
Pallottiner solidarisch mit „Omas gegen Rechts“
Rektor Holzbach: „Wir haben leidvoll erfahren, wohin rechtsextremes Gedankengut führt“
Die von Studierenden am Institut für Erziehungswissenschaften an der Uni Marburg entwickelte und von „Omas gegen Rechts“ zunächst in Hadamar gezeigte Ausstellung „RECHTSaußen MITTENdrin“ ist am 7. Juni 2026 in Limburg angekommen.
„Dass sie nun hier bei uns im Kreuzgang der Pallottiner gezeigt wird, darüber sind wir sehr froh; denn hier gehört sie hin“, sagt Alexander Holzbach. „Wohin rechtsextremes Gedankengut führen kann, das haben wir Pallottiner im Nationalsozialismus bitter erfahren müssen“, verweist der Rektor des Missionshauses auf neun Stolpersteine, die vor der Kirchentreppe in der Wiesbadener Straße an Pallottiner erinnern, die ihren Konflikt mit dem Nazi-Regime teils mit dem Tod bezahlten.
Pater Richard Henkes: „Einer muss da sein, es zu sagen“
Der bekannteste sei der aus Ruppach-Goldhausen stammende, 2019 seliggesprochene Pater Richard Henkes, der früh erkannt habe, dass sich der Nationalsozialismus des ganzen Menschen bemächtigen wollte. Das habe seinem Freiheitsdenken und seinem christlichen Menschenbild widersprochen, weshalb er unter anderem die Lieder der Hitlerjugend ablehnte, von denen junge Leute fasziniert waren. „Er analysierte mit seinen Schülern die Texte, um diese auf die subtile Beeinflussung aufmerksam zu machen“, sagte Holzbach. Henkes sei wiederholt heftig mit der Gestapo in Konflikt geraten, habe immer in der Spannung zwischen seiner Haltung der Wahrhaftigkeit und den verführerischen Lügen des Systems gelebt und gesagt: „Einer muss da sein, es zu sagen.“ Er bezahlte es mit dem Tod im KZ Dachau.


Im Alltag mutig sein – „noch werden wir nicht verfolgt“
„Wir erleben in unserer Zeit eine wachsende Zustimmung zu autoritären Staatsführungen, auch und gerade unter jungen Menschen“, betonte Pater Holzbach vor zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Die Werte Europas mit seinen Demokratien seien in Gefahr. „Gerade auch mit Blick auf die neun Stolpersteine und auf Pater Henkes passt es genau, dass die Präsentation der 26 aufklärenden Schautafeln auf die subtilen Einflussnahmen rechten Gedankenguts aufmerksam macht und für Entwicklungen sensibilisiert, deren Ende unserem Leben in Freiheit, auch der Religionsfreiheit, nicht guttut.“ Diese Ausstellung wolle bewegen, im Alltag mutig zu sein. Das sei nicht immer leicht. Er hoffe, dass sich viele Menschen mit ihr auseinandersetzen, und dankte den Omas gegen Rechts für ihre Initiative.
Simone Fritz, Sprecherin der Regionalgruppe Hadamar-Limburger Land, forderte die Demokraten auf, aus der Komfortzone der stillen Mehrheit herauszukommen und mutig zu sein. „Noch werden wir nicht von Nazis verfolgt. Jetzt ist der entscheidende Moment, aufzustehen und sich für Menschlichkeit, für die gewachsene, gesunde und friedvolle Demokratie einzusetzen. Wenn wir sie und die Mehrheit behalten wollen, müssen wir vermehrt Gespräche führen. Wir sind der Situation nicht hoffnungslos ausgeliefert und können etwas tun“, forderte Simone Fritz auf. Es sei eine Herausforderung, sich der Ausstellung inhaltlich zu stellen.
Die Ausstellung ist im Kreuzgang noch bis Samstag, 13. Juni 2026, jeweils von 9 bis 12 Uhr sowie bis Freitag, 12. Juni, von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Der Zugang erfolgt über das Foyer, also die Pallottiner-Buchhandlung im Limburger Missionshaus der Pallottiner.
Bericht und Fotos: Dieter Fluck
Diesen Beitrag teilen...
Weitere Beiträge
Das könnte Sie auch interessieren
Mitreden, Mitmachen, Mithelfen!
In Kontakt bleiben. Kostenlos 12 x pro Jahr!
Liken, kommentieren, abonnieren
Herzliche Einladung: Reden Sie mit!
Öffnen Sie sich Räume
Gemeinsam die Welt verändern!










