„Erzählen Sie frei heraus, wo der Schuh drückt“

Pater Friedel Weiland wollte Fußballer werden – mit 25 Jahren ließ er sich zum Priester weihen

Eigentlich wollte Friedel Fußballer werden. Er hatte als Bub in seinem damaligen Wohnort Engers, heute ein Stadtteil von Neuwied, den Weltmeister von 1954, Fritz Walter, spielen sehen. Doch seine Mutter, die drei Kinder zur Welt gebracht hatte, war früh gestorben, sodass der Vater 1955 dem ältesten seiner drei Kinder auftrug: „Du gehst ins Hermann-Josef-Kolleg der Pallottiner nach Rheinbach und verpflichtest dich, Pallottinerpater zu werden.“ Friedrich Weiland erschrak, fügte sich letztlich aber, zumal dort in den Gymnasialklassen viele Fußballspiele ausgetragen wurden. Dabei traf er auch auf Wolfgang Overath, einen Jahrgangskameraden aus Siegburg.

Die Biografien hätten kaum unterschiedlicher verlaufen können. Overath wurde 1974 Fußballweltmeister, Weiland war fünf Jahre zuvor im Alter von 25 Jahren zum Priester geweiht worden. Am 20. Juli wird er 83 Jahre alt. Seit sieben Monaten ist er der Neue im Limburger Missionshaus und feiert Gottesdienste in der Pallottinerkirche sowie bei den Pallottinerinnen von Marienborn. Pater Friedel Weiland erlebt nun die Ernte eines reichhaltigen Priesterlebens, das er bis heute nicht bereut.

Von Eberswalde an die Hochschule nach Vallendar

Geboren in Eberswalde in der Mark Brandenburg, flüchtete er nach dem Krieg mit seiner Mutter, seiner Großmutter und seiner Schwester vor den Russen nach Krefeld, in die Heimat seiner Mutter. Später zog die Familie nach Engers, wo der Vater in einer Bimsfabrik bei Neuwied Arbeit fand und Friedel aus dessen zweiter Ehe zwei Brüder bekam.

Nach dem Abitur studierte Friedel Weiland bei den Pallottinern in Olpe und Vallendar Philosophie und Theologie. Nach seiner Pastoralausbildung in Friedberg bei Augsburg absolvierte er ein weiteres Studium der Katechetik und Religionspädagogik in München. Anschließend erhielt Weiland einen Lehrauftrag an der Theologischen Hochschule in Vallendar. Er wurde Regens an der Hochschule und war am Aufbauprogramm „Seelsorgliche Beratung“ des Theologisch-Pastoralen Instituts in Würzburg beteiligt.

Hochschulpatres waren gute Fußballspieler. Vorne links Pater Friedel Weiland.

Freischaffender Künstler im Reich Gottes

1981 wurde er Rektor der Niederlassung der Pallottiner mit Gymnasium und Internat in Rheinbach, 1984 Rektor der Hochschule in Vallendar. In Stuttgart und Köln absolvierte er eine Zusatzausbildung in pastoraler Supervision. Er war Schulseelsorger in Rheinbach und nach einer weiteren Ausbildung Krankenhausseelsorger in Bensberg.

Von 1996 bis 2001 folgten Einsätze in der Exerzitienbegleitung, der pastoralen Supervision, der geistlichen Begleitung und Beichtseelsorge, im Hospizbereich sowie in Ordensgemeinschaften. Auch nach seiner achtjährigen Tätigkeit als Direktor des Exerzitienhauses der Erzdiözese Köln in Siegburg, die 2009 endete, und seinem offiziellen Eintritt in den Ruhestand war Pater Weiland noch in mehreren Einrichtungen als geistlicher Begleiter und Seelsorger tätig.

„Im Ruhestand sehe ich mich nun als freischaffenden Künstler im Reich Gottes“, sagt der Senior. Einst wurde er von dem legendären Jesuitenpater Leppich beeinflusst, der dazu aufforderte, „so von Gott zu sprechen, dass viele mir zuhören“.

Manches Mal habe er um seine Berufung ringen müssen, sagt Pater Friedel Weiland. „Ich war als Schüler in ein Mädchen vom Mädchengymnasium verliebt und habe mich von Zeit zu Zeit prüfen müssen. Aber ich wollte ehrlich bleiben und habe mich für den Habit, die Ordenstracht, entschieden.“
Weil er weiß, wie das ist, habe er seine überraschten Priesterkandidaten mit der Frage konfrontiert: „Hast du dich schon einmal verliebt? Wenn du die Gefühle nicht kennst, weißt du nicht, worauf du verzichtest.“ Pater Weiland sagt über sich selbst: „Den Zugewinn an Glück habe ich durch meine Berufsfelder gefunden.“

Leidenschaftlich habe er Trompete gespielt, sagt er. Sein Instrument habe er nach Limburg mitgebracht, dort aber noch keinen „Tatort“ gefunden. Viele, die ihn von früher kennen, nehmen noch heute seine telefonische Seelsorge in Anspruch. „Ich möchte keine Auflistung der Zehn Gebote hören“, sagt der Gottesmann und richtet an sein Gegenüber die Bitte: „Erzählen Sie es so, wie Sie es Ihrem Friseur sagen würden – also frei heraus, wo der Schuh drückt.“

Schwarzweiß-Foto aus dem Fotoalbum: Pater Friedel Weiland im Porträt - Früher spielte er leidenschaftlich gerne Trompete.

Bericht und Bilder: Dieter Fluck

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