Pater Walter Maader SAC

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Pater Walter Maader SAC

"Seelsorge in einer Großstadt ohne Einwohner"

Walter Maader SAC war von 1972-2003 Flughafenseelsorger in Frankfurt/Main. Mit ihm sprach Pressereferentin Verena Breitbach, Philosophisch-Theologische Hochschule Vallendar (PTHV)

Eines Tages kamen unser damaliger Bischof Wilhelm Kempf von Limburg und unser Provinzial Pater Ludwig Münz SAC auf mich zu und fragten mich, ob ich nach Frankfurt am Main an den Flughafen gehen wollte, um dort die erste Flughafenseelsorge in Deutschland aufzubauen. Das war 1972. Im Pfarrhaus der Pallottinergemeinde St. Pius in Frankfurt/Main bezog ich ein Zimmer als Schlafstelle. Tagsüber lebte ich von nun an im Flughafen. Als katholischer Priester arbeitete ich zusammen mit einem evangelischen Pfarrer als Kollegen, einer katholischen und einer evangelischen kirchlichen Mitarbeiterin, sowie mit einer im Laufe der Zeit wachsenden Anzahl von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Der Stab der Ehrenamtlichen zählte etwa 25 bis 30 Personen. Wir nannten uns ökumenische Flughafenseelsorge.

Seelsorge in der Freizeit und Arbeitswelt – und alle waren mobil – das war das Neue

Am Flughafen hatten wir zwei Zielgruppen: Die eine, das waren die Menschen unterwegs, die Passagiere. Das waren 1972 täglich etwa 50.000, heute sind es rund 150.000. Die zweite Zielgruppe, das waren die am Flughafen Beschäftigten, etwa 35.000 damals, heute sind es mehr als 70.000. Die Pastoral selbst war eine Seelsorge in einer Großstadt ohne Einwohner, denn alle, die sich vor Ort befanden, waren mobil. Sie kamen und gingen wieder. Das war das Neue, das Ungewöhnliche. Es war eine Seelsorge in der Freizeit und Arbeitswelt. Die Wohnwelt fehlte. Da die Mobilität der Beschäftigten geringer war als die der Passagiere, baute ich zunächst die Verbindung zu ihnen auf, als Multiplikatoren zu den Passagieren hin. Sie halfen mit. Sie waren ja im ständigen Kontakt mit den Durchreisenden. Mit der Zeit gelang es zusätzlich zu unseren 25 ehrenamtlichen Helfern weitere Helferkreise innerhalb der Beschäftigten aufzubauen. Eine Gruppe von etwa 300 Personen. Sie bekamen monatlich einen Brief vom Flughafenpfarrer und wurden im Rahmen der Betriebsseelsorge monatlich einmal am Nachmittag, beim Schichtwechsel, zu einer besonderen Hl. Messe eingeladen. Darüber hinaus sammelte sich mit der Zeit ein weiterer Kreis von ca. 900 Beschäftigten, die als „Sympathisanten“ der Flughafenseelsorge von mir regelmäßig am Arbeitsplatz besucht wurden und einmal im Jahr ein besonderen Anschreiben bekamen. Das einzig statische unseres Seelsorgealltags war und blieb die tägliche Hl. Messe um 9.00 Uhr in der Flughafenkapelle. Ansonsten war ich innerhalb des Flughafens ganztägig unterwegs bei den Menschen.

