Die Welt gestalten, die Schöpfung bewahren

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Udo Nadler tritt für nachhaltige Energieversorgung ein
Udo Nadler ist in der Provinz für das Energiesparen verantwortlich

Wie "grün" sind die Pallottiner?

Die Provinzleitung sucht seit Jahren nachhaltige Wege bei der Energieversorgung. Die Liegenschaftsverwaltung der Provinz hat mittlerweile sehr gute Erfahrungen vorzuweisen.

Es geht um Gottes Schöpfung und ums Überleben

„Wir sehen die Welt als Gottes Schöpfung. Wir haben den Auftrag, die Welt zu gestalten und die Schöpfung zu bewahren,“ betont der Provinzial der Pallottiner Pater Helmut Scharler. „Dabei ist die Sorge um ‚unser gemeinsames Haus‘, wie Papst Franziskus unsere Erde liebevoll nennt, nicht nur eine spirituelle oder theologische Frage, es ist eine Überlebensfrage.“

Besonders wichtig ist Pater Scharler die Tatsache, dass sich seit 2007 die Wissenschaft einig ist: „Das Klima erwärmt sich, die Erde ist bedroht! Die Temperaturen und der Meeresspiegel steigen an. Wir sind ein Teil des Problems, wenn wir nicht an einer Lösung mitarbeiten. Dann tragen wir Mitschuld an den vielen Katastrophen. Beispielsweise an Stürmen und Hochwasser, dem Abschmelzen der Polkappen und dem Untergang von Inseln und Küsten. Dabei sind die Katastrophen nicht nur in Übersee, sondern auch in Deutschland und Österreich.“

Die Energiefrage ist zentral

Die Energiefrage spielt die zentrale Rolle beim Um- oder Neubau von Gebäuden. Hier übernehmen die Pallottiner seit vielen Jahren Verantwortung für eine möglichst ressourcenschonende Energieversorgung aller Wohngebäude, wie den sogenannten Örtlichen Kommunitäten in denen viele Mitbrüder leben, und den sogenannten „Werken der Pallottiner“, wie beispielsweise den Gästehäusern oder den Hochschulgebäuden. (Hinweis: bei den Pallottinern spricht man nicht von Klöstern, sondern von „Örtlichen Kommunitäten“ oder „Niederlassungen“.) Udo Nadler ist der Bereichsleiter Liegenschaften, sein Büro befindet sich im Provinzialat der Pallottiner in Friedberg. Sein Aufgabenbereich erstreckt sich auf alle Orte, an denen Pallottiner wohnen und arbeiten. Also auf Deutschland, Österreich und vereinzelt auch auf Spanien, Kroatien und Südafrika. Für ihn und alle Bauvorhaben gibt es klare Ziele und Vorgaben.

Die Pallottiner haben jahrelange Erfahrung mit nachhaltigen Energiekonzepten.

Ziel: Nachhaltigkeit

„Wir haben eine Mission!“ sagt Udo Nadler, „sie ist Teil einer weltweiten Bewegung der Katholischen Kirche und aller Menschen guten Willens. Wir fördern eine Entwicklung auf dem Gebiet unserer Provinz, die den Bedürfnissen der heutigen Generationen entspricht, ohne die Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu gefährden. Dabei müssen wir soziale, ökonomische und ökologische Aspekte in Einklang bringen.“ Das gilt laut Udo Nadler nicht nur für die Missionsarbeit, sondern für alle Aktivitäten der pallottinischen Gemeinschaft.

Grundregel: reduzieren, verbessern, erneuern

Mit einem vor Ort optimierten Energie-Mix versucht die Provinzleitung eine nachhaltige Energieversorgung sicherzustellen. Dabei gilt laut Udo Nadler immer folgende Grundregel:

1. Reduzierung des Energieverbrauchs.
2. Steigerung der Effizienz.
3. Zunehmende Verwendung nachhaltiger Energiequellen.

Auf diese Weise sollen Ressourcen geschont und Umweltgefährdungen reduziert werden.

Grafik Nachhaltigkeit bei den Pallottinern
Nachhaltigkeit: ökologische, soziale und ökonomische Aspekte im Einklang
Hl. Franziskus - Gemälde im Kloster Reute
Gelobt seist du, mein Herr, mit allen deinen Geschöpfen, ...

Blockheizkraftwerke sind effizienter

Wie Udo Nadler betont, wurde in den letzten Jahren bei Neu- und Umbauten bzw. bei Renovierungen sehr darauf geachtet, diese möglichst ressourcenschonend und energetisch sinnvoll auszuführen.

So wurden beispielsweise inzwischen in fünf Wohnbereichen der Mitbrüder Blockheizkraftwerke eingebaut: in Rheinbach 2010, Friedberg 2013, Hersberg und Limburg 2014 und in Hofstetten 2015. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Verbrennungsmotor, der nach dem Prinzip der Kraftwärmekopplung elektrische Energie und Wärme erzeugt. Blockheizkraftwerke sind sinnvoll, weil ihr Wirkungsgrad wesentlich höher ist als bei herkömmlichen Heizungen.

