50 Jahre Haus Wasserburg
Eine Zirkusfreizeit war eine der ersten Angebote nach dem Corona-Lockdown.

50 Jahre Haus Wasserburg - hier weht ein besonderer Geist

Neue Wege für "Begegnungen mit Gott und Menschen"

Normalerweise wird ein solches Jubiläum groß gefeiert. Stattdessen stellte Corona die Jugend-Bildungsstätte Haus Wasserburg in Vallendar 50 Jahre nach der Einweihung vor neue Herausforderungen. Die Einrichtung der Pallottiner wird sich auch in Zukunft mit aktuellen drängenden Fragen auseinandersetzen.

Nur Baulärm von umfangreichen Sanierungsarbeiten unterbrach während des Lockdowns manchmal die Stille im sonst so umtriebigen Bildungs- und Gästehaus Haus Wasserburg in Vallendar. Und das ausgerechnet in dessen Jubiläumsjahr 50 Jahre nach der Gründung. „Manchmal war es schon gespenstisch ruhig“, sagt Veranstaltungs-Koordinatorin Melanie Gehenzig. Seit den Sommerferien haben wieder viele junge Stimmen das Gebäude mit Leben erfüllt. Doch auch in der Ruhe davor haben die Wasserburger dafür gesorgt, nicht überhört zu werden.

Orientierungs- und Besinnungstage jetzt notwendiger denn je

Für das Ziel des Hauses, Begegnungen mit Gott und Menschen zu ermöglichen, galt es neue Wege zu finden. Bildungsangebote konnten ins Internet verlagert werden. Mit virtuellen Veranstaltungen wurden sogar deutlich mehr Leute erreicht als zuvor. Etwa hundert Teilnehmer aus ganz Deutschland hörten beispielsweise zu, als ein bekannter Kinderarzt zum Thema „Erziehung prägt Gesinnung“ über Rechtspopulismus sprach.

Doch im Bereich der Jugendbildung findet Wasserburg-Geschäftsführer Pater Alexander Diensberg direkte Begegnungen „umso wichtiger“, gerade weil Jugendliche durch Corona so eingeschränkt sind. „Der Austausch von Angesicht zu Angesicht, bei dem man Emotionen spürt, ist durch nichts zu ersetzen“, sagt der Pallottiner-Pater. Eineinhalb Jahre musste das vor-Ort-Angebot durch die Pandemie bedingt heruntergefahren werden. Nun freut sich Josef Pfaffenheuser, der sich um das Belegungsmanagement kümmert, wieder über eine rege Nachfrage. Aus Schulen bekommt er zu hören, dass Orientierungs- und Besinnungstage jetzt notwendiger denn je seien. Denn früher gewohnte Regeln des Zusammenspiels seien verloren gegangen. Die Jugendlichen müssten ihre Rolle und ihren Platz in der jeweiligen Gruppe neu finden. Spontan bot Haus Wasserburg auch eine Ferienfreizeit für Kinder an, die von der Hochwasserkatastrophe betroffen waren. Die 30 Plätze waren sofort ausgebucht.

Besondere Gäste aus New York, Amsterdam, Australien und Limburg

Das Jubiläum wurde bei verschiedenen Gelegenheiten begangen. Ein großer Festakt mit vielen Ansprachen hätte eh nicht zur Philosophie der Wasserburg gepasst. „Wir wollten lieber mit denen feiern, die sich uns zugehörig fühlen“, erklärt Pater Diensberg. Anfang des Jahres gab es einen bunten Abend – allerdings wiederum online. Etwa 250 Teilnehmer verfolgten am Bildschirm das vierstündige Programm mit Statements zu 50 Jahren, Spielen, Quiz und Foto-Slideshow. Leute, die sich mit der Wasserburg verbunden fühlen, meldeten sich aus New York, Amsterdam und Australien. Aus Limburg war einer der Gründerväter des Bildungshauses, der inzwischen 91-jährige Pater Bernhard Pieler, zugeschaltet. Hingegen klappte die Verbindung zur unmittelbar benachbarten Pallottiner-Hausgemeinschaft erst verspätet – was für Lacher sorgte.

