Der Glaube an den gekreuzigten und auferstanden Christus war gerade für Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft wenig galten, ein Aufbruch in eine neue Gemeinschaft, in der alle durch die Verbindung mit Christus als Brüder und Schwestern gleichwertig zusammenlebten.

Auch aus diesem Heft:

Die Kleinen Schwestern Jesu sind eine katholische Gemeinschaft, die – wie auch die Kleinen Brüder Jesu – im 20. Jahrhundert gegründet wurde.
Die Politik war ihr Arbeitsfeld, die Kirche ihre Heimat

Starke Frauen im Urchristentum

„Ich empfehle Euch aber unsere Schwester Phöbe,… “, so steht im Römerbrief 16,1-2. Bereits Paulus formulierte seine Wertschätzung gegenüber Frauen und ihre wichtige Rolle bei der Verbreitung des Glaubens.

Die ersten schriftlichen Zeugnisse aus den Urgemeinden der Christenheit stammen vom Apostel Paulus. Nach seiner Erkenntnis, dass nur der Glaube an den gekreuzigten und auferstandenen Christus die wahre Fortführung des jüdischen Glaubens sein kann, war er unermüdlich unterwegs, um dieses Evangelium zu verkünden. Er selbst hat einige christliche Gemeinden gegründet und war mit schon bestehenden Gemeinden in brieflichem Kontakt. Immer wieder erwähnte er seine Mitarbeiter und eben auch seine Mitarbeiterinnen, deren Wirken er sehr schätzte und für deren Unterstützung und Hilfe er sich auch oft bedankte, denn „Sie nehmen viel Mühe auf sich, um die Botschaft von Jesus Christus zu verbreiten“. So erfahren wir aus dem Korintherbrief, dass er mit dem Ehepaar Priska und Aquila in Korinth eine Gemeinde aufgebaut hat. Beide sind verantwortlich für den Glauben und das Leben in der Hausgemeinde und das bedeutet, dass Priska nicht nur die Frau von Aquila war, sondern eine wesentliche Rolle beim Aufbau der Gemeinde gespielt hat (1 Kor 16,19).

Zu der Gemeinde in Philippi hatte Paulus eine besondere Beziehung, denn sie war die erste christliche Gemeinschaft, die durch ihn auf europäischem Boden entstand. In der Apostelgeschichte lesen wir, dass Paulus in Philippi auf Lydia (Apg 16,14), eine Purpurhändlerin traf, die ihn und seinen Begleiter in ihr Haus aufnahm und sich dann mit ihrem ganzen Haus taufen ließ. In ihrem Haus entsteht dann die erste Gemeinde in Philippi.

Menschen, die in den Schriften des Neuen Testamentes namentlich genannt werden, so wie Lydia und andere Frauen, haben entweder eine besondere Position oder sind durch ihr Wirken über den persönlichen Lebenskreis hinaus vielen damaligen Gemeinden bekannt. So grüßt Paulus im Brief an die Gemeinde in Rom (Röm 16,1-24) viele Frauen und Männer, die in der Gemeinde in Rom leben, dort bekannt sind oder mit diesen Menschen verbunden waren. Die erste, die Paulus nennt ist Phöbe, die Diakonin der Gemeinde von Kenchreä. Nach den neuesten Erkenntnissen der Exegese gab es in den Urgemeinden nicht nur männliche Diakone, sondern auch Frauen, die dieses Amt innehatten und ausführten. Wiederum hören wir von Priska und Aquila, die ihr eigenes Leben für Paulus aufs Spiel gesetzt haben. Darüber hinaus werden viele Leiterinnen von Hausgemeinden genannt. Paulus schickt auch Grüße an Andronikus und Junia, die er als Apostel bezeichnet. Sie waren schon vor Paulus in der Verkündigung des Evangeliums unterwegs und saßen mit ihm im Gefängnis.

Gemeinsam und auf Augenhöhe

Paulus, der ja lange Zeit als der galt, der Frauen geringschätzt, kennt also in seiner Tätigkeit als Missionar viele Frauen, die wie er missionarisch tätig sind, die Hausgemeinden leiten – vermutlich auch den Hausgottesdiensten vorstanden – und sich um die sozialen Probleme der Gemeindemitglieder sorgten. Der Glaube an den gekreuzigten und auferstanden Christus war gerade für Frauen, die in der patriarchalen Gesellschaft wenig galten, ein Aufbruch in eine neue Gemeinschaft, in der alle durch die Verbindung mit Christus als Brüder und Schwestern gleichwertig zusammenlebten. Man erwartete die Wiederkunft des Herrn, und das löste die geltenden Unterschiede auf, „denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus“ (Gal 3,27-28). Diese Taufformel im Galaterbrief besagt, dass alle Menschen im Glauben an Christus gleichwertig sind, es gibt keine Ober- und Unterordnung, es gibt nicht mehr oder weniger Würde und nicht mehr oder weniger Rechte. Jeder und jede bringt sich mit seinen / ihren Geistesgaben in die christliche Gemeinschaft ein.

Am Anfang der Kirche war der Aufbau und die Verbreitung des Evangeliums geprägt durch die partnerschaftliche Zusammenarbeit von Männern und Frauen.

Der Wind dreht sich

Erst, als die Erwartung, dass der Herr bald wiederkommt, immer wieder enttäuscht wurde, passten sich die gemeindlichen Strukturen den damaligen Gesellschaftsstrukturen an. Denn man musste sich ja vermutlich auf längere Zeit einrichten und das gelang nur, wenn man mit der Umwelt Kompromisse schließen konnte, damit die Gemeinden anschlussfähig wurden. So entstanden Ämter und Aufgaben und Ober- und Unterordnung. Damit wurde auch der Platz der Frauen wieder begrenzt: „eine Frau soll sich still und in aller Unterordnung belehren lassen. Dass eine Frau lehrt, erlaube ich nicht…“ (1 Thim 2,11). Dieser Brief stammt nicht von Paulus, sondern von einem seiner Nachfolger und zeigt, in welche Richtung sich die christliche Gemeinschaft entwickeln will: angepasst an die Verhaltensweisen der damaligen Gesellschaft.

Die Zeiten haben sich geändert. Die Kirche hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder neu aufgestellt und sich dabei auch an der Botschaft Jesu Christi orientiert. Wäre es heute nicht ein Zeichen der Zeit die Taufformel, die uns im Galaterbrief überliefert wurde in gleichwertige Strukturen umzusetzen, um die Kraft und Stärke aller Geistesgaben zum Aufbau der Kirche sinnvoll einzusetzen? Denn die starken Frauen der Urkirche haben einen großen Anteil daran, dass wir heute noch an das Evangelium glauben.

Gertrud Brem

ist dem „zeichen“ als Autorin schon lange verbunden. Ausbildung zur Erzieherin, Studium der kath. Theologie, Ausbildungen in Gemeindeberatung und Gestaltseelsorge.

Bild: Penta Springs/Alamy

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