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A.
Heinrich Vieter PSM
Selbsterlebtes in Brasilien
A.S.A
A.M. + D.G.
A. D. P.
J. M. V.
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Selbsterlebtes in Brasilien
Ende des Jahres 1888 erhielt ich in Masio den Auftrag, nach Brasi‐
lien zu gehen, um dort in einer der italienischen Kolonien in der
Seelsorge zu wirken. Nachdem ich noch in Masio auf Wunsch mei‐
ner Oberen versuchte, das Reiten zu lernen (in Brasilien reitet je‐
der und jede) und dabei die linke Schulter auseinander gefallen
hatte, fuhr ich, halb geheilt, den Arm in der Binde, Ende Februar
1889 von Masio ab, zusammen mit P. Patrik O’Grady, der nach
Mercedes bestimmt war, und mit 2 Laienbrüdern. Wir schifften
uns in Genua ein. Das Schiff „Duca di Galiera“ war ein Prachtschiff
ersten Ranges, der Kapitän ein Gentilhomo. Wir buchten 2. Klasse,
durften aber als Missionare 1. Klasse fahren. In der ersten Klasse
waren etwa 55 ‐ 60 Personen ‐ darunter auch in Südamerika reich
gewordene Italiener und Spanier, die eine Reise in die Heimat ge‐
macht hatten und nun zurückkehrten. Von etwas protzenhafter
Neigung konnten einige sich nicht ganz frei halten.
Die Passagiere der I. Klasse begannen nach der Abfahrt von Tanger
in Gegenwart des Kapitäns ‐ der stets alle behandelte, als ob sie
Prinzen wären, die ihm zunächst sitzenden Damen bediente etc. ‐
täglich über den (freien) Tischwein zu schimpfen, er sei nicht gut
und schmecke nach dem Fass etc. Einige Tage hörte der Kapitän es
ruhig an, dann endlich stand er auf, klopfte an sein Glas und sagte:
„Meine Damen und Herren! Hätten Sie mir vor der Abfahrt von
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Dem Beispiel Pallottis folgend hat Vieter an den Beginn seiner Schreiben oft
Abkürzungen gesetzt: A.S.A (Ad Salvandas Animas – Zur Rettung der Seelen) –
A.M.+D.G. (Ad Maiorem Dei Gloriam – Zur größeren Ehre Gottes) – A.D.P. (Ad
Destruendum Peccatum – Zur Vernichtung der Sünden) – J.M.V. (Immaculata Maria
Virgo – Unbefleckte Jungfrau Maria)