Grafik So funktioniert ein Blockheizkraftwerk
Ein Blockheizkraftwerk ist aufgrund seines hohen Wirkungsgrades sehr effektiv.
Umweltfreundliche Engergieversorgung in Limburg
Holz-Pellets werden in Limburg eingesetzt
Pallottiner beziehen Ökostrom von Greenpeace
Wenn die Photovoltaik nicht ausreicht: Ökostrom von Greenpeace

Auf den Energie-Mix kommt es an

In der Regel kommt in einem Gebäude ein kombiniertes Heizungssystem zum Einsatz. Das Missionshaus in Limburg wird beispielsweise gleichzeitig mit einem Energie-Mix beheizt: mit einem Pelletkessel, einem Blockheizkraftwerk sowie einem Gasbrennwertkessel. Beim Einkauf wird darauf geachtet, dass die Holz-Pellets aus der Region kommen.

Im Provinzialat der Pallottiner im bayerischen Friedberg, wurde die Heizungsanlage 2013 erneuert. Seither produziert eine Photovoltaik-Anlage aus Sonnenenergie Strom für den Eigenverbrauch in Kommunität, Provinzverwaltung und im Pastoraltheologischen Institut. Die produzierte Menge der 85-Quadratmeter-Anlage entspricht in etwa dem Jahres-Stromverbrauch von zwei Vier-Personen-Haushalten. Wenn die Anlage zwischenzeitlich mehr produziert als im Provinzialat verbraucht werden kann, speisen die Pallottiner den Überschuss ins Netz ein. Brauchen die Pallottiner mehr als sie selbst produzieren können, beziehen sie Ökostrom aus dem Netz.

Die Corte Salvati ist ein Wohngebäude mit 51 Wohnungen in Freising, welches in diesem Jahr eingeweiht wurde. Es konnte aus den Pensionsrücklagen der Pallottiner gebaut werden und dient der zukünftigen Alterssicherung der Mitbrüder. Dieses Gebäude konnte sogar als Passivhaus geplant und errichtet werden. Durch die extrem gut gedämmte Außenhülle haben die Bewohnerinnen und Bewohner einen sehr niedrigen Energieverbrauch. Dieser wird von einem lokalen Anbieter mit Fernwärme gedeckt. Außerdem erzeugt eine Photovoltaik-Anlage Strom für den Eigenverbrauch. Um diesen niedrig zu halten, wurde für die Gemeinschaftsflächen ausschließlich LED-Beleuchtung gewählt.

Die Kommunität Freising trägt Verantwortung für die Schöpfung
Das Pallotti Haus (li) besitzt das EMAS-Gütesiegel, Passivhaus Corte Salvati (re)
Missionshaus der Pallottiner
Das Missionshaus in Limburg wird mit einem Energie-Mix beheizt

Schöpfungsleitlinien für ein Gästehaus

Bildungs- und Gästehäuser haben aufgrund ihrer guten Auslastung auch einen erheblichen Ressourcenverbrauch durch Verpflegung, Hausbetrieb und Energieeinsatz. Das Pallotti-Haus in Freising hat, gemeinsam mit den Bildungseinrichtungen des Erzbistums München und Freising, ein Umweltmanagement-Systems aufgebaut und wurde nach einer externen Begutachtung mit dem Gütesiegel „EMAS / Grüner Gockel“ ausgezeichnet. Grundlage sind sog. Schöpfungsleitlinien, nach denen sich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter richten. Für die Geschäftsführerin Barbara Engl-Schweiger standen damit alle internen Prozesse auf dem Prüfstand. Optimiert wurden beispielsweise Mülltrennung, regionaler Einkauf, Gartengestaltung, Haustechnik, der Hauswirtschaftsbereich oder das Büromaterial. „Nicht so einfach war es, die Sanierungsmaßnahmen in diesem Gebäude umzusetzen, da es unter Denkmalschutz steht und beispielsweise von außen nicht gedämmt werden darf“, erläutert Barbara Engl-Schweiger. „Wir haben deshalb die Heizkörpernischen zugebaut und die Heizkörper, die Umwälzpumpe sowie die Fenster erneuert. Dadurch konnten wir bereits beträchtlich Energie sparen.“

Wir können etwas tun

„Wir wollen Teil der Lösung sein und uns aktiv für den Erhalt der göttlichen Schöpfung einsetzen“, resümiert Provinzial Pater Scharler „deshalb sind wir dafür dankbar, dass wir die Möglichkeit haben, mit unseren Nachhaltigkeits-Strategien einen Beitrag für eine Energiewende zu leisten.“

Sonnenenergie für das Provinzialat der Pallottiner
Sonnenenergie für das Provinzialat der Pallottiner

Quellen und weitere Informationen:

Enzyklika „Laudato Si’“ von Papst Franziskus

DBK-Arbeitshilfe Nr. 245: Der Schöpfung verpflichtet – Anregungen für einen nachhaltigen Umgang mit Energie, Bonn 2011.

Erd-Charta Deutschland

 

Fotos: Hendrik Jonas Fotostudio Karl (Missionshaus), BAVARIA Luftbild (Corte Salvati Freising), Josef Eberhard (Udo Nadler, Hl. Franziskus, Provinzialat)
Fotos von Adobe Stock: auergraphics (Foto mit Kirche), Jörg Lantelme (Pellets), thingamajiggs (Grafik Blockheizkraftwerk)

Interviews mit Pater Helmut Scharler und Herrn Udo Nadler: Josef Eberhard

Video-Clip: Udo Nadler & Josef Eberhard, Musik: Alex Beroza / dig.ccmixter.org (Blue Mermaid)

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2017-12-20T13:01:43+00:00