„Der Nachmittag des Christentums“

Pastoraltheologische Fortbildung für Pallottiner und Gäste

Im Mittelpunkt der diesjährigen Fortbildung stand der Schriftsteller, Pfarrer und Universitätsprofessor Tomáš Halík. Seit vielen Jahren inspiriert er mit seinen Büchern die christliche Welt. Kritisch analysiert er die Lage des Christentums und der Kirchen. Er kritisiert Klerikalismus, aber auch Vereinsamung und Provinzialismus in der Gesellschaft. Seine These: „Das Christentum steckt in einem Mittagstief, das lähmt. Dadurch fehlt eine wesentliche prägende Kraft für die Gesellschaft.“ Deshalb spricht sich Halík für ein „reiferes Christentum“ aus.

In diesem Jahr fand die pastoral-theologische Fortbildung für die pallottinischen Mitbrüder von Sonntag, 22. Februar 2026, bis Mittwoch, 25. Februar 2026, statt. Die Veranstaltung wird jährlich vom Pastoraltheologischen Institut der Pallottiner organisiert. Die Leitung übernahm in diesem Jahr erneut Pfarrer Dr. Bernhard Ehler.

„Die Zeit der leeren Kirchen“

Der bekannte tschechische Philosoph, Religionssoziologe und Priester Tomáš Halík gibt mit seinen Büchern wertvolle Anregungen für das „Christsein“ in der heutigen Zeit. Er ist bekannt für seine Arbeiten zur Beziehung zwischen Glaube und Moderne, zur Rolle der Religion in der heutigen Gesellschaft sowie für seine kritische Auseinandersetzung mit dem Atheismus. Ob in „Geduld mit Gott“, „Die Zeit der leeren Kirchen“ oder „Der Nachmittag des Christentums“ – Halík thematisiert die Krise des Glaubens und die Notwendigkeit einer Vertiefung des Glaubens. Zugleich entwirft er eine selbstbewusste Perspektive auf die Zukunft des Christentums.

„Haben wir keine Angst, an die Liebe zu glauben (1 Joh 4,16) – auch dort, wo sie gemäß aller Kriterien der Welt verliert. Haben wir den Mut, gegen die Weisheit dieser Welt auf die Torheit des Kreuzes (1 Kor 1,18) zu setzen!“
Tomáš Halík

Perspektiven für ein Christentum von morgen

Pfr. Dr. Bernhard Ehler hat sich in seiner Aufgabe als Spiritual im Augsburger Priesterseminar intensiv mit dem Werk Halíks auseinandergesetzt. Er konnte den Teilnehmern die unterschiedlichen Gedanken und Impulse Halíks strukturiert näherbringen. Dabei stand auch die außergewöhnliche Biographie Halíks im Mittelpunkt. Seine Beobachtungen und Analysen konnten von den anwesenden Pallottinern meist gut nachvollzogen und durch eigene Erfahrungen bestätigt werden.

Halíks prophetische Perspektiven für ein Christentum von morgen passen gut zur prophetischen Botschaft des heiligen Vinzenz Pallotti und zur Spiritualität der pallottinischen Vereinigung. Auch Pallotti kritisierte Kirche und Gesellschaft seiner Zeit, weil er – wie Tomáš Halík – Visionen von einer erneuerten Kirche und einer neuen Gesellschaft hatte. Der römische Priester Vinzenz Pallotti wollte den Glauben unter Katholikinnen und Katholiken neu beleben und die Liebe neu entzünden. Auch Tomáš Halík setzt auf eine „Vertiefung des Glaubens“.

Pastoraltheologische Fortbildung für Pallottiner und Gäste
An der Fortbildung im Februar nahmen teil: P. Fuchs, P. Dutzi, P. Stephan, P. Kiefer, Pfr. Knipp, P. Wasensteiner, Pfr. Ehler, P. Mäntele, P. Vaz, fr. Schmid, P. Kücking, P. Weissinger und P. Landwehr (von links, erst sitzend dann stehend).

Fortbildungen für die Mitbrüder

Für die Patres und Brüder der Herz-Jesu-Provinz der Pallottiner führt das Pastoraltheologische Institut in Friedberg im Auftrag des Provinzials verschiedene Fortbildungskurse durch. Früher fanden diese innerhalb der Professjahrgänge statt; später wurden die Kurse thematisch und nach Altersgruppen angeboten. Nun bietet das Pastoraltheologische Institut der Pallottiner im bayerischen Friedberg zwei Fortbildungskurse an, zu denen alle Mitbrüder eingeladen sind.

Am ersten Kurs nahmen teil: P. Fuchs, P. Dutzi, P. Stephan, P. Kiefer, Pfr. Knipp, P. Wasensteiner, P. Mäntele, P. Vaz, fr. Schmid, P. Kücking, P. Weissinger und P. Landwehr.

Der erste Kurs in diesem Jahr griff ein pastoral-praktisches Thema auf; der zweite Kurs im September wird ein spirituell-biblisches Thema behandeln: „Ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde – Eine Reise durch die Offenbarung des Johannes“ mit Prof. Dr. Hans-Georg Gradl von der Universität Trier.

Tomáš Halík
Tomáš Halík, geb. 1948, wurde 1978 heimlich zum Priester geweiht und war enger Mitarbeiter von Kardinal Tomášek und Václav Havel. Er ist Professor für Soziologie an der Philosophischen Fakultät der Karls-Universität Prag, Pfarrer der Akademischen Gemeinde Prag, Rektor der Universitätskirche St. Salvator und Präsident der Tschechischen Christlichen Akademie. Benedikt XVI. verlieh ihm den Ehrentitel „Päpstlicher Prälat“. 2010 erhielt er den Romano-Guardini-Preis, 2014 wurde er mit dem Templeton-Preis ausgezeichnet.

Beitrag: Josef Eberhard
Foto: Brigitte Kistler
Quelle Originalzitat: aus „Die Zeit der leeren Kirchen“, Verlag Herder, 2021, S. 148.
Quelle Biographie: Herder Verlag

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