Im Gedenken

Pater Ewald Rieg verstarb mit 96 Jahren

In den frühen Morgenstunden des 19. August 2017 verstarb unser Mitbruder P. Ewald Rieg SAC im 96. Lebens-, 70. Profess- und 66. Priesterjahr im Haus St. Vinzenz-Pallotti in Immenstaad/Bodensee.

Am 26. September 1921 wurde Ewald Rieg in Bargau bei Schwäbisch-Gmünd geboren als achtes Kind des Postagenten Isidor Rieg und dessen Ehefrau Maria, geb. Waibel. Als Zwölfjähriger vermerkt er stolz mit markanter Schrift in seinem Lebenslauf, dass er noch einen jüngeren Bruder bekommen habe und er selber schon seit eineinhalb Jahren Ministrant sei. Nun habe er sich entschlossen, „nach St. Bernhard in Gmünd zu gehen, um zu studieren“. Er wollte Priester werden in der Gemeinschaft der Pallottiner. Zuvor hatte bereits sein Bruder Edmund diesen Weg eingeschlagen. Insgesamt entstammten acht Pallottiner der Gemeinde Bargau. Seinem Heimatpfarrer war Ewald schon früh aufgefallen wegen seines Interesses für die „Heidenmission“. Nach Abschluss der 4. Volksschulklasse und einem Jahr in St. Bernhard besuchte er ab 1934 das Pallottinergymnasium St. Paulusheim in Bruchsal, ab 1939 das dortige Schlossgymnasium. 1942 bekam er wegen seiner Einberufung zum Wehrdienst die Reife zuerkannt. Am Tag vor seiner Einberufung, am 4. April 1941, hat er bereits um Aufnahme ins Noviziat nachgesucht. Nach Kriegsdienst, Verwundung und zweijähriger Gefangenschaft konnte er 1946 in Untermerzbach bei Bamberg das Noviziat beginnen, wo er am 1. Mai 1948 die erste Profess ablegte und auch Philosophie studierte. Theologie studierte er von 1949-1953 an der Philosophisch-theologischen Hochschule Eichstätt. Alle niederen und höheren Weihen einschließlich Priesterweihe am 29.März 1952 in der Schutzengelkirche in Eichstätt erteilten ihm Bischof Dr. Joseph Schröffer, der spätere Kardinal.

Im August 1953 begann für P. Rieg sein Seelsorgseinsatz, zwar nicht wie zunächst geplant in Brasilien, sondern in der DDR, in der thüringischen Diaspora, wenige Wochen nach dem Volksaufstand des 17. Juni. Zunächst war er Kaplan in Pössneck und Ranis, dann Pfarrer in Ranis. Als P. Adolf Hartung 1979 in die Bundesrepublik zurückkehrte, wurde er auch Pfarrer von Pössneck. Außerdem hat er vielfache Aufgaben für das Dekanat und das Bischöfliche Vikariat Meiningen übernommen und „in seiner liebenswürdigen und kollegialen Art die Gemeinschaft der Priester gestärkt und belebt“ (Bischof Wanke). Sehr einfühlsam und dankbar erinnerte Bischof Hugo Aufderbeck von Erfurt 1972 in einem langen handschriftlichen Brief anlässlich des silbernen Priesterjubiläums von P. Rieg an diesen Dienst: „Ich kenne Sie eigentlich nur mit einem heiteren Antlitz. Vielleicht ist es Ihnen auch manchmal anders zumute – wem nicht? Aber es gibt die Koexistenz von Freude in der Trauer. Wenn Sie auf die zurückliegenden Jahre priesterlichen Lebens und Wirkens zurückschauen, werden Sie mehr Grund zum Danken als zum Klagen      finden. Gott gab Ihnen gute Hände … und einen Sinn für die Kirche.“ P. Rieg besaß eine bemerkenswerte praktische Begabung, die er gut gebrauchen konnte. Bischof Aufderbeck schrieb: „Selbst der Kirchturm von Ranis verdankt Ihren Händen sein Leben!“ Bei einem Besuch in seiner Heimat 1982 wurde erschreckend deutlich, dass die Kräfte von P. Rieg schon früh aufgebraucht waren. Immer mehr zeigten sich jetzt körperliche und psychische Auswirkungen der Kriegsjahre, aber auch des permanenten Stresses in der DDR-Situation. Das Pfarrhaus in Pössneck lag ständig im Blickfeld der Stasi auf der anderen Straßenseite. Bereits 1981 hatte das Gesundheitsamt Pössneck P. Rieg die Invalidität bescheinigt. So nahm Bischof Joachim Wanke im August 1982 seinen Antrag auf Versetzung in den Ruhestand an. Damit war die Rückkehr in die Bundesrepublik angesagt. Sein Herz hing aber weiterhin, bis in die letzten Lebensjahre hinein, an Pössneck und Ranis.

Ruhestand bedeutete für P. Rieg nicht Untätigkeit, zumal sich sein Gesundheitszustand zunehmend verbesserte. Obwohl er viele Jahre in der DDR-Diaspora gelebt hatte, fand er sich rasch in seiner neuen Beheimatung zurecht. Zunächst war er bis 1992 im Studienhaus der Pallottiner in München als Verwalter und Vizerektor tätig und leistete wichtige Hilfe bei den ersten EDV-Erfahrungen der süddeutschen Pallottinerprovinz. Später erstellte er sogar für das Generalat den weltweiten Personalkatalog der Gemeinschaft. Diese Tätigkeit führte er auch nach seinem Umzug 1992 ins Apostolatshaus Hofstetten weiter und ab 1996 noch eine geraume Zeit im St. Paulusheim Bruchsal. 2004 begann der letzte Lebensabschnitt. P. Rieg gehörte zu den ersten, die ins Seniorenheim St.Vinzenz-Pallotti in Immenstaad einzogen. Hier entwickelte er nochmal bis ins hohe Alter hinein eine erstaunliche Energie und Fitness. Manchmal vergaß er dabei seine Grenzen, zugleich war er aber auch etlichen pflegebedürftigen Mitbrüdern eine wertvolle Hilfe. Nun sind nach nahezu 96 Jahren seine Kräfte endgültig aufgebraucht. P. Rieg konnte sein Leben getrost in die Hände seines Schöpfers legen.

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2017-09-01T14:35:25+00:00