Das Bambino des Hl. Vincenzo Pallotti

„Eines der anziehendsten Geheimnisse unseres Glaubens“

Vinzenz Pallotti feierte acht Tage lang Epiphanie

Am 6. Januar feiert die Kirche das Fest „Epiphanie“. Hinter dem griechischen Wort für „Erscheinung“ („epiphaneia“) verbirgt sich die Freude, dass Gott in Jesus als Mensch erschienen ist. Dem Römer Vinzenz Pallotti war dieses Fest besonders wichtig.

Feste zu feiern, hat ganz verschiedene Gründe und ganz verschiedene Weisen. Feste feiern zeigt immer auch, wie Menschen denken, welche Ideen sie haben, was ihnen wichtig ist. Einer Gruppe von Menschen im zweiten Viertel des 19. Jahrhunderts in Rom war Epiphanie besonders wichtig geworden. Ihr Vordenker war Vinzenz Pallotti.
Schade, dachte er, dass Epiphanie im Leben der Leute kaum eine Rolle spielt. Die Liturgie feiert das Fest, aber in den Familien bringt die Fee Befana (Fachleute meinen, der Name sei eine Verballhornung von Epiphania) den Kindern Geschenke. Dabei ist Epiphanie „eines der anziehendsten Geheimnisse unseres Glaubens“, schreibt Vinzenz Pallotti einmal.
Es kommt das Jahr 1835. Der 40-jährige Priester Vinzenz Pallotti wird Rektor an der neapolitanischen Nationalkirche Santo Spirito. Mit dem Amt war eine Amtswohnung verbunden – und diese wird zur bescheidenen Zentrale der „Vereinigung des Katholischen Apostolates“. Was steckte dahinter?

Zur Vorgeschichte: In Vinzenz Pallotti war die Überzeugung herangereift, dass nicht allein die Weiheämter in der Kirche mit einem eindeutigen Auftrag verbunden sind, sondern jede Taufe. In diesem Geist arbeitet er und es entsteht um ihn eine Gruppe von aktiven Katholiken Roms – Laien, Priester, Ordensleute –, die sich zur „Vereinigung des Katholischen Apostolates“ zusammenschließen. Der heute etwas fremd wirkende Vereinstitel meint: alle Mitglieder sind sich bewusst, aktiv an der Sendung (Mission) der Kirche mitzuwirken. Wie das geschah, soll hier nicht interessieren.
Was hier interessiert, ist, dass jeder Verein eine Darstellung seiner Idee braucht und ein Fest, um diese zu feiern. Damit sind wir wieder bei Epiphanie. In der Rektoratswohnung von Santo Spirito macht sich der Vorstand also Gedanken und setzt dann einen fulminanten Einfall Vinzenz Pallottis um.

Die Oktav als Event

Die Idee Pallottis war es nun, die Epiphanieoktav in Santo Spirito festlich zu begehen. Obgleich es sie im liturgischen Kalender zu Weihnachten und Ostern noch gibt, gibt es heute kein Lebensgefühl für eine Oktav mehr. Wir feiern Feste eher vorher als acht Tage lang nachher. Damals aber gab es eben noch die Epiphanieoktav und sie sollte das Aushängeschild der „Vereinigung des Katholischen Apostolates“ werden. Die Festwoche ließ das Organisationsvermögen der Vereinigung und ihre Philosophie bestens aufscheinen.