„Am Anfang waren wir Lernende“

Es brauchte etwa acht bis zehn Jahre, bis sich die Existenz einer Flughafenseelsorge in Frankfurt weltweit herumgesprochen hatte, so dass die Reisenden gezielt zu uns kommen konnten, sei es zur Hl. Messe oder auch in unseren Besucherraum. Am Anfang waren wir Lernende. Ich kannte ja niemanden und wusste auch nicht, welche seelsorgerlichen Wege erfolgreich begangen werden konnten. Aber mit der Zeit wurden wir erfahrener und verstanden, was ein Airport wirklich ist und was die Menschen dort brauchen. Dabei wurden wir mit der Zeit mehr und mehr von den Beschäftigten und den Passagieren selbst getragen und geschätzt. Wir waren willkommen. Ich habe in all den vielen Jahren meines Dienstes kein einziges Mal eine Ablehnung erfahren. Gewiss, man musste flexibel sein, ständig auch auf fremde Menschen zugehen, auf Menschen von denen man nichts wusste. Man sah ihnen ja nicht an, ob sie Christen, Juden, Muslime, Buddhisten oder Atheisten waren. Wir taten ganz einfach, wozu wir berufen waren. Wir waren für die Menschen da, insbesondere für die in Not geratenen, für die, die Hilfe brauchten. Und das sind letztlich alle. Seelsorge verstand ich immer als Sorge um den Mitmenschen im Sinne des Evangeliums. Das habe ich 31 Jahre lang so verstanden und getan. Von den Vorfeldarbeitern bis hin zu den leitenden Mitarbeitern und zu den Passagieren. Jeder wurde angesprochen, besucht und für jeden standen unsere Türen täglich offen. Daneben haben wir auch den weiteren Ausbau von Flughafenseelsorgestellen betrieben, in Deutschland und auch international. Wir brauchten ein Netzwerk. Deshalb haben wir gerne unser „Know-how“ mit Interessierten geteilt.

So konnten weitere Flughafenseelsorgestellen in Deutschland, etwa in München, Köln, Hamburg, Stuttgart, Dresden, Leipzig und andere mehr aufgebaut werden. Inzwischen haben alle größeren Flughäfen in unserem Land eine Seelsorge. Der internationale Ausbau erfolgte zusammen mit dem „Päpstlichen Rat für die Menschen unterwegs“ in Rom. Auch der war erfolgreich. Die Idee der Flughafenseelsorge kam aus den USA. Begonnen hatte das Ganze in Boston, etwas 1950. Inzwischen haben auch alle anderen großen internationalen Flughäfen weltweit eine Seelsorgestelle. Unsere pastorale Arbeit in Frankfurt/M. bestand neben der allgemeinen Sorge um die Menschen in der Spendung der Sakramente. Da war die tägliche Feier der Eucharistie, da waren Taufen Trauungen, Beichten, Erstkommunion und Firmung in Ausnahmefällen, und der geistliche Abschied von im Flughafen oder während des Fluges Verstorbenen. Wir konnten mit geringem Aufwand oftmals große Wirkungen erzielen. Eine geringe Mühe unsererseits ward von den Beteiligten nicht selten als eine Art Rettung aus großer Not empfunden.

„Es gibt viel Luxus, aber auch alles für den kleinen Geldbeutel – und es gibt die wichtige Präsenz der Kirche mit ihren Diensten“

Ein internationaler Airport ist wie schon gesagt eine große Stadt. Es gibt da alles, was wir Menschen zum Leben brauchen: Eine Flughafenklinik, Zahnärzte, Apotheken, Supermärkte, Bekleidungsgeschäfte, Restaurationen verschiedenster Art. Es gibt viel Luxus, aber auch alles für den kleinen Geldbeutel. Und es gibt die wichtige Präsenz der Kirche mit ihren Diensten. Alle zusammen stehen im Dienst der Menschen unterwegs und am Arbeitsplatz. Ganz wichtig ist die Präsenz. Man muss da sein. Man muss erreichbar sein, und zwar dann, wenn man gebraucht wird. Immer wieder wurde ich gefragt: „Und woher nehmen Sie die notwendige Kraft für Ihren Dienst?“ Für uns Seelsorger galt: Unsere Arbeit muss aus der Mitte kommen. Und diese Mitte ist in uns, in unserer Spiritualität. Es ist der Hl. Geist in uns. Dieser Geist drängte uns und aus diesem Geist heraus ist es möglich, wirksam und erfolgreich für die Menschen ganz einfach da zu sein. Das ist es, was Gott von uns erwartet. Man muss die Menschen lieben. ((14.12.16; Text + Bild: Verena Breitbach))

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2017-02-01T14:05:51+00:00