Ein Christbaum im Februar?
Der 2. Februar, das „Fest der Darstellung des Herrn“, oft noch veraltet „Mariä Lichtmess“ genannt, bringt 40 Tage nach Weihnachten noch mal dessen Festgeheimnis zum Leuchten. So kompliziert die Geschichte und der Name des Festes ist, so einfach und wohltuend ist seine Botschaft.
Wer wird Sieger sein? Uli Hoeneß oder seine Frau? Der FC-Bayern-Ehrenpräsident beleuchtet seit Jahren eine riesige Tanne auf seinem Anwesen oberhalb von Bad Wiessee zur Freude vieler Einheimischer und Touristen. Zum Hintergrund gab er Ende November 2025 der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ ein Interview. Eine Frage lautete: „Bis zu welchem Datum lassen Sie den Baum draußen leuchten?“. Hoeneß antwortet: „Wenn er nach Dreikönig nicht mehr leuchtet, habe ich mich durchgesetzt. Wenn er bis Mariä Lichtmess leuchtet, meine Frau.“
Jüngere Leute wird das irritieren. Dreikönig (6. Januar, Epiphanie) hat ja noch etwas mit der Weihnachtszeit zu tun, obschon viele da ihren Christbaum schon entsorgt haben. Aber warum einen Christbaum leuchten lassen bis zum 2. Februar? Da ist doch bald Fastnacht!
Wer die katholische Tradition kennt, weiß, dass früher die Weihnachtszeit bis zum 2. Februar dauerte, dem Fest der „Darstellung des Herrn“. Warum es auch „Maria Lichtmess“ genannt wurde oder wird, hat auch seinen Grund.
Alte Tradition: Lichterprozessionen
Ungefähr 40 Tage nach Weihnachten wird an diesem Tag das Evangelium des Lukas gelesen, wo er erzählt, dass Maria und Josef nach jüdischem Brauch das Jesuskind in den Tempel bringen, um es dem Herrn „zu weihen“. (Lukas 2,22-29). Das war für alle erstgeborenen Buben so vorgeschrieben. Weil einfache Leute, brachten sie als Opfergabe zwei Tauben mit; also keine Schafe oder gar Rinder. Da taucht der greise Simeon auf und ist überglücklich, das Kind zu sehen. Er erkennt in ihm den erwarteten Messias, nennt Jesus „Licht zur Erleuchtung der Heiden und Herrlichkeit für sein Volk Israel“. Das Jubelgebet, das er da spricht, hat die Kirche in ihr tägliches Nachtgebet (Komplet) aufgenommen. Und Lukas erzählt auch noch von der hochbetagten Prophetin Hanna, die diese Szene miterlebt. Deshalb sprechen Prediger heute an diesem Fest zuweilen gerne von der Bedeutung alter Menschen für den Halt, den christlicher Glaube gibt, und für dessen Weitergabe gerade auch durch die Großeltern.
Aus einem Bericht der Pilgerin Ätheria Ende des 4. Jahrhunderts weiß man, dass man im Heiligen Land am 40. Tag nach dem Fest der Geburt Christi von Betlehem nach Jerusalem zog. Hier verknüpft sich antikes Brauchtum, einem Herrscher entgegenzugehen, mit der Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem. Aus praktischen und spirituellen Gründen kamen im 5. Jahrhundert Kerzen in diese Prozession. Und jetzt nannte man im Osten den Tag auch gerne „Fest der Begegnung“ (Jesu mit Simeon und Hanna, also mit seinem Volk).
In Rom gibt es ebenfalls am 2. Februar eine Lichterprozession, deren Wurzel eine antike Stadtprozession ist. Sie wurde mit der Zeit sozusagen christianisiert. Dass die Kerzen, die bei der Prozession mitgetragen werden, später dann überhaupt alle Kerzen, die im Laufe des Jahres in einer Kirche gebraucht werden, gesegnet werden, dieser Brauch kommt kurz vor der Jahrtausendwende in Gallien auf.
Was verbirgt sich hinter „Mariä Lichtmess“?
Zurück in den Tempel von Jerusalem. Der Gang von Maria und Josef hatte neben der „Darstellung“ oder „Heiligung des Erstgeborenen“ noch einen anderen Grund. Nach dem Gesetz des Mose war eine Frau nach einer Geburt „unrein“ und wurde nach 40 Tagen wieder in die volle (Gebets-)Gemeinschaft aufgenommen. Betagte Katholikinnen erinnern sich noch an einen entsprechenden Ritus, den die katholische Kirche bis Mitte des 20. Jahrhunderts pflegte (vermutlich ohne, dass die jungen Mütter wussten, welchen geschichtlichen Sinn und Hintergrund dieses Gebet vor dem Altar hatte).
Mit der wachsenden Marienverehrung kam die Mutter Jesu mit der Zeit mehr und mehr in den Blick und der Name des 2. Februar lautete plötzlich „Mariä Lichtmess“. Will heißen: Wir feiern die Heilige Messe in Erinnerung an Maria, die zu ihrer „Reinigung“ in den Tempel ging und zusammen mit Josef Jesus „darstellte / heiligte“. Diesen Jesus erkennt Simeon als das „Licht der Welt“. Und zur Prozession in diesem Gottesdienst trägt man gesegnete Kerzen in den Händen. So kann man den Titel „Maria Lichtmess“, der sich vielerorts hartnäckig hält, nicht allein bei Familie Hoeneß, erklären.
Die Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Ende der 1960er Jahre den Blick wieder ganz auf Jesus Christus gelenkt und zählt den 2. Februar zu den „Herrenfesten“. Denn es geht um Jesus Christus, der als der Messias, als das „Licht zur Erleuchtung der Heiden“ erkannt und gepriesen wird.
Diese Licht-Thematik ist dem Menschen von heute nahe. Dass die weihnachtliche Zeit bis zum 2. Februar dauern soll, das dürfte vielen fern sein. Heute feiert man die weihnachtliche Zeit eher vierzig Tage vor dem Fest als danach. Dass die Botschaft von Weihnachten Anfang Februar nochmals mit aller Deutlichkeit ein Fest hat, das dürfte aber auch heute die Herzen der Menschen erreichen. Die Botschaft lautet: Mitten in allem Dunkel der Welt und des je persönlichen Lebens, das Krankheit und Tod, Entzweiung und Verletzung, Einsamkeit und Enttäuschung, Schuld und Verbitterung kennt, gibt es ein heilendes und wärmendes Licht, gibt es Segen und Heil: in der Person Jesu Christi, der als Sohn Gottes in unsere Welt gekommen ist, der in göttlicher Freundschaft unser Leben begleitet.
Zum Fest der „Darstellung des Herrn“ passt gut ein Gebet aus dem Messbuch (Gabengebete zur Auswahl Nr.7). Da heißt es, dass im Sohn Gottes der Welt ein Licht aufgeleuchtet ist, „das unserem irdischen Leben den Weg weist.“ Es folgt die Bitte: „Lass uns in der Feier seines Opfers das göttliche Leben empfangen, damit wir selbst Licht werden für die Welt.“
P. Alexander Holzbach
war fast 30 Jahre Chefredakteur der Pallottiner-Zeitschriften „das zeichen“ und „Pallottis Werk“. Heute ist er Rektor des Missionshaus der Pallottiner in Limburg.
PS: Ich hoffe natürlich, dass sich Frau Hoeneß in Bad Wiessee durchsetzt
Bild: EDolzan photography/AdobeStock
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