Mit der Feier 1836 wurden die wesentlichen Züge grundgelegt, die bis 1969 (damals wurde im Zuge der Liturgiereform die Oktav zu Epiphanie abgeschafft) durchgehalten wurden. Acht Tage lang Gottesdienste in lateinischen und orientalischen Riten, Predigten auf Italienisch, Spanisch, Englisch und Französisch. Großartig aufgezogene Eröffnungs- und Schlussfeiern.
Das Ganze – würde man heute sagen – wurde zum Event, wie es nur in einer Weltstadt mit internationalem Publikum möglich war. Schon die erste Feier 1836 war ein glänzender Erfolg. Santo Spirito war zu klein. In den folgenden Jahren ging man in die lombardische Nationalkirche San Carlo al Corso, in die irische San Silvestro in Capite (wo heute irische Pallottiner Dienst tun) und dann in die große Barockkirche San Andrea della Valle.
Pallotti konnte bedeutende Ordensgeneräle für die Predigten gewinnen, bekannte Kardinäle für die Segensfeiern. Große Überraschung: Am 13. Januar 1847 hielt der inzwischen selig gesprochene Papst Pius IX. die Schlusspredigt.

Plötzlich war man bekannt

Mit der ersten so erfolgreichen Epiphanieoktav war die „Vereinigung des Katholischen Apostolates“ plötzlich in der ganzen Stadt bekannt. Dazu beigetragen hatten die Presseberichte, auch über den „preußischen Protestanten“ Josef Knarner aus Ottweiler, der von der Festwoche so beeindruckt war, dass er zum Katholizismus konvertierte.
Übrigens: In seiner italienischen Freude am Inszenieren legte Vinzenz Pallotti Wert darauf, dass vor dem Altar der Oktav-Kirche eine schöne Krippe aufgebaut wurde, die die Anbetung der Könige zeigte. Die überlebensgroßen Figuren, die 1846 Graf Alessandro Torlonia Pallotti für die Feiern in San Andrea schenkte, sind unter Johannes Paul II. wieder zu Ehren gekommen. Nur wenige wissen, dass genau diese „Pallotti-Krippe“ viele Jahre vor dem Obelisk auf dem Petersplatz neben dem riesigen Weihnachtsbaum stand, den waldreiche Länder jährlich dem Papst schenken.

Hier soll nicht zuerst das Organisationstalent Vinzenz Pallotti gewürdigt werden, sondern die Botschaft „seiner“ Festwoche. Schon ein Zeitgenosse wunderte sich, „dass ein schlichter, einfacher Priester ohne Namen und Rang in Rom ein solches Werk habe schaffen können“.
Bewundert wurde auch das Miteinander von Diözesan- und Ordensklerus (das war wohl nicht selbstverständlich) bei der Vorbereitung und Durchführung der Feier. Wie schon gesagt, für Pallotti war das Stichwort Einheit bedeutsam. Die Vereinigung wollte ganz bewusst die unterschiedlichen „Stände der Kirche“ zusammenführen.

Doppelte Philosophie

Die Epiphanieoktav zeigte vor allem aber die doppelte Philosophie der Vereinigung. Sie war ein Fest der „auswärtigen Mission“. Die entsprechenden Predigten und Sammlungen weckten ein damals so nicht gekanntes Interesse an der Missionsarbeit der Kirche. Sie war ein Fest der „Volksmission“. Die Vertiefung des Glaubenswissens sollte der Erneuerung des Glaubens dienen. Seit 1837 druckte man denn auch auf die Einladungsplakate: „Feier der Epiphanie-Oktav zur Vertiefung, Verteidigung und Verbreitung der Frömmigkeit und des katholischen Glaubens“.

Vinzenz Pallotti bedauerte, dass außerhalb Roms „seine“ Weise, Epiphanie zu feiern, nicht aufgegriffen wurde. Er wird 1969 „auf himmlische Weise“ über die Abschaffung der Oktavfeier nicht glücklich gewesen sein. Sämtliche Reanimationen scheiterten an heutigen Lebenswirklichkeiten, in denen der 6. Januar keinen hohen Stellenwert mehr hat. Die Vereinigung des Katholischen Apostolates hat keine Form mehr für das große Fest ihrer Gründungsidee: Gott ist ein Gott aller Menschen.

Text: Pater Alexander Holzbach
Fotos: Pallottiner (Pallotti, Bambino); alb470 adobe stock (Innenansicht der römischen Kirche San Andrea della Valle); Givaga Adobe Stock (Rom)

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