Das Motto des Abends und des Jubiläums lautete „Verantwortung für Gott und die Welt“. Es ist ein Blick in die Zukunft des Bildungshauses. „Wie stellen wir uns den vielen gesellschaftlichen Herausforderungen“, fragt sich Theologin Melanie Gehenzig. Für Pater Diensberg gehört es zum Auftrag eines religiösen Bildungshauses, Gesellschaft und Politik im Blick zu haben. Es passt, dass das Jubiläums-Logo neben dem charakteristischen Turm der Wasserburg auch Puzzleteile zeigt. Für Josef Pfaffenheuser ist es ein pallottinischer Gedanke: „Jeder zählt. Eine Schulklasse, Kirche oder Gesellschaft funktioniert nur, wenn jeder seinen Teil beiträgt. Fehlt nur ein Teil ist das Puzzle nicht mehr komplett.“ In Haus Wasserburg tragen viele etwas dazu bei. Zu acht Pallottinern plus Labrador Jarle sowie knapp 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern kommen noch eine große Schar von über hundert Ehrenamtlichen und ein aktiver Förderverein.

Kirche neu und anders erleben

Gäste sagen Haus Wasserburg nach, dass dort „ein gewisser Geist weht.“ An diesem besonderen Ort erleben viele Kirche neu und anders. „Es ist ein Zusammenspiel von lebendigen Menschen, die die Seele des Hauses ausmachen“, sagt Pater Diensberg. Wie sein Mitbruder ist auch Rektor Pater Jörg Gattwinkel überzeugt, dass schon ein kurzer Aufenthalt in Haus Wasserburg viel bewirken kann: „Die Jugendlichen nehmen viel mit nach Hause.“ Umgekehrt bringen junge Leute drängende Themen mit wie Klimawandel und Nachhaltigkeit. Der Rektor erlebt folgendes: „Sie stoßen uns mit der Nase drauf: Welche Welt hinterlasst ihr uns? Warum dauern politische Entscheidungen so lange?“

Ermutigung in Krisenzeiten

Sich solchen Themen in dem Bildungshaus zu stellen, darin fühlt man sich dort durch die Corona-Pandemie erst recht bestätigt. „Es wird nicht die einzige Krise bleiben, die die Jugendlichen erleben“, sagt die Bildungsreferentin Melanie Gehenzig voraus. Geplant ist eine Reihe zum Thema „Ich krieg die Krise“. Die Teilnehmenden sollen ermutigt werden, Probleme nachhaltig anzupacken und für sich gute Wege zu finden, durch schwierige Phasen zu kommen und sie mit zu gestalten. Und das nicht nur in Corona-Zeiten.

50 Jahre Haus Wasserburg
Bei der Grundsteinlegung 1970: Architekt Josef Schröder verlas die Gründungsurkunde.

Zur Geschichte

Jugendbildungsstätte Haus Wasserburg

In Schönstatt, dem berühmten Ortsteil von Vallendar am Rhein, boten Pallottiner bereits seit den 1930er Jahren nahe der Gnadenkapelle Jugendbildung an. Sie war vornehmlich religiös geprägt und von den Patres getragen. Mit Pater Robert Neuber in den 60ern und Pater Bernhard Pieler in den 70ern folgte eine Erneuerung, die bis heute anhält: Nicht mehr Pallottiner allein, sondern ein großes Team von Theolog:innen und Sozialpädagog:innen prägt inzwischen die dortige Jugendbildungsarbeit. Diese wendet sich nun auch gesellschaftlichen und politischen Themen zu und versucht, diese aus christlicher Hoffnungsperspektive mit den jungen Leuten zu diskutieren. Äußeren Ausdruck findet diese innere Zielsetzung mit dem nun 50 Jahre alten Neubau, der heutigen Wasserburg im Schatten des alten Turms aus dem 12. Jahrhundert. Bei der Einweihung am 3. Oktober 1971 war es Heiner Geißler, der in seiner Festrede wünschte, dass in Haus Wasserburg nicht die Verteidigung von Dogmen im Vordergrund stehe, sondern auf das christliche Handeln Wert gelegt werde. Es folgten 50 Jahre mit rasanten gesellschaftlichen und globalen Veränderungen. In Haus Wasserburg wächst das Bewusstsein: Gott und die Welt bedürfen engagierter Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, damit die großen Herausforderungen unserer Zeit hoffnungsvoll und klug angegangen werden können. Wie schrieb Pater Heinrich M. Köster vor 50 Jahren über die neue Bildungsstätte noch gleich in Pallottis Werk: „Die Sorge um Jugend und Zukunft sind der Ursprung einer neuen besseren Welt.”

Bericht: Andreas Schmidt

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