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Dafür hatten sie die Versehgänge frei (die sonst pro Meile nach
bischöflicher Anordnung berechnet wurden), hatten für die Messe
statt 4 nur 2 Mark zu geben und Begräbnisse und Ehen waren etwa
auf die Hälfte reduziert, für Taufen nach Belieben. Es fanden sich
Priester in Brasilien, die beim Ruf zum Kranken, falls die Familie
nichts für Priester gab, entweder die volle bischöfliche Taxe ver‐
langten, die, wenn der Kranke weit weg wohnte, sehr hoch und
manchmal über die Kräfte der Betreffenden war, oder einfach
nicht zum Kranken gingen und ihn sterben ließen ohne Sakramen‐
te. Es sieht dies schrecklich genug aus für einen Priester. Es scheint
aber, dass sie ihr Gewissen so formierten: „Gehe ich zum Kranken
ohne die bischöfliche Taxe zu verlangen, oder ohne dass die Fami‐
lie den jährlich vereinbarten Betrag zahlt, dann wird bald
Niemand
dem Priester was geben, was zur Folge haben wird, dass nicht Ein‐
zelne, sondern alle ohne die Sakramente sterben müssten.“ (Ich
sage das aber nicht von unseren Patres, wohl verstanden.) Ich sah
ein, dass die Sache der Beachtung wert war, nahm mir aber vor,
nie dem Kranken den Trost der Sterbesakramente zu versagen und
machte es dann so. Wurde ich gerufen, dann ging ich hin, fragte
aber, wenn mit dem Kranken fertig, ob man den Vertag mit den
Patres gehalten und bezahlt habe, wenn nicht, ersuchte ich inner‐
halb 14 Tagen zu kommen und in Geld oder Naturalien zu zahlen.
Tat man es, so war es ja gut, tat man es aber nicht, dann verkün‐
digte ich sonntags von der Kanzel ein oder mehrmals: der N. N.
wird hiermit aufgefordert, bis ‐ bei mir oder P. Walter im Pfarrhaus
zu erscheinen zur Regelung einer gewissen Angelegenheit. ‐ O, das
zog. Dann kamen sie schon. Wohl ein bisschen wütig, doch der
Zweck war auch erreicht ohne Versagung der Sterbesakramente. ‐
Das Klima dort war nicht ungesund, gelbes Fieber kam dort oben
im ungefähr 100 Meter hoch gelegenen Caxias nicht vor. Nur ein‐
mal hatte ich Influenza, die man ja überall bekommen kann und
öfters Rheumatismus in den Schultern. Öfters wurde ich zu Diph‐
theritis‐Kranken gerufen. Ein Arzt war damals noch nicht da, so
machte ein Kolonist den Doktor. Mit einer kleinen Gerte, die er
umwickelte, bearbeitete er innen den Rachen und Hals des Patien‐
ten und es scheint, dass er verschiedene durchbrachte. Ich kannte
einen Gendarmen, dem er den Mund und Rachen derart bearbei‐
tet hatte, dass die Öffnungen der Nase im Mund völlig zugewach‐
sen waren und kein Atem mehr durch die Nase ging. Gewöhnlich
kam diese Krankheit nur in Häusern vor, die in Tälern am Wasser
lagen. Die größte Hitze war im November, Dezember und Januar.




