an Generalversammlungen der Gemeinschaft in Rom teil, vertritt die Ordensleute im Priesterrat der Erzdiözese Bamberg und engagiert sich als Geistlicher Assistent verschiedener Diözesanausschüsse in den Erzdiözesen Bamberg und München. Seit Februar 1994 gehört er wieder zur Hausgemeinschaft in Untermerzbach. Neben der Seelsorgeaushilfe in verschiedenen Pfarreien, überträgt ihm Provinzial P. Danko vor allem die Verantwortung für die Vorbereitung des Seligsprechungsprozesses des Pallottinerpaters Franz Reinisch, die intensive Forschungsarbeit erfordert. Franz Reinisch war 1942 in Brandenburg enthauptet worden, weil er den Fahneneid auf Adolf Hitler aus religiöser Überzeugung verweigert hat. P. Weicht hat sich hier unschätzbare Verdienste erworben, vor allem durch das Sichern des Nachlasses und die Vernehmung von damals noch lebenden Zeitzeugen. Die Gemeinschaft bleibt ihm hierfür zu großem Dank verpflichtet. Leider hat sich der Wunsch, die Seligsprechung von P. Reinisch zu erleben, nicht erfüllt.

Zusätzlich zu dieser Arbeit beginnt Pater Weicht mit der Durchführung von Einkehrtagen in ausgewählten Pfarreien. Schließlich übernimmt er zum 1. September 1999 als Pfarradministrator die Seelsorge in der Pfarrei St. Wolfgang in Kaltenbrunn im Itzgrund. In den Jahren 2001 und 2002 ringt er mit einer Krebserkrankung, kann aber durch die Umsicht seines Hausarztes nach einer intensiven Chemotherapie und mehreren Operationen geheilt werden. Durch den Tod des Nachbarpfarrers erweitert sich das Aufgabengebiet in der Seelsorge. Erzbischof Schick ernennt P. Weicht zum 1. September 2006 zum Leitenden Pfarrer von Seßlach, im gleichen Jahr zum Geistlichen Assistenten des Dekanatsrats Coburg. Sein Wirken in der Erzdiözese Bamberg wird mit der Ernennung zum Erzbischöflichen Geistlichen Rat gewürdigt. Zum 31. August 2007 übersiedelt P. Weicht nach der Auflösung der Niederlassung in Untermerzbach auf den Hersberg an den Bodensee. Hier übernimmt er von 2008 bis 2014 das Amt des Rektors, von 2014 bis 2017 ist er Vizerektor der örtlichen Kommunität. Darüber hinaus gilt seine Sorge vor allem den älteren Mitbrüdern, die in der Seniorenstation des Hauses St. Vinzenz Pallotti ihren Lebensabend verbringen. Als seine eigenen Kräfte nachlassen, übergibt er diese Aufgabe an einen jüngeren Mitbruder und begibt sich selbst in die Fürsorge dieses Hauses, wo sich sein Leben in den Nachstunden des 23. August 2026, kurz nach seinem 90. Geburtstag, vollendet hat.

Mit Pater Dr. Werner Weicht verlieren wir einen freundlichen und gebildeten Mitbruder, der eher still und dennoch wach war für die Menschen um ihn herum und die Strömungen der Zeit. Die Beschäftigung mit dem Lebenszeugnis von Pater Franz Reinisch hat sein Leben geprägt. Er blieb nachdenklich bis ins hohe Alter. So bittet er 2024 den Provinzial seinen Namenstag wechseln zu dürfen, weil er in der Verehrung des Werner von Oberwesel antisemitische Ursprünge zu erkennen glaubte. Fortan feierte er lieber den Himmeroder Prior Werner, einen seligen Mönch aus der Eifel.

Pater Weicht war dankbar für alle Hilfe, die ihm im Alter zuteil wurde. Den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus St. Vinzenz Pallotti in Immenstaad gebührt herzlicher Dank für die einfühlsame Betreuung und Pflege.

Wir empfehlen unseren Mitbruder der unendlichen Liebe Gottes.

Das Requiem für den Verstorbenen Pater Dr. Werner Weicht SAC halten wir am Freitag, den 28. August 2026 um 13.00 Uhr in der Kapelle von Schloss Hersberg St. Josef in Immenstaad am Bodensee. Anschließend findet die Beisetzung auf dem Friedhof der Gemeinschaft statt. Priester, die konzelebrieren wollen, werden gebeten, Schultertuch, Albe und Stola mitzubringen.

Zuvor besteht um 11:30 Uhr die Gelegenheit zum Mittagessen. Dazu erbitten wir Anmeldung unter der Telefonnummer.: +49 (0) 7545.93 50

Anstelle zugedachter Kranzspenden erbitten wir im Sinne des Verstorbenen eine Spende für die missionarischen Aufgaben unserer Gemeinschaft (Pallottiner KdöR, Stichwort „Mission“, Pax-Bank für Kirche und Caritas eG, IBAN DE41 3706 0193 1053 3930 00). Vielen Dank.

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