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Jahren eingewandert, Portugiesen) finden sich dazwischen. Spra‐

che und Sitte ist dort überall deutsch, doch sprechen die meisten 

Deutschen außerdem die Landessprache, das Portugiesische, gut, 

oder wohl manche auch schlecht. Die Ortschaften haben meist 

zwei Namen, einen von der Regierung gegebenen brasilianischen 

und einen von der deutschen Bevölkerung gegebenen deutschen. 

So findet sich dort ein Ort „Kronenthal“, ein „Affenthal“ (weil die 

Frau des ersten Ansiedlers gefragt, wie es ihr auf der Farm, die in 

einem Tal gelegen war, gefalle, geantwortete hatte: „Ach Gott, es 

sind so viele Affen da, es ist das reinste Affenthal.“), ein „Hambur‐

ger Berg“ etc.  

Die Bevölkerung war damals durchgehend wohlhabend und lebte 

in ungebundener Freiheit. ‐ Sein Leben, Eigentum etc. musste aber 

auch jeder selbst zu schützen wissen. Am wohlhabendsten waren 

die „Vende“‐Besitzer. Vende ist ein Kaufhaus. Man kann dort so 

ziemlich alles kaufen und verkaufen: Getreide, Erdnüsse, Mais, 

Tierhäute, Schweineschmalz etc. ‐ Man kauft dort Kaffee, Reis, 

Zucker, Kleiderstoffe, Schirme, Sättel, Schuhe, Hüte, Häringe, Äxte, 

Sägen, Handwerkszeug, Bier, Wein, Schnaps etc. und man kann ein 

Zimmer haben zum Schlafen und Stallung für den Gaul, Mais und 

Futter für diesen und Essen und Trinken für sich selber. Die Land‐

schaft ist recht hübsch, oft flach, doch fehlen auch Hügel und Ber‐

ge nicht. Mais, Bohnen, Maniok, und dergl. wächst gut, dagegen 

Weizen und dergl. nicht dort unten in der Ebene (wohl oben im 

Gebirge bei den Italienern), Orangen, Feigen, Aprikosen, und derlei 

Südfrüchte gibt es in Hülle und Fülle, auch Bananen fand ich dort. 

Palmen erheben ihre stolzen schönen Kronen in die Lüfte, jedoch 

gibt es keine deutschen Hölzer. Wein wächst nicht gut, weil der 

Winter fehlt und so die Rebe jahraus jahrein ihr Laub behält. 

Schweinezucht ist für die Landbevölkerung die Hauptsache, mit 

Schweineschmalz, ein Grundhandelsartikel. In den Venden erhält 

aber der Verkäufer nach Vereinbarung nur einen Teil in bar, den 

anderen Teil in Waren ausbezahlt, wodurch der Kaufmann natür‐

lich 2‐mal Profit hat.  

Ich fragte einen dort geborenen jungen Deutschen, ob er sich nicht 

sehne, in Deutschland zu leben, von dessen Schönheit und hohem 

Kulturstand ihm seine Eltern doch viel erzählt hätten. Er antworte‐

te, es scheine ihm schrecklich, dort zu leben, wo jedes Dorf einen 

Polizisten habe, nur Gendarmen umherstreifen, wo es keine Ur‐

wälder gebe, wo man nicht einmal das Wild schießen dürfe und