160
te unser Interesse, besonders P. Patrick sah es als Stück seiner
Heimat an, es ist ja englisch. Auf der Reise trafen wir dann noch
eine ganz kleine Insel, wohl mehr ein Felsen, St. Pietro nannte man
dieselbe. Sonst gab es nur Himmel und Wasser zu sehen, bis wir
nach 18‐tägiger Fahrt in Montevideo ankamen. Die See war meist
schön und ruhig, nur während einer Nacht war Sturm und die Wo‐
gen rollten über Deck des Schiffes noch gegen Morgen, was zur
Folge hatte, dass auch ich ‐ das einzige Mal auf dieser Fahrt ‐ see‐
krank wurde.
In Montevideo, das sehr schön an einem Berge liegt,
wurden wir
von P. Kopf aufgenommen
, beherbergt und bewirtet, bis Gelegen‐
heit zur Weiterfahrt gefunden war. Es gibt dort eine gute Anzahl
Neger. Die Stadt, Bischofssitz, ist teils modern, teils auch mehr
primitiv aus einstöckigen Steinhäusern erbaut. P. Kopf besorgte
uns nach mehreren Tagen eine Fahrgelegenheit per Dampfe nach
der Stadt Rio Grande do Sul im brasilianischen Staat desselben
Namens. P. O’Grady fuhr nach Mercedes in andere Richtung. Lei‐
der kam unser Dampfer auf dem Wege nach Rio Grande einige
Male fest zu sitzen und wenn wir auch wieder loskamen, so hatte
es doch die schlimme Folge, dass wir in Rio Grande erst ankamen,
nachdem der Dampfer nach Porto Alegre schon einige Stunden
fort war. So musste ich dann mit den 2 Brüdern fast eine Woche
dort bleiben, bis zur Abfahrt des nächsten Dampfers.
Ich logierte uns bei einem deutschen Wirt (früher Schuster in Bre‐
men) ein. Der Mann war protestantisch. Sein ältester Sohn, der
getauft worden war, war einige Jahre in Hamburg gewesen, um
eine gute Ausbildung zu erhalten, auf der Rückreise nach Brasilien
hatte er Schiffbruch gelitten und war ertrunken, die anderen Kin‐
der, 5 ‐ 6 an der Zahl, alle zu Hause, waren gar nicht getauft. Der
Herr Papa meinte, er wolle warten, bis keine mehr kämen, dann
wolle er sie alle zusammen taufen lassen, wäre einfacher und billi‐
ger, und zwar gleich katholisch, da Brasilien doch ein katholisches
Land sei. ‐ Auch einen Metzger aus Würzburg traf ich dort, der in
Frankfurt ein eigenes Geschäft gehabt hatte. Verlockt von Anprei‐
sungen hatte er sein Geschäft ‐ seine Frankfurter Armut ‐ wie er
meinte, verkauft, um in Brasilien schnell reich zu werden. Doch er
beklagte diesen Schritt sehr. Eine eigentliche Metzgerei konnte er
in Brasilien nicht errichten, weil sich das Fleisch nicht hielt. Nur
hier und da konnte er noch schlachten, wenn er vorher Abnehmer
für das Fleisch gefunden hatte, nebenbei war er Holzspalter; doch




