"Mit Gott, da geht noch was"

Pater "Kalle" Lenz SAC

„Die Pallottiner kenne ich aus Kassel. Als mein Bruder damals den Weg einschlug und Pallottiner wurde, habe ich noch gedacht: So blöd wie du bin ich nie“. Ich fand das alles völlig abwegig.

Mit 16 Jahren hatte ich dann eine tiefere Entdeckung, dass es Gott gibt. Ich war damals in einem Jugendgebetskreis in Kassel in einer Zeit, in der Religion eher belächelt wurde. In diesem Gebetskreis kam sehr stark die Frage auf: „Gott, was hast du für Pläne mit mir?“ Da kam für mich erstmals auch die Frage einer geistlichen Berufung auf.

Aus diesem Kreis sind am Ende tatsächlich mehrere  Ordensschwester oder auch Priester geworden und auch ich spürte die geistliche Berufung. Die schwierigste Frage war: Werde ich Franziskaner? Ich liebe Franziskus. Bei Pallotti hat mich die Idee angesprochen: das Universale. Dann habe ich lange überlegt kleiner Bruder Jesu zu werden, so aus Solidarität mit den Armen – oder aber doch Diözesanpriester: Ich konnte mir vorstellen Pfarrer zu werden, und in der Diözese wär das der normale Weg.

Aber ich wollte eigentlich immer in einer Gemeinschaft leben.

Der Auslöser, mich für Vinzenz Pallotti zu entscheiden, war, dass in diesem universellen Apostolat alles möglich ist: weil Pallotti im Sinne der Unio verschiedene Gemeinschaftsformen haben kann.

1977 bin ich eingetreten, doch diese Idee der gemischten Gemeinschaftsform wurde erst viel später, 1993, real. Und dieses Element der kleinen Brüder Jesu, die ja sehr einfach und sehr solidarisch leben, haben wir ein Stück weit im Pallotti-Mobil umgesetzt. Das finde ich heute total interessant, dass das, was ich mit 17/18/19 geträumt habe, heute real geworden ist.

Hier nach Berlin hat und damals eine gemeinsame Vision und auch eine Option gelockt. Wir wollten ganz normale Gemeindearbeit mit einem sozialen Profil verknüpfen. Die drei Dimensionen sozial-spirituell-kulturell gab es von Anfang an. Es sollte für uns eine Großstadt sein. Wir haben uns damals auch in Hamburg umgeschaut. Wir wollten natürlich auch ein sozial spannendes Milieu. Damals haben wir lange gesucht und auch gebetet.

Diese Ecke „Neukölln“ war ja noch völlig unbekannt – inzwischen ist sie ja sehr bekannt. Vor 20 Jahren war es noch die „Bronx“ – inzwischen ist es sehr hip und wir staunen immer öfter, wo wir eigentlich gelandet sind. Je länger ich hier bin, desto spiritueller werde ich – obwohl ich ja vorher Spiritual im Noviziat der Pallottiner war. Das kommt, weil du hier ständig an Grenzen stößt und ständig mit Problemen konfrontiert bist. Da kannst du entweder sagen „es ist halt so“ oder du verzweifelst oder du sagst „mit Gott, da geht vielleicht noch was!. Und das hat uns auch mutiger gemacht, im Vertrauen auf Gott Schritte zu wagen und Gott auch konkret um Sachen zu bitten. Dass du Gott auch mal z.B. um Geld bitten kannst, lernst du nicht im Studium. Oder auch um die richtigen Mitarbeiter*innen für konkrete Projekte. Dass man Gott um so etwas bitten kann und nachher staunt, wie sich manches Puzzleteil einfügt.

Solange wir Visionen haben und merken, es gibt noch Horizonterweiterungen, so lange bin ich hier richtig.“
((jb 08.09.16))

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